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Galopprennsport : Steherqualitäten mit vier Schrauben

  • -Aktualisiert am

Auch mit 54 Jahren noch ein Spitzenjockey: Gérald Mossé, der Reiter mit den weißen Handschuhen Bild: Action Images

Gérald Mossé führt Rip Van Lips zum Sieg im wertvollsten Rennen des ersten Halbjahrs. Nach dem Sieg im Oleander-Rennen lobt der elegante Jockey die Qualitäten des lange verletzten Hengstes.

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          Weiße Reithandschuhe, markante Nase – Jockey Gérald Mossé ist seit fast drei Jahrzehnten eine beeindruckend elegante Erscheinung auf den großen Galopp-Rennbahnen dieser Welt. Der inzwischen 54 Jahre alte Franzose stand jahrelang in den Diensten des Aga Khan, geistiger Führer der Ismaeliten und einer der wichtigsten Vollblutzüchter und Besitzer in Europa. Allein in Hongkong ritt Mossé mehr als 500 Sieger, weltweit sind es über 1000. Auch in Deutschland ist er gelegentlich zu Gast, meist mit großem Erfolg wie auch am Sonntag im Comer Group International 50. Oleander-Rennen in Berlin-Hoppegarten. Das wichtigste Langstreckenrennen in Deutschland, eine Gruppe-2-Prüfung über 3200 Meter, war trotz Corona-Krise und fehlender Zuschauer mit 100.000 Euro dotiert und ist damit das wertvollste Rennen im ersten Halbjahr des Jahres.

          Mossé steuerte den fünfjährigen Hengst Rip Van Lips zu einem leichten Erfolg mit zweieinhalb Längen vor der Außenseiterin Memphis und dem französischen Gast Brokeback Mountain. „Von Beginn der Zielgeraden bis ins Ziel hat Rip Van Lips sein Potential abgerufen und nie nachgelassen“, sagte der Siegreiter. „Er ist ein toller Steher, den ich hier heute reiten durfte.“ Trainiert wird Rip Van Lips von Andreas Suborics, selbst ein ehemaliger Spitzenjockey und in dieser Saison schon Gruppe-Sieger mit dem dreijährigen Best of Lips. Besitzer beider Pferde ist der Unternehmer Hans-Dieter Lindemeyer (Stall Lintec). „Nach dieser Verletzung eine solche Leistung zu zeigen, das ist einfach phänomenal“, freute er sich über die Leistung von Rip Van Lips. 2019 musste er komplett pausieren, und nun wird sogar über einen Start im berühmten Ascot Gold Cup im Juni nachgedacht.

          Seit einer Fraktur vor drei Jahren hat Rip Van Lips vier Schrauben im rechten Vorderbein. Mitte des Vorjahrs kam er aber zurück auf die Rennbahn, gewann gleich beim ersten Start und wurde zum Saisonabschluss Zweiter im Oleander-Rennen, das wegen der Pandemie in den November verschoben wurde. Damals unterlag er noch dem Schimmel Quian, der jetzt wieder als Favorit ins Rennen gegangen war. Doch der Schützling von Peter Schiergen zeigte nicht seine gewohnte Endgeschwindigkeit, mit der er sich 2020 in die deutsche Galopperelite hervorgearbeitet hat. In dem 13er-Feld wurde Quian etwas enttäuschender Sechster. Dabei hätte er mit einem besseren Abschneiden noch Werbung für sich bei der Wahl zum „Galopper des Jahres 2020“ machen können. Der fünfjährige Quian ist einer von drei Kandidaten, für die noch bis Ende Mai online auf der Verbandsseite Deutscher Galopp abgestimmt werden kann.

          Im vergangenen Juni versuchte es Trainer Schiergen bei ihm erstmals über die Extremdistanzen – mit durchschlagendem Erfolg: Quian gewann innerhalb von vier Wochen drei Rennen über Strecken von 2800 bis 3200 Meter und arbeitete sich in der Klasse immer weiter nach oben. Im September holte er sich dann das traditionsreiche deutsche St. Leger in Dortmund (Gruppe 3) und schließlich das Oleander-Rennen (Gruppe 2). Doch in dieser Saison ist der Knoten noch nicht geplatzt. Neben Quian stehen die inzwischen vierjährigen Torquartor Tasso und Sunny Queen zur Wahl. Die von Henk Grewe trainierte Stute wurde im November die „Königin von München“, als sie im Großen Preis von Bayern (Gruppe 1) den Großer-Preis-von-Berlin-Sieger Torquartor Tasso bezwang. Der Derbyzweite wird von Marcel Weiß in Mülheim an der Ruhr vorbereitet.

          Die Abstimmung zum „Galopper des Jahres“ gibt es schon seit 1957, die erste Siegerin hieß Thila, zuletzt gewann Rubaiyat. Die beliebte Publikumswahl sorgte zu Hochzeiten dafür, dass mehr als eine Million Postkarten eingeschickt wurden oder dass ARD-Sportschau-Moderator Addi Furler den Sieger sogar ins Fernsehstudio brachte. Teilnehmen dürfen nur in Deutschland trainierte Pferde, ansonsten wäre die Frage des neuen Titelträgers schnell entschieden. Denn das beste Rennpferd aus deutscher Zucht und im deutschen Besitz des Jahres 2020 steht in Frankreich, im Stall von Francis-Henri Graffard in Chantilly bei Paris. Der inzwischen vierjährige Hengst In Swoop aus der Zucht und im Besitz des Gestüts Schlenderhan hat im Sommer das Deutsche Derby gewonnen und wurde dann im Oktober im wichtigsten Rennen Europas, dem Prix de l’Arc de Triomphe, Zweiter. Ein Erfolg in dem Pariser Millionenrennen ist nun das große Saisonziel für In Swoop, denn Schlenderhan-Besitzer Georg Baron von Ullmann träumt schon lange von einem Arc-Sieg.

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