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Hilfe durch Gesetzesänderung : Frischer Schub für deutschen Galoppsport

  • -Aktualisiert am

Der Galoppsport steht unter Druck: Es gibt aber wieder ein wenig Hoffnung. Bild: dpa

Nahezu alle deutschen Rennvereine stehen finanziell unter Druck – vor allem aufgrund der drastisch gesunkenen Wettumsätze. Ein wenig Linderung für den Galoppsport könnte eine Gesetzesänderung bringen.

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          Zwei aufstrebende Männer haben das Rennjahr 2019 geprägt: Henk Grewe und Bauyrzhan Murzabayev werden an diesem Sonntag auf der Galopprennbahn in Dortmund-Wambel erstmals zu den Champions ihrer Zunft gekürt – der 37-jährige Grewe als erfolgreichster Trainer, der zehn Jahre jüngere Murzabayev als bester Reiter. Gerade bei den Jockeys hat es in diesem Jahr einen überfälligen Generationswechsel gegeben. Der gebürtige Kasache lieferte sich mit dem deutschen Maxim Pecheur lange Zeit ein spannendes Duell, beide Jungstars ritten mit großem Erfolg. Pecheur verpasste die 100-Siege-Marke nur knapp, Murzabayev hat vor dem letzten Renntag des Jahres bereits 108 Mal gepunktet.

          Der letzte Jockey-Champion in Deutschland, der auf eine dreistellige Siegzahl kam, war 2007 Eduardo Pedroza. Dessen Nachfolger als erster Mann am Stall von Andreas Wöhler, das steht seit einiger Zeit fest, wird von Januar an Murzabayev. „Es lag auf der Hand, dass der talentierte junge Mann sein Nachfolger werden würde“, hatte Wöhler mitgeteilt. Er ist seit vielen Jahren einer der führenden deutschen Trainer und hat in diesem Jahr das Deutsche Derby mit Laccario gewonnen, geritten von Pedroza. „Eddie wird weiterhin zum Team gehören, dann eben in zweiter Reihe“, so Wöhler.

          Während hier die Weichen für die Zukunft gestellt sind, knirscht es an anderen Stellen des deutschen Galoppsports mächtig. Mit Neuss hat sich innerhalb von vier Jahren bereits die dritte Rennbahn verabschiedet, möglicherweise für immer. Wie zuvor in Frankfurt und Bremen fehlt es in Neuss an der nötigen politischen Unterstützung für den Traditionssport, der bis weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht – nicht zuletzt wegen hausgemachter Fehler. In Neuss hat der dortige Rennverein dem Vernehmen nach mehr als eine Million Euro Schulden angehäuft und die Geduld der Stadtoberen überstrapaziert. Sie kündigten den Pachtvertrag zum Ende des Jahres – und dann ging alles ganz schnell. Selbst der eigentlich fest eingeplante Renntag am vierten Advent musste kurzfristig nach Dortmund verlegt werden – neben Neuss die einzige Sandbahn in Deutschland, auf der auch im Winter sicher Rennen abgehalten werden können.

          Dortmund wird auch in den ersten Monaten des neuen Jahres für Neuss gedachte Termine übernehmen. Ob der 8. Dezember 2019 tatsächlich der letzte Renntag in Neuss mit einer ins Jahr 1875 zurückreichenden Galopp-Geschichte war, muss sich weisen. Es gibt Überlegungen, einen neuen Verein zu gründen. Dass dies funktionieren kann, beweist der rund 30 Kilometer entfernte Rennclub Mülheim an der Ruhr. Er wurde vor zwei Jahren nach der Insolvenz des alten Vereins gegründet. Dank des großen Engagements einiger zahlungskräftiger Galoppfreunde geht es am Raffelberg langsam aufwärts.

          Am Donnerstag wurde dort beispielsweise nach mehr als 20 Jahren wieder ein Weihnachtsfeiertag veranstaltet, mit mehr als 9000 Besuchern. Doch in Mülheim, wo es seit 1863 Rennen gibt, können die Galopper auch auf die Hilfe der Stadt setzen. Ganz im Gegensatz zu Frankfurt, wo im November 2015 die Lichter ausgingen und Platz für die Fußball-Akademie des Deutschen Fußball-Bundes gefunden wurde. Auch in Bremen bleibt die Lage schwierig, trotz einer gewonnenen Volksabstimmung in der Hansestadt, die eine Bebauung des Geländes ablehnt. Ob dies aber heißt, dass dort in Zukunft auch wieder Pferderennen stattfinden, ist angesichts der politischen Kräfteverhältnisse im Rathaus äußerst ungewiss. Schon seit dem Frühjahr 2018 laufen sie in Bremen nicht mehr.

          „Das ist ein guter Tag für den deutschen Galoppsport“

          Die genannten Beispiele sind aber keine Ausnahmen, nahezu alle deutschen Rennvereine stehen finanziell unter Druck – vor allem auf Grund der in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gesunkenen Wettumsätze. Ein wenig Linderung könnte da die Gesetzesänderung bringen, die Anfang Dezember im Bundesrat verabschiedet wurde. Das Rennwett- und Lotteriegesetz wurde angepasst, um die Einnahmen der Rennvereine zu erhöhen. Sie bekommen nun auch die Steuer weitestgehend zurückbezahlt, die Buchmacher mit Sitz im Ausland auf Wetten in Deutschland einbehalten. Bislang galt das nur für das Steueraufkommen inländischer Wettanbieter.

          Die Rückerstattung beträgt bis zu 96 Prozent, und sie dient laut Gesetzgeber den Rennvereinen, damit diese ihren staatlichen Auftrag, Rennen zu Zuchtzwecken zu veranstalten, ausführen können. „Das ist ein guter Tag für den deutschen Galoppsport“, sagte Michael Vesper, Präsident des Galopp-Dachverbandes. Nach vorläufigen Schätzungen beläuft sich die Rückerstattung auf einen hohen sechsstelligen Betrag jährlich. Geld, das der Rennsport dringend gebrauchen kann.

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