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Comeback im zweiten Anlauf : Gabius’ Punktlandung im Frankfurter Sturm

  • -Aktualisiert am

Gabius nur Sechster beim Frankfurt-Marathon Bild: dpa

Nach langer Verletzungspause musste er im April in Hannover vorzeitig aussteigen, in Frankfurt rennt Arne Gabius aus dem Kreißsaal auf Platz sechs. Der beste deutsche Marathonläufer verpasst aber einen Rekord.

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          Der Krampf durchzuckte Arne Gabius gerade in dem Moment, als er vom Podium aufstehen wollte, um ein außergewöhnliches Präsent in Empfang zu nehmen. Jo Schindler, der Veranstalter des Frankfurt-Marathons, fragte kurz: „Geht’s denn?“ und drückte dem 36 Jahre alten Langstreckenläufer und Jung-Vater dann eine ganz spezielle Baby-Erstausstattung in die Hand: ein weißes Lauftrikot mit der Aufschrift „Marathon“ samt dunkler Hose – alles im Miniformat. Und Gabius bedankte sich lachend und sagte in Anbetracht seiner von 42,195 Kilometern durch die Straßen von Frankfurt schweren Beine: „Zum Glück brauche ich in den nächsten Wochen ja nur meine Hände fürs Windelwechseln.“ Die Beine haben jetzt erst mal Schonzeit nach dem Härtetest auf Frankfurter Pflaster.

          Es war ein überaus bemerkenswertes und irgendwie auch stürmisches langes Wochenende für Gabius, wenn man den Donnerstagabend einschließt. Da ist er zum ersten Mal Vater geworden: Frederik Bosse heißt der Sohnemann. Und die Geburt drei Tage vor dem errechneten Termin hat den Kopf frei gemacht, um am Sonntag in aller Konzentration seiner Profession nachzugehen: dem Marathon. Und war die Geburt schon Maßarbeit, schaffte Gabius auch sportlich eine Punktlandung: In exakt 2:09:59 Stunden war der Wahl-Stuttgarter im Ziel, exakt eine Sekunde unter seinem Minimalziel: Platz sechs unter 14500 Läufern und – eher nebenbei – auch deutscher Meister.

          Ganz vorne machte in Frankfurt, eigentlich eine Hochburg der Kenianer, ein äthiopisches Trio den Sieg unter sich aus. Wobei die jungen Außenseiter Shure Kitata Tola (2:05:50) und Kelkile Gezahegn Woldaregay (2:06:56) den Favoriten Getu Feleke (2:07:46) hinter sich ließen. Bei den Frauen gewann die Kenianerin Vivian Cheruiyot zwar in 2:23:35 Stunden, aber die Olympiasiegerin von Rio über 5000 Meter musste ihre Hoffnungen auf einen Streckenrekord in den Wind schreiben.

          Harter, zäher Kampf

          Diesmal gab es einen unsichtbaren Gegner, der alle schönen Pläne durcheinanderwirbelte. Sturmtief Herwart entfaltete am Main zwar nicht unbedingt zerstörerische Kraft, aber die bisweilen heftigen Böen reichten als Rhythmusbrecher und Energiefresser. Bei Halbmarathon waren die Zeiten noch rekordverdächtig, aber auf dem zweiten Abschnitt wurden nahezu alle ausgebremst. Arne Gabius kann davon ein Lied singen. Es war ein harter, zäher Kampf. Zumal sich zwei von seinen drei Tempomachern viel zu früh verabschiedet hatten. „Gerade zwischen Kilometer 20 und 30 hätten wir sie dringend gebraucht“, sagte Gabius. Da blies den Läufern der Gegenwind voll ins Gesicht. „Aber das muss man dann abhaken und einfach weitermachen.“

          Immerhin tat sich ein europäisches Trio zusammen – mit dem britischen Debütanten Dewi Griffith und dem polnischen Lauf-Veteran Henryk Szost, bevor Gabius in eine kleine Krise geriet. Da war klar, dass er seinen deutschen Rekord (2:8:33), 2015 in Frankfurt aufgestellt, nicht würde verbessern können. „Im letzten Teil hat meine linke Oberschenkelrückseite zugemacht“, beschrieb Gabius jene kritische Phase, von der er sich immerhin erholte. Mit dem Minimalziel im Blick. „Die Chance auf unter 2:10 Stunden war da, und da habe ich voll auf Risiko gesetzt.“ Es zahlte sich aus: „Das dritte Mal unter 2:10 in Frankfurt, das ist doch toll“, sagte Gabius erleichtert. Deutschlands bester Marathonmann hat in den vergangenen beiden Jahren mit Verletzungsproblemen zu kämpfen gehabt. Vor allem mit einer hartnäckigen Schambeinentzündung.

          Und die Schmerzen überfielen ihn im August im Höhentrainingslager von Pontresina wieder. „Ich dachte, das Jahr kannst du auch abhaken. Da war ich am Tiefpunkt“, sagt Gabius, der die Probleme diesmal aber innerhalb einer Woche in den Griff bekam. Auch weil er die Ernährung umgestellt und „zum Teetrinker mutiert“ ist. Erst nach seinem guten Auftritt beim Halbmarathon in Kopenhagen „sind mir drei Brocken vom Herzen gefallen“. Seitdem läuft es für Gabius, der im europäischen Ranking von Frankfurt Platz zwei hinter Griffith (2:09:49) und vor Szost (2:10:09) einnimmt.

          Europa ist ein gutes Stichwort. Im August 2018 finden in Berlin die Leichtathletik-Europameisterschaften statt, und Gabius könnte da durchaus um die Medaillen mitlaufen. Andererseits ist er aber auch nicht sonderlich gut auf den Deutschen Leichtathletik-Verband zu sprechen, weil der nicht die Kosten für seine Trainingslager übernommen hat. Aber rennen will er schon in Berlin. Nur eben nicht auf der Straße, sondern auf der Bahn – und er kann das auch gut begründen. Einmal trainingsmethodisch: „Ich muss auf den Unterdistanzen schneller werden, wenn ich mich im Marathon verbessern will. Da passen die 10.000 Meter doch wunderbar.“ Zum anderen auch aus Unternehmersicht. „Ich will wegen der EM ja keinen Herbst-Marathon auslassen.“ Weil der wirtschaftlich lukrativer ist. Chancen sieht Gabius auch über 10000 Meter: „25 Runden im Olympiastadion, volles Haus, das wird eine richtig tolle Party.“

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