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Galopp-Präsident Vesper : „Die Lage ist sehr ernst“

Ohne Wetten geht es nicht: Der Galoppsport muss sich strecken. Bild: dpa

Die Pferde galoppieren wieder – an diesem Sonntag beim Deutschen Derby in Hamburg. Aber die Corona-Beschränkungen bremsen das Geschäft. Michael Vesper, Präsident von Deutscher Galopp, spricht über die Notwendigkeit staatlicher Hilfen.

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          Wie groß ist die Erleichterung in der Renn-Branche, dass an diesem Wochenende das Galopp-Derby in Hamburg mit dem Höhepunkt am Sonntag (Start 16.10 Uhr bei Sport 1) stattfinden kann?

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Das Derby ist unser Höhepunkt des Jahres, und wir freuen uns sehr darüber, dass es stattfinden kann – sogar mit dem normalen Preisgeld. Aber das täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass wir uns in einer schwierigen Phase befinden. Nach wie vor bleibt das Publikum ausgeschlossen. Nach wie vor haben wir erhebliche Einnahme-Ausfälle. Ganz gewiss leidet auch die Atmosphäre.

          Der Hamburger Renn-Club hat bis zuletzt um Zuschauer gekämpft. Warum hat es nicht geklappt? Hamburg erlaubt schließlich wieder Veranstaltungen mit bis zu 1000 Menschen?

          Ja, aber normalerweise kommen zehn- bis zwanzigmal mehr Menschen auf die Bahn. Nach meiner Einschätzung werden diesmal bis zu 700 Personen dort sein, Besitzer, Trainer, Mitglieder. Da ist es schwierig, dann noch zusätzlich eine solch begrenzte Zahl von Zuschauern zuzulassen. Es ist so ähnlich wie in der Bundesliga. Wir haben den Behörden ein überzeugendes Hygienekonzept vorgelegt, und auf unseren weitläufigen Rennbahnen ist es auch möglich, die Abstandsregeln einzuhalten. Nun setzen wir natürlich darauf, dass perspektivisch mehr Zuschauer kommen dürfen.

          Könnten Sie sich die Rennen in Baden-Baden ohne Zuschauer überhaupt vorstellen?

          Wir haben die Große Woche extra von Ende August auf Anfang September verlegt, weil wir nach wie vor die Hoffnung haben, dass dann auf der Grundlage unseres Hygienekonzepts Zuschauer zugelassen werden. Wir sind mit den Behörden darüber im Gespräch. Aber wir können immer nur kurzfristig planen in diesen Corona-Zeiten – wie alle anderen auch.

          Am 13. März musste wegen des Coronavirus der für 15. März vorgesehene Saisonauftakt in Köln abgesagt werden. Das hat Sie hart getroffen. Wie hat der Verband Deutscher Galopp es geschafft, dass Anfang Mai schon wieder Rennen gelaufen wurden, noch bevor die einflussreiche Fußball-Bundesliga wieder starten durfte?

          Wir haben sehr früh begonnen, mit den Behörden zu sprechen. Es gibt ja kein Vorbild für diese Krise, keine Blaupause. Allein die Zuständigkeiten sind sehr kompliziert, weil erstens die Bundesregierung gemeinsam mit den Ministerpräsidenten die Vorgaben gemacht hat, die zweitens dann in Landesverordnungen umgesetzt werden mussten, die drittens schließlich von den jeweiligen Kommunen anzuwenden waren. Alle drei staatlichen Ebenen waren involviert, haben dabei nicht immer gleichgerichtet gearbeitet, aber wir haben es ganz gut hinbekommen, mit ihnen die Sache auszuhandeln. So konnten wir schon am 7. Mai in Hannover starten, am 8. Mai in Köln, am 9. Mai wollten wir eigentlich in München starten, doch Bayern hat das nicht gestattet. Dann ist kurzfristig Mülheim eingesprungen, am 10. Mai gab es Rennen in Berlin, wir hatten es also an einem einzigen Wochenende mit drei Bundesländern zu tun.

          Sie waren unter anderem stellvertretender Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen, danach Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Wie sehr mussten Sie Ihr Netzwerk anzapfen?

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