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Fußball und Galopp : Die Leidenschaften des Klaus Allofs

  • -Aktualisiert am

Der erste Siegertyp: Wake Forest brachte Klaus Allofs Spaß und Geld. Bild: Imago

Als Manager des VfL Wolfsburg hat Klaus Allofs viel Verantwortung und viel Stress. Die Begeisterung für den Pferdesport nutzt der Sportsmann als guten Ausgleich zum Fußball. Auch hier zeigen sich schon erste Erfolge.

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          „Fußball ist mein Beruf. Beim Galopprennen finde ich Ablenkung und Entspannung.“ Der Fußball-Manager und frühere Nationalspieler Klaus Allofs trennt seine großen Leidenschaften sehr genau. Doch am Sonntag in München war mehr An- als Entspannung dabei. Denn der in seinem Mitbesitz stehende fünfjährige Hengst Potemkin war der Favorit für den Großen Dallmayr-Preis, ein mit 155.000 Euro dotiertes Gruppe-1-Rennen über 2000 Meter. Allerdings reichte es dann doch nur zu Platz drei. Die 100.000 Euro Siegprämie holte sich der Hengst Elliptique unter dem italienischen Weltklasse-Jockey Frankie Dettori vor der von Peter Schiergen in Köln trainierten vierjährigen Stute Royal Solitaire. Allofs muss damit weiter auf seinen ersten Sieg in der allerhöchsten Klasse warten.

          Als Fußballer kennt sich Allofs mit der Champions League bestens aus, auch wenn der VfL Wolfsburg in der neuen Saison nur zuschauen kann. Doch als Pferdebesitzer war es Neuland, Teil der neugeschaffenen Rennserie German Champions League zu sein, deren fünfter Lauf von insgesamt elf in München stattfand. Zum ersten Mal in der Saison trafen die Dreijährigen auf ältere Pferde, zuvor waren die Rennen nach Altersklassen getrennt.

          Fußball und Galopp sind Leidenschaften, die den 59-Jährigen seit Kindesbeinen begleiten. Allofs wuchs in Gerresheim in der Nähe der Düsseldorfer Rennbahn am Grafenberg auf. „Mein Großvater besaß eine Konditorei, die auch am Sonntag geöffnet hatte. Nach Ladenschluss sind wir zu Fortuna Düsseldorf oder auf die Rennbahn gegangen“, erinnert sich Allofs. Auch in den Rennsport stieg der Fußballprofi Allofs früh ein - schon mit 18 Jahren beteiligte er sich an einem Vollblüter. Für sein erstes eigenes Pferd, die Stute Wadima, verzichtete er sogar auf statusträchtige schnelle Autos, die seinen Teamkollegen damals wichtig waren: „Ich fuhr seinerzeit einen Simca LS für 300 Mark. Meine Mitspieler standen auf erheblich mehr Pferdestärken.“

          Im Fußball ist Vfl-Manager Allofs in seinem Element – die Leidenschaft für Pferde entspannt und lenkt vom Alltag ab.

          Über die Jahre kaufte und beteiligte sich Allofs an mehreren Dutzend Pferden, mehr oder weniger erfolgreich. Nach einer längeren Pause stieg er 2010 wieder ein. „Klaus Allofs besuchte eine Vorführung mit Monty Roberts bei uns“, sagt Simon Stokes, der die Trainingszentrale der Stiftung Gestüt Fährhof bei Bremen leitet. Der weltberühmte „Pferdeflüsterer“ beeindruckte den Fußball-Manager. Als ihm Fährhof-Chef Andreas Jacobs eine Beteiligung anbot, schlug der Fußball-Manager zu. Die eigenen Rennfarben Lila-Weiß quergestreift, weiße Reitkappe mit lila Stern - in Erinnerung an seinen ersten Fußballverein TuS Gerresheim - wurden wiederbelebt.

          „Er ist durch und durch Sportsmann“

          Allofs und Fährhof haben eine klassische 50:50-Partnerschaft. „Er kommt uns mehrfach besuchen, interessiert sich sehr für die Pferde“, sagt Stokes. „Ich sage meine persönliche Meinung zu den möglichen Kandidaten, und er hat auch eine klare Vorstellung. Er ist durch und durch Sportsmann und kann mit Niederlagen gut umgehen - eine sehr interessante Persönlichkeit, von der man viel lernen kann.“ Der Erfolg stellte sich schnell ein. Mit Wake Forest gewann Allofs 2014 in Berlin-Hoppegarten sein erstes Gruppe-Rennen überhaupt.

          Ein zweiter Gruppe-Treffer folgte 2015 in Hamburg, und dann ging es zur Arlington Million in die Vereinigten Staaten.“ Dort hatten wir viel Pech, weil kurz vor dem Rennen ein Unwetter niederging, das die Chancen von Wake Forest zerstörte“, sagt Stokes. Wake Forest blieb in Amerika. Unter neuem Besitzer siegte er in diesem Frühjahr in den mit 400.000 Dollar dotierten Man O’War-Stakes.

          Allofs fasziniert vom Rennsport

          Doch Allofs hat mit Potemkin längst einen neuen Crack im Stall. Der Hengst, der vom aktuellen Champion Andreas Wöhler trainiert wird, kam erst spät in Schwung, entwickelte sich aber im Vorjahr zum Seriensieger, der sechs Rennen gewann. Höhepunkt war der Erfolg im Preis der Deutschen Einheit in direkter Nachfolge von Wake Forest. Ende Juni knüpfte Potemkin bei seinem Saisondebüt im Dortmunder Großen Preis der Wirtschaft an diese Leistung an. Er gewann das Gruppe-3-Rennen über 1750 Meter locker. „Potemkin hat sich enorm gesteigert, seine Leistung in Hoppegarten musste er erst einmal bestätigen“, sagte Allofs, der trotz Fußball-EM in Frankreich sein Pferd vor Ort verfolgte.

          Aktuell besitzt Allofs gemeinsam mit Fährhof sechs Pferde. Am Rennsport fasziniert ihn vieles: „Eine Kombination aus vielem - frische Luft im Grünen an schönen Orten. Die Geschwindigkeit und Rasse der Vollblüter. Auf der Rennbahn ist man nah dran an diesen tollen Geschöpfen. Hinzu kommt das Kribbeln beim Wetten: kleines Geld, große Spannung. Mit einem Wettschein fühlt man sich fast wie ein Mitbesitzer.“

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