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Deutscher Volleyball-Pokal : Die Beängstigenden vom Bodensee

  • -Aktualisiert am

Nicht nur der Block des VfB stand gut beim Endspiel um den DVV-Pokal. Bild: dpa

Friedrichshafen zerpflückt Bühl im Volleyball-Pokal und gewinnt mit einer beeindruckenden Leistung den Wettbewerb. Die Übermacht des VfB in Deutschland scheint fast schon unheimliche Züge anzunehmen. Bei den Frauen siegt Dresden.

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          Es war der 31. Sieg im 31. Saisonspiel. Und einen Titel brachte er auch noch ein: Die Übermacht des VfB Friedrichshafen im deutschen Volleyball scheint derzeit fast beängstigende Züge anzunehmen. Im Pokal-Endspiel vor 11.500 Zuschauern in Mannheim hatte die Mannschaft vom Bodensee jedenfalls keine größeren Probleme, um sich gegen die Volleyball Bisons Bühl mit 3:0 Sätzen (25:20, 25:8, 25:21) zum nächsten Titelgewinn zu schmettern.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Lohn des Erfolgs war ein 8,5 Kilogramm schwerer Pokal und die Gewissheit, in dieser Spielzeit nun schon zwei Trophäen gewonnen zu haben. „Das beruhigt erst mal“, meinte Friedrichshafens Erfolgstrainer Vital Heynen, nachdem sein VfB zum Saisonauftakt auch den Supercup gegen Meister Berlin für sich entschieden hatte. Und doch ist es nur eine Zwischenstation, denn „der Gewinn der Meisterschaft ist das eigentliche Ziel in dieser Spielzeit“, wie es Nationalspieler David Sossenheimer unumwunden formulierte: „Und ein Erfolg in der Champions League wäre ein Traum.“

          Die Rollen im Pokalfinale waren klar verteilt. Hier der ungeschlagene Tabellenführer, Rekordmeister und -pokalsieger vom Bodensee, dort der Außenseiter aus Bühl, der noch keinen Titel vorzuweisen hat und für den der Einzug ins Mannheimer Endspiel schon als Erfolg anzusehen war. Der krasse Außenseiter versuchte im Baden-Württemberg-Derby sein Möglichstes und spielte vom ersten Ballwechsel an um alles oder nichts. Die Flucht nach vorne als einzige Chance ging einen halben Satz lang gut, bis zum 12:12 hielten die in Rot und Schwarz gekleideten Bisons der blau-weißen Übermacht aus Friedrichshafen stand. Dann kippte der Satz und im Prinzip schon das Spiel zugunsten des Favoriten. Mit 25:20 ging der erste Durchgang an den VfB, der dem Motto seines Trainers gefolgt war: „Geduldig spielen“, predigt Heynen stets. „Es muss nicht immer ‚wow‘ sein und ‚bumm’ machen.“ Ein Punkt ist ein Punkt.

          Der zweite Durchgang verlief von Beginn an einseitig: Von 10:3 ging es über 17:4 und 20:5 dahin, das 25:8 kam schon einer Vorführung gleich. „Das war zu einfach“, meinte Heynen hinterher. Klar war ihm auch: „So würde es nicht weitergehen.“ Im dritten Satz wehrten sich die Bisons dann noch einmal nach Kräften, gingen sogar 8:7 und 11:9 in Führung. Doch es sprach für die Fokussierung des Favoriten, dass er dem Außenseiter keinen Satzgewinn gönnen wollte. Bis zum 19:19 blieb der Durchgang zwar ausgeglichen, beim Stand von 21:20 rettete Außenangreifer Sossenheimer seinem Team gleich mehrfach die Führung, kratzte den Ball artistisch vom Boden. Doch dann saß, nach gerade mal 72 Minuten Gesamtspielzeit, der erste Matchball zum 25:21.

          Neben Sossenheimer (neun Punkte) waren vor allem Diagonalangreifer Bartomiej Boladz (zehn) und Mittelblocker Philipp Collin (elf) von den Bisons kaum zu stoppen. Die Bühler schafften es zudem nicht, die Dominanz des Gegners am Netz zu brechen. Ihnen gelangen nur zwei Blockpunkte, dem VfB dagegen zehn. Zudem bremsten sich die Außenseiter bei ihrem Versuch, mit höchstem Risiko zu spielen: 13 Fehlaufschläge sind viel zu viel, der Favorit leistete sich nur vier.

          Die derzeit beste Volleyball-Mannschaft Deutschlands jubelt über den Gewinn des DVV-Pokals.
          Die derzeit beste Volleyball-Mannschaft Deutschlands jubelt über den Gewinn des DVV-Pokals. : Bild: dpa

          Wer dann die Freude der Blau-Weißen nach dem letzten Ballwechsel sah, als der Gassenhauer „Sweet Caroline“ eingespielt wurde, sah: Es war doch keine Selbstverständlichkeit für sie, dieses Match und diesen Pokal zu gewinnen. „Ich habe vor jedem Spiel Respekt vor dem Gegner“, sagte Sossenheimer. Hochmut will sich der Seriensieger nicht leisten, er kommt bekanntlich vor dem Fall.

          Nun sind sie zum 15. Mal Pokalsieger, zum zweiten Mal unter Heynen, und die nächsten Aufgaben stehen an. In der Bundesliga wartet das Heimspiel gegen die Recycling Volleys Berlin, bei denen jüngst der ewige Friedrichshafener Erfolgsgarant Stelian Moculescu als neuer Trainer aus dem Ruhestand verpflichtet wurde. Und auch vor der Zwischenrunde der Champions League wollte es das Los, dass die beiden deutschen Spitzenteams aufeinandertreffen. Diese Duelle Mitte März werden den Weg des VfB Friedrichshafen weisen. 31 Siege zuvor könnten nach einer Niederlage schnell vergessen sein. „Ich muss immer gewinnen“, sagt Vital Heynen. Es ist die Tragik des Erfolgsmenschen. Doch den Pokal hat er schon mal.

          Dresdner Volleyballerinnen holen zum fünften Mal DVV-Pokal

          Die Volleyballerinnen des Dresdner SC haben zum fünften Mal den Pokal gewonnen. In einem umkämpften Endspiel setzte sich die Mannschaft von Trainer Alexander Waibl am Sonntag mit 3:0 (25:21, 25:22, 25:18) gegen den VC Wiesbaden durch. Vor 11.354 Zuschauern in der Mannheimer SAP Arena bot der Rivale aus Hessen lange Gegenwehr. Das Team von Coach Dirk Groß leistete sich aber in der Offensive zu viele Patzer und unterlag schließlich deutlich. Der Favorit aus Dresden präsentierte sich insbesondere in Block und Annahme deutlich sicherer als der Kontrahent. Am Ende stand der verdiente fünfte Pokal-Erfolg nach 1999, 2002, 2010 und 2016. (dpa)

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