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Darts-Spieler Unterbuchner : Aus der Traum vom Weltmeistertitel

Chancenlos im Halbfinale: Michael Unterbuchner Bild: Frank Röth

Im Halbfinale der Darts-WM erwischt Michael Unterbuchner einen „rabenschwarzen Tag“. Deutschland wartet also weiter auf seinen ersten Weltmeister mit den Pfeilen.

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          Michael Unterbuchner brauchte gar nicht besonders tief in die Analyse seines Matches zu gehen. Nach der 1:6-Niederlage im Halbfinale der BDO-WM gegen Scott Waites sagte der 30 Jahre alte Münchner lediglich. „Ein rabenschwarzer Tag.“ Diese drei Worte trafen so genau ins Ziel wie sonst an guten Tagen die Pfeile des deutschen Darts-Shootingstars der vergangenen zwölf Monate.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor Jahresfrist war der 30 Jahre alte Münchner erstmals in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, als er nach dem Sieg bei einem Qualifikationsturnier in den Tagen vor der WM mit über 200 Teilnehmern das Halbfinale der so genannten Lakeside-WM erreicht hatte.

          Spieler des Jahres

          Unterbuchner begeisterte die Welt des Dartverbands BDO, dem zwar älteren, aber im Vergleich zur Profidartsspielerorganisation PDC  mit ihrem erst vor zwei Wochen frisch gekürten Weltmeister Michael van Gerwen sportlich zunehmend weniger bedeutenden und weniger lukrativen WM-Organisator, so sehr, dass er zu WM-Beginn zum Spieler des Jahres 2018 gekürt wurde. Die Auszeichnung war auch Lohn für einen starken Auftritt beim Grand Slam of Darts, dem einzigen für BDO-Spieler offenen PDC-Turnier.

          Unterbuchner rechtfertigte die Auszeichnung bei der WM nun mit drei Siegen in den ersten Runden und teilweise famosen Leistungen unter erheblichem Druck einer drohenden Niederlage vor allem im Viertelfinale gegen den Niederländer Willem Mandigers, als er das Spiel letztlich in der „Verlängerung“ mit 5:4 gewann. So weckte der in der Bundesliga für Kelheim spielende Rechtshänder abermals die Hoffnung der deutschen Dart-Gemeinde auf einen ersten deutschen Weltmeister, der dem Sport in Deutschland den entscheidenden Schub würde geben können. Wenngleich die BDO sportlich im Schatten der PDC steht, haben die vier Weltmeistertitel beispielsweise des später zur PDC gewechselten Raymond van Barneveld in den vergangenen beiden Jahrzehnten in den Niederlanden einen Boom ausgelöst.

          Ähnliches wäre in Deutschland denkbar gewesen bei einem Erfolg. Am Samstag aber war dieser in so weiter Ferne wie gelegentlich die Würfe Unterbuchners in Relation zum gewünschten  Dreifach-20-Feld, das der Deutsche schlicht zu selten traf, um gegen den nicht famos, aber solide und stabil aufspielenden Waites mithalten zu können. So gingen die ersten fünf Sätze an den Engländer, ehe Unterbuchner wenigstens noch die 6:0-Niederlage verhindern konnte. Insgesamt sicherte er sich im Verlauf der gut eine Stunde dauernden Partie lediglich acht Leg-Gewinne. Waites spielt am Sonntagabend gegen Titelverteidiger Glenn Durrant um den Titel.

          So gilt es für Unterbuchner, im Jahr 2019 ein weiteres Jahr Erfahrungen bei Turnieren außerhalb der PDC zu sammeln, ehe er im kommenden Jahr beruflich kürzer treten und den Wechsel zu den Profis wagen will. Dafür muss er sich im Januar 2020 in Qualifikationsturnieren seine Tour Card sichern. Unterbuchner könnte dann zum zweiten deutschen Spieler mit mit Chancen auf Turniersiege bei der PDC avancieren. Bislang konnte sich alleine Max Hopp dort in Siegerlisten eintragen mit zwei Turniererfolgen im vergangenen Jahr.

          Öffnen

          Der Schritt erfordert dann freilich eine weitere Leistungssteigerung. Im FAZ.NET-Interview beurteilte Unterbuchner die BDO-WM kürzlich als ein Turnier, das eine Klasse unter dem PDC-Niveau angesiedelt werden muss. „Auch bei der BDO können alle exzellent Darts spielen. Aber man muss schon sagen, dass es nicht ganz so hochklassig abgeht wie bei der PDC“, sagte er. Diesem Urteil pflichtete nun auch der neue und alte Weltmeister Glen Durrant bei, der am Sonntagabend gegen den Unterbuchner-Bezwinger Waites mit 7:3 nach Sätzen das Finale gewann und als zweiter Spieler nach der 80er-Jahre-Legende Eric Bristow den dritten Titel in Serie errang.

          „Ich möchte mich nicht mir Eric Bristow vergleichen, er errang seine Titel, als die BDO noch alle Dartspieler vereinigt hatte. Ich muss mich nicht gegen Spieler wie Michael van Gerwen, Gary Anderson oder Michael Smith messen“, sagte Durrant. Der Seriensieger der BDO schließt bislang einen Wechsel zur PDC kategorisch aus. Er fühlt sich offenbar bei der deutlich ruhigeren Atmosphäre der BDO im Vergleich zum PDC-Zirkus wohler. Und so dürfte die Alternative zum lauten Profizirkus auch im Fall eines Unterbuchner-Abschieds weiter eine Alternative für Liebhaber des Pfeilewerfens bleiben.

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