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Nicolas Portal ist tot : Froomes Sportdirektor

  • -Aktualisiert am

Allzu früher Tod : Nicolas Portal ist gestorben. Bild: AFP

Nicolas Portal entwickelte aus einer tiefen Kenntnis der Topographie heraus Rennstrategien für Tour-de-France-Sieger. Der Sportliche Leiter des britischen Teams Ineos brachte drei Sieger der Rundfahrt hervor. Am Dienstag ist der Franzose im Alter von nur 40 Jahren gestorben.

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          Nicolas Portal war das freundliche Antlitz des dominanten Radrennstalls, der erst Sky hieß und später zu Ineos wurde. Während sich Teamchef Dave Brailsford gern in die Aura des Machtmenschen hüllt und Trainings-Mastermind Tim Kerrison das Bild des asketischen, menschenscheuen Wissenschaftlers kultiviert, trat Portal stets fröhlich auf und wie einer, der den Radsport liebt und gern sein Wissen teilt. Er konnte geduldig erklären, wie man in einem Team mit vielen Stars die Balance erhält: „Es ist ganz einfach. Wir versuchen, so lange wie möglich mehrere Fahrer weit vorn zu haben. Dann entscheidet die Straße, wer der beste ist. Um den versammeln wir uns dann. Und die Jungs wissen selbst am besten, wer von ihnen in der besten Verfassung ist“, sagte er am Rande der Tour de France 2019.

          Die wurde zur Krönungsfahrt eines der jüngsten Tour-Sieger überhaupt, des Kolumbianers Egan Bernal. Er war der vierte Tour-Sieger des britischen Rennstalls, und der dritte nach Christopher Froome und Geraint Thomas, den Portal dazu gemacht hatte.

          Der Franzose war zwar schon beim Triumph von Bradley Wiggins als Sportlicher Leiter dabei. Damals aber noch in einer Ausbildungsrolle. Sean Yates coachte Wiggins zum historischen Erfolg. Als sein Lehrmeister ging, just zu der Zeit, in der Team Sky eine Nulltoleranzpolitik gegen Doping verkündet hatte und sich von mehreren Betreuern trennte, avancierte Portal zum Chef im Begleitfahrzeug. Ihn umgaben keine Doping-Gerüchte. Und das, obwohl er selbst eine Rennfahrerkarriere bei den mit Doping-Skandalen belasteten Teams AG2R und Caisse d’Epargne (heute Movistar) hinter sich hatte.

          Spezielle Beziehung zu Froome

          Zu seinen größten Erfolgen als Rennfahrer gehörte es, 2006 in der Tour de France-Truppe gewesen zu sein, die den Überraschungsmann Oscar Pereiro erst aufs Podium fuhr und sich nach der Disqualifikation des Amerikaners Floyd Landis noch nachträglich über den Tour-Sieg freuen konnte. Zudem gelang ihm ein Etappensieg beim Critérium du Dauphiné 2004. Bei Sky ließ er 2010 im Alter von nur 30 Jahren die Karriere ausklingen. Wegen Herzproblemen. Portals Aufstieg als Sportlicher Leiter erfolgte parallel mit dem Chris Froomes zum Rundfahrt-Star. Bereits 2011 begleitete er Froome bei der Vuelta. Und wurde dort Zeuge, wie der damals noch weitgehend unbekannte britische Kenianer den Kapitän Wiggins in den Schatten stellte.

          Mit Froome verband ihn eine spezielle Beziehung. Beide pflegten sich schon in der Winterpause Taktikideen für bestimmte Tour-de-France-Etappen zu posten. Portal fuhr selbst Steigungen und Kurven ab, notierte kleinste Änderungen im Gefälle und auch die vorherrschenden Windrichtungen. Aus seiner tiefen Kenntnis der Topographie heraus entwickelte er Rennstrategien. Für den Erfolg von Sky und später Ineos war er essentiell. Am Dienstag ist Nicolas Portal im Alter von nur 40 Jahren in seiner Wohnung in Andorra gestorben.

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