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Galopp-Rennsport : Überlebensphase eins gelungen

  • -Aktualisiert am

Schneller Schimmel: Adrian und Jockey Andrasch Starke. Bild: Imago

Trotz fehlender Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen kamen die Galopp-Rennvereine ganz gut durch die Krise. Sie konnten sich aus Wetten finanzieren. Auch eine Initiative dreier Pferdebesitzer half.

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          Ein kleiner Klaps rund 300 Meter vor dem Ziel genügte, schon legte Adrian entscheidend zu. „Sobald ein Gegner kommt, schaltet er einen Gang höher“, sagte sein Reiter Andrasch Starke über den dreijährigen Hengst. „Heute hat er alles spielend leicht gemacht.“ Der Erfolg im Düsseldorfer Derby-Trial, einem Listenrennen über 2200 Meter, vor der Stute Deia sah trotz des kleinen Fünfer-Feldes beeindruckend aus. Adrian, gezüchtet vom Gestüt Röttgen, im Besitz des Gestüts Auenquelle, hat sich damit nach dem Saisondebüt, einem zweiten Platz im Gruppe-Rennen in Baden-Baden, noch gesteigert.

          Er dürfte in dieser Form beim 151. Deutschen Derby in Hamburg Mitte Juli eine scharfe Klinge schlagen. Allerdings stehen seine Siegchancen statistisch gesehen schlecht, denn noch nie hat ein Schimmel das seit 1869 gelaufene Derby gewonnen. „Adrian ist ein phantastisches Pferd mit einem Super-Charakter“, so Starke, dessen Derbyritt aber dennoch Wonderful Moon sein dürfte.

          Dieses Pferd ist seit Monaten schon der Favorit für das wichtigste Rennen in Deutschland und steht wie Adrian und ein weiterer Derby-Hoffnungsträger, Dicaprio, bei Henk Grewe auf der Rennbahn in Köln-Weidenpesch im Stall. Die Dominanz des aktuellen Championtrainers ist erstaunlich: Der Erfolg von Adrian war bereits der achte Sieg in einem Gruppe- und Listenrennen für Grewe in diesem Jahr. Damit ging fast jede zweite Prüfung in diesen sportlich und züchterisch wichtigen Kategorien an Grewe. „Adrian konnte sein Rennen selbst bestimmen“, so der Trainer. „Andrasch hat unterwegs das Tempo herausgenommen. Wenn er ein Führpferd gehabt hätte, wäre es noch einfacher gewesen.“

          Die Derbywoche wird aufgrund der Pandemie auf drei Renntage, vom 10. bis 12. Juli, verkürzt und fällt in die „Phase zwei“, wie es der Präsident des Galoppverbandes, Michael Vesper, ausdrückt. Phase eins begann mit dem Neustart nach der achtwöchigen Zwangspause am 7. Mai in Hannover und endet am 15. Juni in München. Phase drei soll von September an laufen, wenn nach aktuellem Stand das bundesweite Verbot von Großveranstaltungen ausläuft. Die Große Woche Baden-Baden, das international wichtigste deutsche Galopp-Meeting, wird deshalb sieben Tage nach hinten verschoben und ist jetzt vom 5. bis 13. September geplant. 65.000 Besucher wurden dort im Vorjahr an den sechs Renntagen gezählt. Wie viele zu Corona-Zeiten möglich sein werden, muss sich zeigen.

          Schritt für Schritt Normalität erreichen

          Auch wie sich die Rennpreise bis dahin entwickeln, ist offen. „Die Besitzer und Züchter haben den größten Beitrag geleistet durch ihr Einverständnis zur Halbierung der Rennpreise, dass wir den Neustart geschafft haben“, sagte Vesper. „Unser Bestreben ist es, Schritt für Schritt Normalität zu erreichen. Für die Phase zwei müssen wir prüfen, was schon möglich ist.“ Die wirtschaftliche Zwischenbilanz der ersten Phase fällt positiv aus – trotz fehlender Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen konnten sich die Rennvereine durch die Wetteinnahmen weitestgehend selbst finanzieren.

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          Das hatte nach Aussage Vespers vor allem zwei Gründe: Die Online-Wettanbieter haben alle Wetten weitervermittelt und dabei auf ihre Provisionen verzichtet. Diese Vereinbarung endet am 15. Juni, doch „die Verhandlungen für Phase zwei laufen, und wir sind auf einem guten Weg“, heißt es von Verbandsseite. Der zweite Grund sei die beispiellose Initiative dreier Pferdebesitzer. Unter dem Motto „Wetten, dass . . .?“ haben Lars-Wilhelm Baumgarten, Guido Schmitt und Christian Sundermann es geschafft, dass sich mehr als 100 Wetter und Tippgemeinschaften verpflichteten, in jedem Rennen bis Mitte Juni 50 Euro auf Sieg zu wetten. „Das hat für Umsatzzahlen gesorgt, die in den letzten 25 Jahren nicht mehr erreicht worden sind“, schreibt das Trio auf der eigenen Facebook-Seite.

          Dort wird die Aktion mit großem persönlichem Einsatz immer wieder befeuert, zum Beispiel mit regelmäßigen Videokonferenzen. „Das hat viel Spaß gemacht, ist aber auch anstrengend und zeitintensiv“, sagt Sundermann. „Um den Schwung zu erhalten“ haben sich die drei für die kommenden Monate eine neue Wette ausgedacht. Sie suchen Mitstreiter, die bereit sind, vom 20. Juni bis 8. November einmal wöchentlich 300 Euro einzusetzen. Dabei geht es dieses Mal nicht nur um die Sieg-, sondern auch um die Viererwette, bei der die ersten vier Pferde in der richtigen Reihenfolge getippt werden müssen. Das ist schwierig, aber finanziell lukrativ, da Gewinne bis zu 25.000 Euro locken. Durch Jackpots könnte diese Summe sogar noch deutlich wachsen. Aber auch für die Rennvereine ist das interessant, da die Abzüge, die zur Rennfinanzierung einbehalten werden, bei der Viererwette viel höher liegen als bei der Siegwette.

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