https://www.faz.net/-gtl-9s38v

Ironman Hawaii : Die großen Drei des Triathlons

  • -Aktualisiert am

Trio aus Deutschland: 2016 belegen Sieger Jan Frodeno (Mitte), Sebastian Kienle (links) und Patrick Lange die ersten drei Plätze auf Hawaii. Bild: dpa

Lange, Frodeno, Kienle? Der Ironman auf Hawaii verspricht jede Menge Klasse und Drama. Es dürfte ein ein Poker in brütender Hitze werden – zwischen völlig verschiedenen Athleten und Charakteren.

          5 Min.

          Drei Weltmeister, drei Hawaii-Sieger, alle aus Deutschland. Am Samstag (Start um 18.25 Uhr MESZ / ab 21:45 Uhr im HR, ab 23:55 Uhr in der ARD)  treffen sie zum Showdown des Triathlon-Jahres auf Big Island aufeinander. Patrick Lange hat dort in den vergangenen beiden Jahren gewonnen, Jan Frodeno in den beiden Jahren zuvor, Sebastian Kienle 2014. Fünf Hawaii-Titel am Stück für deutsche Athleten, und wenig spricht dafür, dass der sechste nicht folgen sollte.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Die großen Drei haben fast nur einander zu fürchten, womöglich noch den Briten Alistair Brownlee, den Doppel-Olympiasieger über die Kurzstrecke, der sein Hawaii-Debüt gibt. Vielleicht auch, aber schon fern am Horizont, noch Lionel Sanders, den Kanadier, der die drei Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen am Rande des Wahnsinns fast nur in seinem Haus trainiert, Schwimmen in einer Gegenstromanlage im Keller, Radfahren auf dem Ergometer, Laufen auf dem Band. In diesem Jahr war Sanders lange verletzt, was ihn daran hinderte, sich wie gewöhnlich halbtot zu trainieren. So könnte er in diesem Jahr tatsächlich einiges erreichen.

          Frodeno warnt besonders vor Brownlee. Skeptiker, die dem Briten, einem herausragenden Schwimmer und Radfahrer, beim Laufen auf Hawaii Probleme mit der Hitze vorhersagen, erinnert Frodeno daran, dass der Brite 2016 nicht irgendwo, sondern im heißen Rio Triathlon-Gold gewonnen hat. Kienle sagt, dass „die Hitze sicher nicht so ganz Brownlees Ding ist. Aber zwischen Aufgabe und Sieg ist für ihn alles drin.“ Letztlich aber, da sind sich die meisten Beobachter einig, werden die drei deutschen Eisenmänner das Rennen unter sich ausmachen. Ein Rennen, das jede Menge Klasse und Drama verspricht, ein Poker in brütender Hitze zwischen drei völlig verschiedenen Athleten und Charakteren.

          Lange geht zwar als Titelverteidiger auf die Strecke von 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen, aber er ist nicht der Favorit. Als Favorit startet der mittlerweile 38 Jahre alte Triathlon-Großmeister Jan Frodeno, der nicht nur zwei Hawaii-Siege in seiner langen Siegerliste stehen hat, sondern in Peking 2008 auch Olympisches Gold über die Kurzstrecke gewann – ein Double, das kein anderer Triathlet bislang schaffte. In den vergangenen beiden Jahren, bei Langes Siegen, hatte es Frodeno 2017 wegen einer Blockade im Rücken nur mit Pausen und humpelnd ins Ziel geschafft, im vergangenen Jahr fehlte er wegen einer Verletzung und musste mit ansehen, wie Lange bei idealen Bedingungen den Streckenrekord auf unter acht Stunden drückte – ein Ziel, das Frodeno erreichen wollte, als letztes Gütesiegel seiner einsamen Klasse. Lässt man das Rennen 2017 auf Hawaii außer Betracht, ist Frodeno über alle Streckenlängen seit dem Frühjahr 2016 ungeschlagen. Auch in diesem Jahr war er gegenüber Lange der klar bessere Athlet.

          Abkühlung nötig: Jan Frodeno will es auf Hawaii noch einmal wissen.

          Lange hat bislang eine Saison zum Vergessen hinter sich. Bei der Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt im Sommer wurde er von Frodeno – und von Kienle – deklassiert, bei der WM über die Halbdistanz in Nizza erlebte er mit einem Rückstand von mehr als 18 Minuten und Platz 22 ein Desaster. Es war eine krachende Niederlage, die abzusehen war, denn eine schwere Radstrecke und starke Konkurrenz von der Kurzstrecke ließen von vornherein nichts Gutes erwarten. Langes Trainer Faris Al-Sultan, Hawaii-Sieger von 2005, setzte dennoch auf die Karte Nizza, auf dynamisches Intervalltraining, auf mehr Spritzigkeit, auf neue Trainingsreize – lauter Fehler, die Lange im Anschluss grundlegend korrigierte. Im Trainingslager in Texas kehrte er vor Hawaii zu altbewährtem Training zurück. Mit Erfolg offenbar. Auf Hawaii zeigt sich Lange dieser Tage zuversichtlich, am Samstag in der Form der vergangenen beiden Jahre antreten zu können.

          Weitere Themen

          Münchner Skateboarder will zu Olympia Video-Seite öffnen

          Für den Libanon : Münchner Skateboarder will zu Olympia

          Ali Khachab ist Münchner, doch bei den Sommerspielen 2020 in Tokio will er für den Libanon an den Start gehen, die Heimat seiner Vorfahren. Der 28-Jährige ist Skateboarder, und davon gibt es im Libanon nur sehr wenige.

          Topmeldungen

          Altersvorsorge : Rentenpolitik ohne Kompass

          Die Koalition lobt die Grundrente als einen „sozialpolitischen Meilenstein“. Die Wahrheit ist: Die Grundrente wird weder das Vertrauen in den Generationenvertrag stärken, noch taugt sie als Konzept gegen Altersarmut.
          Kahlschlag im Netzwerk: Produktion des norddeutschen Windkraftanlagenherstellers in Magdeburg

          Enercon in der Krise : Angst vor Kahlschlag in der Windbranche

          Der Hersteller Enercon aus Aurich will Tausende Stellen streichen und schreckt Politik und Gewerkschaften auf. Geschäftsführer Kettwig fordert Hilfe für die Industrie. Braucht es die tatsächlich?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.