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Fußballkrimi : Ein Wunder, das zum Politthriller wurde

  • -Aktualisiert am

So war es 1986: Wolfgang Funkel trifft zum 1:1 für Uerdingen Bild: picture-alliance / dpa

Der Film zum „Größten Spiel aller Zeiten“ mit Bayer Uerdingen, Dynamo Dresden und Klaus Sammer in den Hauptrollen kommt ins Fernsehen. Auch die Stasi war vor über zwei Jahrzehnten mit von der Partie bei dieser deutsch-deutschen Tragödie.

          Das letzte Wort hat Wolfgang Funkel. War es das Spiel Ihres Lebens? "Eindeutig ja", antwortet der frühere Vorstopper gut zwei Jahrzehnte später. Als dreimaliger Torschütze bekleidete Funkel auf der Rasenbühne die auffälligste Heldenrolle bei jenem 7:3, das eine Fachjury auf Initiative des Magazins "11 Freunde" zum größten Fußballspiel aller Zeiten gewählt hat.

          Bayer Uerdingen hatte das Viertelfinal-Hinspiel im Europapokal der Pokalsieger 0:2 verloren und lag daheim gegen Dynamo Dresden - scheinbar aussichtslos - 1:3 zurück. Mit sechs Toren in der zweiten Halbzeit bahnte Uerdingen sich noch den Weg unter die letzten vier. "Es ist kaum zu glauben, fußballerisch auch nicht zu erklären", sagt der damalige Uerdinger Trainer Karl-Heinz Feldkamp. Doch die Dramatik dieses Spiels erschöpft sich nicht in einer großartigen Aufholjagd. Uerdingen gegen Dresden, das war ein Fußballkrimi, dessen Faszination über das schon fast surreale Geschehen auf dem Rasen des Krefelder Grotenburg-Stadions weit hinausgeht.

          Studium von Stasi-Akten

          Vollständig erschließt sich der Plot dieses deutsch-deutschen Politthrillers mitten aus der Wirklichkeit erst nach dem Studium von Stasi-Akten und allerlei Gesprächen mit den Protagonisten. Dieser Mühe hat sich der Journalist Bernhard Dreiner unterzogen. Nach langer Recherche fügt er die vielen Handlungsstränge, die auch die Flucht eines Dresdner Spielers umfassen, zu einer 45minütigen Fernsehdokumentation zusammen, die der Westdeutsche Rundfunk am 29. Dezember von 16.45 Uhr an ausstrahlt.

          Der größte Verlierer: Dynamo-Trainer Klaus Sammer

          "Das Fußballwunder von Uerdingen" begnügt sich nicht damit, Siegernaturen wie den Uerdinger Kapitän Herget oder den nervenstarken, später vor Glück weinenden Elfmeterschützen Funkel hochleben zu lassen. Der "Sportschau"-Mitarbeiter widmet sich gerade den (politischen) Geschichten abseits des Rasens.

          Der vielleicht größte Verlierer

          Ein besonderes Verdienst liegt darin, dass es ihm gelungen ist, den damaligen Dynamo-Trainer Klaus Sammer zu einem Blick in die Vergangenheit zu bewegen. Sammer habe das Thema zunächst am Telefon "in ungefähr fünfzehn Sekunden abhandeln" und nur zwei Dinge sagen wollen: Der Schiedsrichter hat uns verpfiffen, und wir mussten den Torwart tauschen. Wäre es bei dieser dünnen Analyse geblieben und hätte der Autor Sammer nicht vor dessen Haus aufgelauert - der Trainer hätte den Zuschauern vieles vorenthalten.

          Sammer ist der vielleicht größte Verlierer dieses sportiven deutsch-deutschen Dramas. Wenn der Fokus sich auf ihn richtet, bekommt das Spiel die Züge einer Tragödie - nicht nur wegen des kuriosen Verlaufs und der zweifelhaften Entscheidungen des ungarischen Referees Nemeth, die der Film leider nicht aufklärt. Natürlich verliert Sammer seinen Job. Aber es ist keine Trainerentlassung, wie sie das Publikum aus der Bundesliga kennt.

          „Nach dem Westen abgehauen“

          Nach dem Spiel gehört der Fußball-Lehrer zu jenen, über die es in einer Stasi-Akte heißt: "Die Arbeitsweise der genannten Genossen entspricht nicht mehr den Erfordernissen aus den ihnen übertragenen Aufgaben." Ein Spiel zu verlieren, das gewonnen schien, wäre vermutlich schlimm genug gewesen. Aber Sammer hatte auch einen Spieler verloren. "Wenn einer nach dem Westen abgehauen ist, dann hast du sowieso keine Chance gehabt", sagt der Fußball-Lehrer.

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