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Skalleti siegt in München-Riem : Geduld zahlt sich aus

  • -Aktualisiert am

Der souveräne Sieger in München-Riem hieß Skalleti. Bild: Picture-Alliance

Im Großen Dallmayr-Preis auf der Galopprennbahn München-Riem setzt sich der favorisierte Schimmel Skalleti durch – und das auf eindrucksvolle Art und Weise.

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          „Es hat mir die Nackenhaare vor Begeisterung hochgestellt“, beschrieb der Geschäftsführer des Münchener Rennvereins, Sascha Multerer, den Auftritt des sechsjährigen Schimmels Skalleti im Großen Dallmayr-Preis am Sonntag auf der Galopprennbahn in München-Riem. Die Art und Weise, wie der französische Gast das mit 100.000 Euro Preisgeld dotierte Gruppe I-Rennen – eines von nur insgesamt sieben in Deutschland – gewonnen hat, beschreibt das Wort eindrucksvoll nur unzulänglich. Leider durften coronabedingt nur knapp 1000 Besucher auf das weitläufige Areal der Rennbahn, obgleich vor wenigen Wochen noch mehr als 14.000 Fußballfans in der Münchener Arena waren.

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          Für 10.000 Euro war der Wallach im Besitz von Jean-Claude Seroul für das Rennen nachgenannt worden, 60.000 Euro betrug die Siegprämie. Skalleti ging als 1,3:1-Favorit an den Ablauf und erwies sich wie erwartet als zu harter Brocken für die fünf in Deutschland trainierten Starter. Über die 2000-Meter-Strecke versuchte sich Maxim Pecheur auf der vierjährigen Stute Tabera mit der Ausreißtaktik. Der französische Weltenbummler Gérald Mossé, der in mehr als drei Jahrzehnten im Rennsattel schon mehr als 70 Gruppe I-Rennen gewonnen hat, sah sich dagegen auf Skaletti das Ganze von hinten aus an.

          Vier Starts, vier Siege

          Im Zielbogen beschleunigte Pecheur noch einmal und setzte sich kurzfristig auf mehr als zehn Längen ab. Doch Mossé ließ sich nicht beirren: „Es ist nie leicht, geduldig zu sein, aber ich war mir immer sicher, dass wir gewinnen“, sagte er. „Sie haben die Tempomacherin etwas zu weit weggehen lassen, deshalb habe ich frühzeitig nachgesetzt, um es Skalleti nicht zu schwer zu machen.“ Nur mit den Händen – wie immer ritt Mossé in weißen Handschuhen – trieb er den Schimmel kurz an, der schloss sofort zu der müde werdenden Tabera auf und siegte am Ende überlegen mit fünf Längen vor dem besten Deutschen Grocer Jack und der starken Stute No Limit Credit.

          Es war der vierte Gruppensieg für Skalleti in diesem Jahr bei vier Starts, zwei davon jetzt auf höchstem Niveau. Trainer ist der aufsteigende Franzose Jerome Reynier, der seine Pferde in Marseille vorbereitet. Dass ein solches Spitzenpferd aus dem Süden des Landes, der rennsportlichen Provinz kommt, ist höchst ungewöhnlich. „Wir sind sehr glücklich. Es war unser erster Sieg in Deutschland“, so Reynier. „Das große Saisonziel ist Ascot im Oktober mit den Champion Stakes, dort waren wir im Vorjahr schon Zweiter.“ Danach ging es nach Hongkong und dieser Ausflug lief völlig schief. „Skalleti hat gut zwei Monate danach zur Erholung gebraucht, wir wussten nicht, ob er noch einmal auf die Rennbahn zurückkehrt.“

          Erfolg für deutsche Vollblutzucht

          Reynier hat das „Godolphin Flying Start“-Ausbildungsprogramm durchlaufen, das junge Talente im Rennsport fördert. Vinzenz Schiergen, der Sohn des deutschen Spitzentrainers Peter Schiergen, gehört zu den aktuellen Teilnehmern, der englische Trainer Charlie Appleby ist erfolgreicher Absolvent. Er trainiert sogar für das Godolphin-Vollblutimperiums von Dubai-Herrscher Scheich Mohammed bin Raschid al Maktoum.

          Mit dem dreijährigen Adayar hat Appleby derzeit das wohl beste Pferd Europas über die klassische 2400-Meter-Distanz im Stall. Denn der Hengst bestätigte am Samstag mit dem Erfolg in Ascot in den King George VI. & Queen Elizabeth II. Stakes, dem wichtigsten Rennen in Europa im Sommer über 2400 Meter, seinen Sieg im Englischen Derby. Gegen nur vier, allerdings ranghohe Konkurrenten gewann er leicht mit knapp zwei Längen vor dem Saudi-Cup-Gewinner Mishriff und verdiente die Siegprämie von mehr als einer halben Million Euro für Godolphin.

          Es war aber auch ein Stück weit ein Erfolg für die deutsche Vollblutzucht: Denn vier Generationen zurück mütterlicherseits taucht im Stammbaum von Adayar die Stute Anna Paola des Gestüts Röttgen auf, die selbst ein großes Rennpferd, aber eine noch größere Mutterstute war.

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