https://www.faz.net/-gtl-xpn9
 

Gallopprennsport : Niedergang statt Neuanfang

  • -Aktualisiert am

Pferderennen sind die Verlierer eines immer härter werdenden Wettmarkts Bild: Wonge Bergmann

Vor einem Jahr versuchte sich der deutsche Gallopprennsport mit der Strukturreform „German Racing“ aus der Misere zu ziehen. Die neuesten Zahlen zeigen: Der Niedergang des Sports konnte nicht aufgehalten werden.

          1 Min.

          Mit viel Optimismus war German Racing im vergangenen Frühjahr ins Rennen gegangen. Der Begriff, so hieß es damals, stünde für einen „schwungvollen Neuanfang im deutschen Galopprennsport“. Die neuesten Zahlen sprechen indes eine andere, ernüchternde Sprache. Denn dieser allseits propagierte Neuanfang, mit einer Zentralisierung der Vermarktung, ist arg ins Stocken geraten.

          Auch das neue Modell eines „Erlebnissports der Extraklasse“ konnte sich der Baisse nicht entziehen, die den deutschen Galopprennsport seit Jahren plagt. Um sage und schreibe 15,2 Prozent im Vergleich zum Jahr 2009 ist der Wetteinsatz bundesweit zurückgegangen, auf exakt 31.713.497 Euro. Das ist nur noch etwa ein Drittel dessen, was in Hochzeiten dieser attraktiven, seit 188 Jahren bestehenden und damit ältesten organisierten Sportart hierzulande bilanziert wurde.

          Niedergang statt Neustart

          Ein weiterer Niedergang anstelle eines geplanten Neustarts – das hatte man sich alles etwas anders vorgestellt, als Albrecht Woeste, der Präsident des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen, diese Strukturreform ins Leben rief, wofür er nach zähem Beginn den Minimalbetrag von vier Millionen Euro für die neue Firma mit dem Monsternamen „DG Deutsche Galopprennsport Beteiligungs GmbH und & Co. KG“ einsammeln konnte. Unter dem Dach von German Racing sollten sich alle deutschen Rennvereine sammeln, um „gemeinsam kraftvoll an einem Strang“ zu ziehen.

          Die eine oder andere Insolvenz, wie etwa in Baden-Baden oder Frankfurt, sorgte allerdings für Feuer im Gebälk. Wenn schon auf der Renommierbahn vor den Toren von Baden-Baden nichts mehr ging, wie sollte es dann anderswo rund laufen? Die Rennen im Badischen wurden in einem Kraftakt ohnegleichen gerettet, in Frankfurt soll ein nun dritter Rennverein binnen drei Jahren das Überleben sichern.

          Teufelskreis nicht durchbrochen

          Ganz offensichtlich sind die Pferderennen hierzulande der Verlierer in den Kämpfen eines immer globaler und härter werdenden Wettmarkts. Zuviel Geld verschwindet in den dubiosen, in Steuerparadiese führende Kanälen des Internets, ohne dass der Galopprennsport daran seinen zählbaren Anteil hätte.

          Die Veränderung des Marktes geht zu Lasten der Wetten auf Pferde und der Vereine, die für ihre schwindende Kundschaft Rennen veranstalten. Und nehmen die Veranstalter weniger Geld ein, müssen sie die Anzahl der Rennen reduzieren und können weniger ausschütten, also einen Verlust an Attraktivität hinnehmen. Ein Teufelskreis, der mit German Racing durchbrochen werden sollte. Doch ob German Racing jemals der Renner werden wird, scheint fraglich.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.