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Früherer Radrennfahrer Riis : Rückkehr trotz Doping-Vergangenheit

  • -Aktualisiert am

Ziel vor Augen: Bjarne Riis bei der Pressekonferenz in Kopenhagen Bild: AFP

Er ist wieder da: Bjarne Riis kehrt in den Radrennsport zurück und verfolgt mit dem Team NTT ein ganz spezielles Ziel. Dazu geführt hat eine erstaunliche Wendung im Umgang mit „Mr. 60 Prozent“ – die längst nicht alle gutheißen.

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          Bjarne Riis kommt zurück in den Radsport. Der Däne, in seiner aktiven Zeit wegen seines durch Epo-Doping gewaltig heraufgeschraubten Hämatokritwerts als „Mr. 60 Prozent“ bekannt, legt sein Comeback allerdings in bescheideneren Dimensionen an. Nur etwa ein Drittel der Anteile des World-Tour-Rennstalls NTT übernimmt die Firma Virtu, bei der er selbst zu einem Drittel Eigner ist. „Mr. 60 Prozent“ wird in seinem neuen Leben also zu einem „Mr. 11 Prozent“. Große Pläne hat er dennoch. „Wir werden hart daran arbeiten, ein Superteam zu schaffen – eine Mannschaft in absoluter Weltklasse“, sagte Riis in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz in Kopenhagen.

          Der frühere Tour-de-France-Gewinner, der als Manager Carlos Sastre und Andy Schleck zum Tour-Gesamtsieg führte (Schleck wurde nach der Suspendierung von Alberto Contador nachträglich Toursieger), steht dabei vor einer Herkulesaufgabe. NTT war in der vergangenen Saison unter dem Namen Dimension Data das schlechteste World-Tour-Team. Die Saison war zudem von Meinungsverschiedenheiten über die Leistungsfähigkeit des nach langer Krankheit zurückgekehrten Mark Cavendish geprägt. Performance Director Rolf Aldag wollte den früheren Supersprinter zur Tour mitnehmen, Teameigner Doug Ryder war dagegen. Aldag und Cavendish suchten danach das Weite. Riis ist allerdings nicht der Ersatz für Aldag. Der Däne klopfte schon vor fünf Jahren beim Rennstall an, der unter dem Namen MTN-Qhubeka Radsport in Afrika fördern und mit der Verteilung von Alltagsrädern für afrikanische Schulkinder zugleich das Bildungsniveau verbessern wollte.

          Plötzlich kein Hindernis mehr

          MTN-Qhubeka war ein hochmoralisches Projekt im abgezockten Straßenradsport. Geschäftsführer Brian Smith erteilte Riis’ damaligen Avancen eine deutliche Absage. „Für uns ist es nicht möglich, eine Zusammenarbeit mit ihm zu beginnen. Unser Sponsor hat Werte, die mit seiner Geschichte nicht in Einklang zu bringen sind“, hatte Smith auf die Doping-Vergangenheit von Riis als Fahrer und als Manager hingewiesen. In dem von Riis gegründeten Team CSC war munter gedopt worden, wie die ehemaligen Fahrer Tyler Hamilton und Jörg Jaksche zugaben. Nun ist entweder Riis’ Geschichte kein Hindernis mehr, oder der neue Sponsor NTT, Japans größte TV- und Medienfirma, hat andere Werte als einst MTN-Qhubeka.

          Riis’ Rückkehr in den Weltradsport mag überraschend anmuten. Sie ist aber Teil eines schon länger verfolgten Plans. Schon 2016, anlässlich der Gründung von Virtu, hatte Riis vorgehabt, ein WorldTour-Team aufzubauen. Angekündigt hatte er dies übrigens im selben Hotel in Kopenhagen, in dem auch die Pressekonferenz zum Einstieg bei NTT stattfand. „Ich gebe zu, dass es länger gedauert hat, als Bjarne Riis und ich erwartet hatten, als wir 2016 mit dem Projekt begannen“, hieß es in einem Post Anfang Januar von Lars Seier Christensen. Er ist Gründer der Saxo Bank, dem langjährigen Sponsor von Riis, und einer der drei Partner von Virtu. Seier formulierte das strategische Ziel: „Wir wollen auf höchstem Niveau sein, wenn die Tour de France 2021 in Kopenhagen startet.“

          „Dänisierung“ des Teams

          Dort mit einem dänischen Team vertreten zu sein ist das große Ziel von Riis. Es zu erreichen wäre auch eine persönliche Genugtuung. Denn für Tour-Ausrichter ASO gilt Riis als Persona non grata, seit er im Zuge seiner Doping-Beichte salopp meinte, wer wolle, könne sein Gelbes Trikot aus der Garage abholen, in der er es lagere. Bei der Tour 2021 ist für Riis, den erfolgreichsten dänischen Straßenradsportler, eigentlich kein Platz vorgesehen. Als Manager eines World-Tour-Teams mit Startgarantie ist er aber nur schwer von der Piste zu verweisen.

          Gegenwärtig arbeitet Riis an einer „Dänisierung“ des Teams. Er bringt zwei dänische sportliche Leiter sowie Teamärzte, Masseure und einen Mechaniker aus alten Saxo-Bank-Zeiten mit. Zwei dänische Rennfahrer gibt es schon bei NTT. Und weil der Rennstall eine Lizenz über drei Jahre hat, Hauptsponsor NTT aber nur einen Vertrag über die kommende Saison mit dem Rennstall unterzeichnete und zugleich als Werbepartner beim Tour-Ausrichter ASO bis 2024 gebunden ist, spekulieren dänische Medien heftig darüber, dass Riis und seine Virtu-Geschäftspartner in zwölf Monaten einen neuen Hauptsponsor bringen und ihren Einfluss im Team derart ausbauen könnten, dass es zum Grand Départ in Kopenhagen tatsächlich unter dänischer Flagge startet.

          Gegenwind muss er auch aushalten. „Bjarne Riis hat in der Vergangenheit schwerwiegende Managementfehler begangen. Das Versagen des Managements wiegt noch schwerer als das Versagen einzelner Sportler“, sagte Morten Mølholm Hansen, Generalsekretär des dänischen NOK, auf Riis’ mindestens fahrlässigen Umgang mit Doping als Rennstallchef an. Michael Ask, Chef von Antidoping Dänemark, stellte dessen Eignung, ein Team zu führen, in Frage: „Es mangelt ihm an Glaubwürdigkeit und moralischer Qualität“, sagte Ask der Tageszeitung „Ekstra Bladet“.

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