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Frankfurt-Marathon : Gabius kriegt Dampf von einer neuen Lok

Freude über den Zieleinlauf: Arne Gabius war beim Frankfurt-Marathon schnellster Deutscher. Bild: dpa

Der deutsche Rekordhalter Arne Gabius ist beim Frankfurt-Marathon auf den neunten Platz gelaufen. Mit 2:11:45 Stunden verpasste der 37 Jahre alte Wahl-Stuttgarter allerdings seine angestrebte Zeit.

          Andere mögen deutlich schneller sein, aber die Frankfurter Festhalle ist so etwas wie das Wohnzimmer von Arne Gabius. Da ist er der Star. Das war auch am Sonntag nicht anders, als der beste deutsche Marathonläufer nach 42,195 Kilometern mit hoch erhobenen Armen ins Ziel lief. Dass er am Ende Neunter war und in 2:11:45 Stunden seinen eigenen deutschen Rekord (2:08:33) um mehr als drei Minuten verfehlt hatte, tat der Stimmung in Frankfurts guter Stube keinen Abbruch. Und Gabius stand mitten im Konfettiregen und ließ die emotionsgeladene Atmosphäre auf sich wirken.

          Der Äthiopier Kelkile Gezahegn (2:06:37 Stunden), der das Duell der Favoriten mit dem Kenianer Martin Kosgey (2:06:41) für sich entschieden hatte, war da schon beim Umziehen. Aber auch der 37 Jahre alte Deutsche wirkte noch erstaunlich frisch. Was auch der anschließende Redefluss unterstrich. „Ich bin absolut zufrieden. Es war ja ein sehr starkes Feld in diesem Jahr.“ Nicht in der absoluten Weltspitze, die seit jenen 2:01:39 Stunden des Kenianers Eliud Kipchoge am 19. September in Berlin noch einmal in eine neue Dimension vorgerückt ist, aber in der Breite.

          Gabius muss in jedem Fall in eigenen Kategorien denken. Zumal die Saison nicht einfach war. Beim Boston-Marathon stieg er im Frühjahr wegen Problemen mit der Nackenmuskulatur aus. Die bekam er zwar in den Griff, verpasste aber die Europameisterschaften in Berlin. Es gab auch danach „Lücken im Training“ wie der Hamburger sagt, „aber weil die guten Tage überwogen“, hat er sich für den Start in Frankfurt entschieden. Und da war es nicht so relevant, dass er bei seinem vierten Start am Main erstmals über der 2:10-Stunden-Barriere blieb.

          Die Bedingungen waren ohnehin alles andere als ideal. Kalt und böig trieb der Wind das Herbstlaub durch die Straßen. Und bremste die Läufer vor allem auf dem zweiten Streckenabschnitt. „Es war stürmisch und vollkommen unberechenbar“, sagte Gabius, der am Ende dennoch mit sich vollkommen im Reinen war. „Ich habe dieses Jahr wenig Wettkämpfe bestritten, und die ersten fünf Kilometer fielen mir besonders schwer.“ Aber dann, als der Gabius-Express ins Rollen kam, „hatte ich ein tolles Renngefühl.“ Was nicht zuletzt an seiner Lokomotive lag, die ganz unerwartet in den Blickpunkt rückte.

          Richard Ringer war am Sonntag vielleicht so etwas wie der heimliche Gewinner. Zumindest perspektivisch. Der 29-Jährige verblüffte bei seinem Debüt als Pacemaker derart, dass Gabius unterwegs mulmig wurde. „Der hat mir Angst gemacht“, sagte er. Das war als Kompliment gemeint, weil Ringer seine Arbeit als Tempomacher mit der Präzision eines Uhrwerks verrichtete – wie ein alter Hase. Und das länger, als eigentlich verabredet. Bei Halbmarathon sollte er aussteigen, aber erst nach 31,5 Kilometern verabschiedete Gabius ihn mit einem Handschlag – als Dankeschön. „Mir tat nix weh, aber ich wollte dann auch nichts riskieren“, sagte Ringer nach seinem längsten Lauf überhaupt.

          Der 29-Jährige ist schließlich auf der Bahn zu Hause, und ist mit seinen Bestzeiten über 5000 Meter (13:10,99 Minuten) und 10000 Meter (27:36,52) jeweils auf Platz vier in der ewigen deutschen Bestenliste vorgerückt. Die Straße war bislang kein Thema. Gabius ist überzeugt, dass sich das jetzt ändern wird. „Wir haben heute den Beginn einer Straßenkarriere gesehen“, prophezeite er. Und er sieht einen ernstzunehmenden Rivalen, vielleicht sogar seinen Nachfolger heranreifen: „Ich glaube, da muss ich den deutschen Rekord noch ein bisschen hochschrauben, sonst ist der bald in Gefahr.“ Eilig scheint es Ringer aber nicht zu haben. „Ich habe nicht vor, in den nächsten Jahren auf Marathon zu gehen“, sagte er. Bis Olympia 2020 will er sich besonders auf die 5000 Meter konzentrieren. Aber dann stehen die Zeichen auf Asphalt. Man darf gespannt sein.

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