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French Open : Zeit für eine Italienerin?

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Beim Fototermin hat Schiavone (r.) schon mal gemeinsam mit Stosur die Hand am Pokal Bild: AFP

Erstmals könnte am Samstag eine Italienerin ein Grand-Slam-Turnier gewinnen. Francesca Schiavone muss von 15 Uhr an in Roland Garros nur noch Samatha Stosur schlagen, um Tennis-Geschichte zu schreiben.

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          Zwölf Jahre auf der Tour, 725 Matches (429:296 Siege) als Profi, drei Turniersiege bei kleineren Veranstaltungen in Badgastein (2007 gegen Yvonne Meusburger), in Moskau (2009 gegen Olga Gowor-tsowa) und in Barcelona (2010 gegen Roberta Vinci), knapp fünf Millionen Dollar Preisgeld, bisher höchste Einstufung in der Weltrangliste Platz elf (30. Januar 2006), aktuell Rang 17 – so lautete kurz und knapp die Tennis-Vita von Francesca Schiavone vor diesen French Open. In Paris hat die gebürtige Mailänderin, die mittlerweile in London lebt, sechs Matches gewonnen.

          Sie hat ihre bisher magere Bilanz bei den Grand-Slam-Turnieren (viermal scheiterte sie im Viertelfinale) kräftig aufgebessert: Wenige Tage vor ihrem 30. Geburtstag am 23. Juni steht die burschikose Italienerin an diesem Samstag um 15 Uhr im Endspiel des wichtigsten Sandplatz-Turniers der Welt gegen die Australierin Samantha Stosur, ein Höhenflug, der sie in ganz neue Regionen führt. In der Weltrangliste wird Francesca Schiavone am Montag auf jeden Fall als Siebte erstmals unter den Top Ten stehen, sollte sie gegen die Australierin gewinnen, rückte sie gar auf Rang sechs vor – geschichtsträchtige Meilensteine für das italienische Tennis: Noch nie wurde eine Frau aus diesem Land so hoch eingeschätzt, nie zuvor stand eine Italienerin im Finale eines Grand-Slam-Turniers.

          „Ich bin geboren, um Tennis spielen“, beschreibt Francesca Schiavone ihre Bestimmung. Aber warum hat es so lange gedauert, bis bei einem der vier Saisonhöhepunkte der Knoten platzte? „Vielleicht war ich vorher nicht bereit“, sagte sie nach ihrem Halbfinalsieg über die Russin Jelena Dementjewa, die nach dem Verlust des ersten Satzes im Tiebreak (3:7) die Partie wegen eines Muskelfaserrisses in der linken Wade aufgab. „Vielleicht habe ich die Chancen nicht beim Schopfe gepackt. Jetzt muss ich einfach so weiterarbeiten, wie ich es in den letzten Jahren getan habe“, fügte die Überraschungsfrau dieses Turniers an, „aber ich glaube, jetzt ist meine Zeit gekommen.“

          Zeit, um Geschichte zu schreiben: Schiavone und Stosur (l.) posieren vor ihrem Finale
          Zeit, um Geschichte zu schreiben: Schiavone und Stosur (l.) posieren vor ihrem Finale : Bild: REUTERS

          Ein ganzes Leben gewartet

          Vor allem ist der Moment gekommen, auf den sie, wie sie am Freitag sagte, ein ganzes Leben gewartet habe. Eine Frau, die in ihrer Laufbahn etliche Spitzenspielerinnen geschlagen, die sogar zweimal die aktuelle Primadonna der Branche bezwang – 2006 die Französin Amlie Mauresmo im Fed Cup, 2008 die Belgierin Justine Henin in Dubai –, aber trotzdem nie so recht über die Rolle einer Mitläuferin hinauskam. Nun winkt ihr die Chance, ihrem Landsmann Adriano Panatta nachzueifern, der 1976 die French Open gewonnen hatte. Obwohl sie im Branchen-Ranking zehn Plätze tiefer eingestuft wird als die muskulöse Powerfrau vom fünften Kontinent, obwohl sie von fünf Partien gegen ihre Finalgegnerin nur die allererste vor fünf Jahren gewinnen konnte, sieht sie sich keineswegs als Außenseiterin, die nichts zu verlieren habe. „Das Schöne am Sport ist“, sagt Francesca Schiavone „dass man nie weiß, was passiert.“

          Aber das Schöne am Sport ist auch, dass er ab und an so ganz und gar ungewöhnliche Geschichten schreibt. Vor einem Jahr hatten sich die beiden diesjährigen Finalistinnen schon einmal bei den French Open gegenübergestanden: in der ersten Runde auf dem 289 Zuschauer fassenden Platz acht im Stade Roland Garros. Samantha Stosur, damals in der Weltrangliste auf Rang 32 notiert, gewann gegen die 18 Plätze tiefer eingestufte Italienerin 6:4 und 6:2. Die 1,72 Meter große Frau aus Queensland, die mittlerweile in Florida heimisch geworden ist, schaffte es im Vorjahr immerhin bis ins Halbfinale, in dem sie erst von der späteren Siegerin, der Russin Swetlana Kusnezowa, gestoppt wurde.

          „Gut, sooo gut“

          Wer will, kann für Samantha Stosur noch ein weiteres gutes Omen finden: Ein einziges Mal standen sich die beiden in einem Finale gegenüber, am 12. Oktober des Vorjahres in Osaka. Die Australierin siegte, es war ihr erster Turniersieg im Einzel überhaupt. Folgt jetzt ihr erster Grand-Slam-Titel im Einzel, nach jeweils zwei im Doppel und im Mixed, wieder gegen Francesca Schiavone? Oder gehen die ungewöhnlichen Siegesfeiern der Italienerin weiter?

          Sowohl nach ihrem Viertelfinalsieg gegen die dänische Weltranglistendritte Caroline Wozniacki als auch nach dem vorzeitigen Ende des Semifinals fiel sie auf die Knie und küsste den roten Sand. Wie hat er geschmeckt? „Gut, sooo gut“, antworte Francesca Schiavone verzückt. Keine Frage, bis jetzt war dieses Turnier ganz nach ihrem Geschmack.

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