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Konstanze Klosterhalfen : Laufbahn statt Laufsteg

Konstanze Klosterhalfen kann ihre Bestzeiten kaum fassen Bild: Imago

Konstanze Klosterhalfen sorgt für Aufsehen: Die Mittelstreckenläuferin rennt von einer Bestleistung zur nächsten. Nur das Kugelstoßen bereitet ihr derweil Probleme.

          Einen Schuhtick kann man Konstanze Klosterhalfen schon mal nicht nachsagen: Zwei Paar Turnschuhe und ihre Spikes - mehr braucht die 19-Jährige nicht, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. Dabei ist die Mittelstreckenläuferin locker 60, 70 Kilometer pro Woche auf den Beinen. Täglich trainiert sie auf der Bahn beim TSV Bayer Leverkusen, dazu dreimal wöchentlich draußen in Wald und Flur.

          Für ihre Leichtathletik-Laufbahn hat sie ihre zweite Leidenschaft hintangestellt. Das Modeln. Mit 16 lief „Koko“, wie ihr Trainer Sebastian Weiß sie nennt, schon auf der Fashion Week in Berlin. Auch einige Shootings kann sie schon vorweisen. Dabei ist sie mit ihren 1,74 Meter für den „Catwalk“ eigentlich zu klein. „Ein Zentimeter fehlt“, sagt sie lachend. Zu schnell für den Laufsteg war sie nicht. Dennoch hat sie ihn mit der Laufbahn getauscht.

          Europarekord in der Halle

          Die mittellangen Strecken zwischen 800 und 3000 Metern haben es ihr angetan, die 1500 Meter bezeichnet sie als „meine Hauptdistanz“. Erfolg hat die Rheinländerin derzeit auf allen Spuren, die sie belegt: Vergangene Woche brach sie bei den deutschen Jugend-Meisterschaften in Dortmund mit einer Zeit von 2:02,37 Minuten den deutschen U-20-Hallenrekord über 800 Meter, der seit 1980 gehalten hatte. Anfang Februar war sie beim Indoor-Meeting in Karlsruhe über 1500 Meter als Zweite hinter der Äthiopierin Axumawit Embaye ins Ziel gestürmt. Dabei stellte sie in 4:08,38 Minuten sogar einen Hallen-Europarekord der Altersklasse U 20 auf - und das noch als 18-Jährige.

          Es war ihr erstes internationales Rennen bei den Erwachsenen überhaupt. Vorher hatte sie gesagt, sie wolle nur mal sehen, „wie es so ist, bei den Großen mitzulaufen“. Danach lag sie in der europäischen Bestenliste auf Platz drei.

          An diesem Wochenende wird sie nun bei den deutschen Hallen-Meisterschaften über 3000 Meter starten. „Es ist methodisch wichtig, auch Unter- und Überdistanzen in Training und Wettkampf einzubauen“, sagt ihr Trainer, der die Läuferin aus Königswinter schon seit einiger Zeit betreut. Mittel- und langfristig kann sich der 30-Jährige vorstellen, dass Konstanze auch die 5000 Meter ernsthaft in Angriff nimmt. Überrascht von ihrer jüngsten Entwicklung ist er nicht: „Es hat sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet, dass sie ein sehr großes Talent mit viel Potential ist“, sagt Weiß. Sogar als „Ausnahmetalent“ hat sie Paul-Heinz Wellmann bezeichnet.

          Der Geschäftsführer der Leverkusener Leichtathletik-Abteilung muss es wissen, er war selbst erfolgreicher 1500-Meter-Läufer, Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen von Montreal 1976. Weiß hat die Vorläuferin seiner Trainingsgruppe „kontinuierlich und langfristig aufgebaut“, wie er sagt. Übungen zu Beweglichkeit und Koordination sind die stabilisierenden Inhalte neben dem Lauftraining; er versucht, sie vielseitig auszubilden. Wenn ihr überhaupt noch etwas fehle, dann sei es die Schnellkraft, so Weiß: „Sie ist nicht so der Sprintertyp.“

          Nicht fürs Kugelstoßen geeignet

          Konstanze Klosterhalfen selbst betrachtet die Lauf-Welt derzeit noch einigermaßen überwältigt mit großen Augen. In Leipzig wäre sie gerne zum zweiten Mal in diesem Monat gegen ihr Vorbild gelaufen: Gesa Felicitas Krause. Aber die Frankfurterin, die im vergangenen Jahr bei den Weltmeisterschaften in Peking mit ihrem Bronzemedaillen-Lauf über 3000 Meter Hindernis für einen deutschen Gänsehautmoment in der Leichtathletik gesorgt hatte, musste wegen eines grippalen Infekts kurzfristig ihren Start bei den Hallenmeisterschaften absagen. Krause selbst ist auch erst 23 Jahre alt, aber schon eine Etablierte im Vergleich zu Klosterhalfen, Die sagt über die Frankfurterin: „Sie wirkt sympathisch und sie stellt das Laufen schön dar.“ Beim Karlsruher Meeting hatte sie Krause allerdings hinter sich gelassen.

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          Konstanze Klosterhalfen geht nun daran, ihren Lebenslauf für Körper und Kopf zu gestalten. Ihr Abitur hat sie mit Notendurchschnitt 1,7 bestanden, nun strebt sie ein Sportjournalismus-Studium in Köln an. Nach ihrem Scheitern im ersten Anlauf hat sie mittlerweile auch die schwierige Aufnahmeprüfung an der Sporthochschule bestanden. Zwar fehlte ihr beim Kugelstoßen immer noch ein halber Meter zur geforderten Weite, dafür klappte es nun mit dem Wasserspringen. In der notwendig gewordenen Übergangszeit hatte sie sich alternativ für Jura eingeschrieben und war als Gasthörerin an die Sport-Uni gekommen.

          Dass einem Langstrecken laufenden Model die Kraft fürs Kugelstoßen fehlt, ist keine ganz große Überraschung. Zu viel Krafttraining will sie dennoch nicht in ihren Trainingsplan einbauen. Lieber geht sie einmal pro Woche zum Ballett, um „Körperspannung und Haltung zu stärken“, wie sie sagt. Probleme mit dem Gewicht habe sie keine: „Ich probiere, mich gesund zu ernähren, folge aber keinem genauen Essensplan. Ich war schon immer schlank.“

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