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Corona und Pferdesport : Wie sich der Galoppsport durch die Krise wettet

  • -Aktualisiert am

Stradivarius mit Jockey Frankie Dettori gewinnt den Gold Cup in Ascot. Bild: dpa

Auch der Galoppsport in Deutschland ist durch Corona getroffen. Dennoch steht er in der Krise besser da als gedacht. Hengst Stradivarius gewinnt derweil im englischen Ascot den berühmten Gold Cup zum dritten Mal in Serie.

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          „Wetten Sie, was das Zeug hält!“ Mit dieser ungewöhnlichen Botschaft überraschte Galopper-Präsident Michael Vesper in der vergangenen Woche. Zwar gehören Wetten und Pferderennen schon immer zusammen, doch ein solch offensives Bekenntnis ist eher selten und hätte Vesper in seiner Amtszeit als Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sicher so manchen Widerspruch eingebracht. Doch das Gründungsmitglied der Grünen ist nun seit mehr als zwei Jahren an der Spitze des Verbands Deutscher Galopp und erlebt in dieser Rolle wegen der Corona-Pandemie „die schwerste Krise des Sports seit dem Zweiten Weltkrieg“, so Vesper. Dank erstaunlich guter Wettumsätze – rund 7,9 Millionen Euro an 21 Renntagen seit dem Neustart im Mai – stehen die Rennvereine aber besser da als gedacht.

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          „Wir haben mit einem Durchschnittsumsatz von 29.000 Euro pro Rennen gerechnet, tatsächlich waren es rund 35.000 Euro“, sagt Vesper. Dieser Zuwachs hatte viel mit der „Wetten, dass ..?“-Initiative dreier Rennstallbesitzer zu tun, die allein in der Siegwette für knapp 6000 Euro pro Rennen sorgte. Seit Samstag nun gibt es eine Fortsetzung. Bei „Wetten, dass . .? 2.0“ geht es vor allem um die Viererwette.

          Sie erlaubt den Rennvereinen zum einen doppelt so hohe Abzüge wie bei der Siegwette, zum anderen lockt sie mit hohen Gewinnsummen. Rund 121.000 Euro verteilten sich so am Samstag in Dortmund auf die erfolgreichen Wetter, denn es gab einen neuen Viererwetten-Rekordumsatz von 137.310 Euro, seit die Wettart 2004 in Deutschland eingeführt wurde. Mit Blick auf diese Zahlen sagte der „Wetten, dass“-Mitinitiator Lars-Wilhelm Baumgarten: „Darauf müssen wir aufbauen und das Wetten und die Gewinnung neuer Wetter in den Fokus aller Überlegungen nehmen.“

          Sportlich stand auf der Rennbahn in Wambel der Dortmunder Grand Prix, eine Gruppe-III-Prüfung über 1750 Meter, im Mittelpunkt. Die gewann der fünfjährige Hengst Aviateur sicher vor Potemkin, der dieses Rennen 2016 und 2019 für sich entschieden hatte. „Bei ihm ist alles ein Bonus“, sagt Mitbesitzer Klaus Allofs über den schon neunjährigen Wallach. Potemkin hat bei 30 Starts 16 Mal gesiegt, darunter bei Gruppe-Rennen aller drei Kategorien in drei Ländern. „Potemkin beweist die Härte des deutschen Vollbluts und zeigt auch, wie gut die Pferde bei uns betreut und keineswegs verheizt werden, wie manche Kritiker behaupten“, sagte der Präsident des Dortmunder Rennvereins, Andreas Tiedtke.

          Normalerweise gehen erfolgreiche Vollblüter früh in die Zucht, eine echte Ausnahme ist da der sechsjährige Hengst Stradivarius. Er hat im englischen Ascot den berühmten Gold Cup nun zum dritten Mal in Serie gewonnen. Dabei führte er sich vor dem Start „etwas hengstig auf“, wie sein Trainer John Gosden sagte. „Es muss wohl an meinem After Shave gelegen haben.“ Im Rennen zeigte sich der Fuchs aber als Vollprofi und „verabschiedete“ sich auf der Extremdistanz von 4000 Metern mit zehn Längen überlegen von der Konkurrenz. „Ich bin so stolz auf dieses Pferd“, freute sich sein ständiger Reiter Frankie Dettori. „Obwohl keine Zuschauer da sind, bin ich sehr aufgewühlt.“

          Der Gold Cup ist das bekannteste von acht Gruppe-I-Rennen, die beim berühmten Royal-Ascot-Meeting ausgetragen werden. Am Samstag machte Dettori mit dem Erfolg auf der Stute Alpine Star in den Coronation Stakes die Liste voll. „Ich habe 30 Jahre dafür gebraucht, alle Toprennen hier zu gewinnen. Jetzt kann ich wirklich sagen, dass ich Royal Ascot erobert habe“, sagte Dettori. Insgesamt hat er nun schon 73 Royal-Ascot-Sieger geritten.

          Zum Vergleich: Die britische Königin Elizabeth II. konnte sich Mitte der Woche über ihren 24. Royal-Ascot-Erfolg als Besitzerin freuen. Passenderweise holte sich der zweijährige, von der Queen selbst gezüchtete Hengst Tactical die Windsor Castle Stakes. Die Monarchin konnte das Listenrennen über 1000 Meter allerdings nur am Bildschirm im nahe gelegenen Schloss verfolgen, da sie Corona-bedingt erstmals seit 1953 nicht persönlich beim Royal-Ascot-Meeting dabei war.

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