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Basketballer des FC Bayern : Die Bundesliga kann warten

Die Bayern-Basketballer um Dusko Savanovic streben nach Höherem Bild: dpa

Nur Platz sieben in der Liga: Sind die Basketballspieler des FC Bayern in der Krise? Vor der Euroleague-Partie gegen Real Madrid interessiert der Tabellenrang das Team von Trainer Pesic nur wenig.

          3 Min.

          Platz sieben in der Bundesliga ist ein ungewohnter Standort für ein Team, das den Namen Bayern München trägt. Svetislav Pesic sagt deshalb: „Mich interessieren Tabellen erst am Ende der Saison.“ Die Tabelle der Euro League kennt Pesic dagegen gut. Dort wird schon nächste Woche erstmals abgerechnet. Dann muss sein Team unter den besten vier seiner Gruppe stehen, um wie Meister Brose Bamberg die Zwischenrunde dieses Basketball-Pendants der Champions League zu erreichen. Dieses Ziel geht vor – die Bundesliga kann warten.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Nach anfänglich großen Schwankungen haben sich die Bayern mit zwei Auswärtssiegen bei Khimki Moskau und Straßburg IG das Gefühl zurückgeholt, „alles selbst in der eigenen Hand zu haben“, wie der Trainer es nennt. Schon an diesem Freitag kann ein Heimsieg gegen die Startruppe von Real Madrid, den strauchelnden Titelverteidiger, das Weiterkommen bedeuten.

          „Sehr schlechte Vorbereitungszeit“

          „Man sieht in der Euro League, was wir können“, sagt Pesic. In der Bundesliga sah man es bisher selten, und das, obwohl die Bayern in dieser Saison „auf Kontinuität gesetzt und die Leistungsträger gehalten“ haben, so der Coaching-Veteran. Doch eine „sehr schlechte Vorbereitungszeit“ mit vielen Ausfällen wie beim Neuzugang Maxi Kleber, der erst 2016 sein Bayern-Debüt geben kann, und eine bisherige Saison mit Verletzungen wie beim fast unersetzlichen Dusko Savanovic, mit Formschwächen wie bei Anton Gavel oder John Bryant, den Pesic bei der Niederlage in Berlin auswechselte mit der Begründung, er habe „mehr geweint als gespielt“ – all das hat bisher das Gegenteil bewirkt: Labilität statt Kontinuität.

          „Wir sind nicht so weit, dass wir die Bundesliga dominieren können“, sagt Pesic. Das hat für ihn auch damit zu tun, dass der FC Bayern im Basketball entgegen weitverbreiteter Ansicht „nicht sehr große finanzielle Möglichkeiten“ habe. Das Budget sei „ungefähr das gleiche wie letztes Jahr“ und reiche nicht, um „die europäischen Top-Spieler zu holen“. Pesics Team lebt seit jeher nicht von körperloser Star-Brillanz, sondern physischer Team-Intensität, vor allem der „guten Laune beim Verteidigen“, wie er es nennt. Es ist die Bereitschaft, in der „Defense“ sich zu quälen, um den Gegner zu quälen. „Wir sind noch nicht der große FC Bayern, der kommt und alles mit der linken Hand erledigt.“

          In Saisonphasen vermehrter Belastung und verringerter Personalstärke kann das Glück einer einzigen Sekunde den Ausschlag für das geben, was in den Wochen danach geschieht. Dem starken Auftritt in Madrid, als man den großen Wurf durch einen „Dreier“ in letzter Sekunde verpasste und 99:101 verlor, folgten drei düstere Wochen im November mit fünf Niederlagen am Stück – und beinahe einer sechsten, in Bremerhaven, hinterher.

          Erst ein glücklicher Dreier des amerikanischen Neuzugangs K.C. Rivers 2,8 Sekunden vor Schluss rettete dort die Bayern beim Drittletzten der Bundesliga in die Verlängerung. Sie gewannen, bekamen, so Kapitän Bryce Taylor, dadurch „das Gefühl für den Sieg zurück“ und schafften prompt die Wende: den starken Auftritt in Moskau, mit 49 Rebounds als Ausweis der Willenskraft; die rauschende Gala gegen Crailsheim, mit einem Ergebnis von 106:59 als Ausweis der Spielkunst.

          „Wir sind nicht so weit, dass wir die Bundesliga dominieren können“, sagt Bayern-Trainer Pesic

          „Du gewinnst ein Spiel, und alles ist wieder okay“, wunderte sich Vize-Kapitän Nihad Djedovic und mahnte zugleich: „Wir dürfen nicht vergessen, warum wir diese fünf Spiele verloren haben. Es kann wieder in die andere Richtung gehen.“ So wie am Sonntag, als den Bayern im lange ausgeglichenen Spitzenspiel in Bamberg, der Neuauflage des letzten Meisterschaftsfinales, am Ende die Kraft ausging. Nach dem Sieg in Straßburg hatten 44 Stunden zwischen zwei Auswärtsspielen zur Regeneration nicht gereicht. „Wir spielen viel zu viel“, findet Pesic, da seien „Ups and Downs“ unvermeidbar.

          Er hofft trotzdem, dass die doppelten Strapazen weitergehen, die Spiele in kurzer Folge und langen Flüge, in denen die Basketballer ihre langen Beine in enge Stuhlreihen zwängen müssen. Ein Sieg gegen Madrid (oder eine Woche später bei Roter Stern Belgrad) brächte, durch den Sprung in die Zwischenrunde der Euro League, weitere vierzehn Partien von Ende Dezember bis Anfang April – und die Hoffnung, sich dabei als erstes deutsches Team für die K.-o.-Runde der besten acht Teams Europas zu qualifizieren.

          Für diese Doppelbelastung sieht Pesic sein Team besser gewappnet als zuletzt. Die Verletzungslage entspannt sich, die Fitness wächst, und auch der neue Spielmacher Alex Renfroe, der wochenlang wegen einer Rippenverletzung nur mit starken Schmerzen und Schmerztabletten spielen konnte, zeigt zunehmend sein Können. „Wir werden immer besser“, sagt Pesic. Und was ist mit der Bundesliga-Tabelle? Platz sieben? Nur eine Momentaufnahme für den Bayern-Trainer: „Wir werden das nachholen.“

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