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French Open : Nadal - der Sandplatz-König von Roland Garros

Der Triumphator von Paris: Rafael Nadal Bild: AFP

Rafael Nadal hat Roger Federers Traum vom ersten French-Open-Sieg zerstört: In einer Neuauflage des Vorjahresendspiels bezwang der Spanier den Weltranglisten-Ersten aus der Schweiz und untermauerte mit seinem dritten Triumph in Serie in Roland Garros seine Ausnahmestellung auf Sand. Aus Paris berichtet Thomas Klemm.

          3 Min.

          Als Rafael Nadal am Sonntag um 18.21 Uhr sein Terrain verteidigt hatte, warf er sich erst auf die Ziegelmehlasche des Court Philippe Chatrier und anschließend in seine gewohnte Herrscherpose. Ein letztes Mal ballte der Spanier die Faust, wie immer nach gewonnenen Ballwechseln und gewonnenen Matches, reckte anschließend beide Fäuste und zuletzt die silberne Trophäe in den Pariser Himmel.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie im vergangenen Jahr hatte Nadal im Finale der French Open dem Versuch Roger Federers getrotzt, in sein Herrschaftsgebiet vorzudringen, und wie bei der vorherigen Auflage des Duells der Tennis-Giganten behielt er nach vier umkämpften Sätzen die Oberhand. Nach dem 6:3, 4:6, 6:3 und 6:4 gegen den Weltranglistenersten aus der Schweiz gewann der 21 Jahre alte Spanier zum dritten Mal in Folge das Grand-Slam-Turnier in der französischen Hauptstadt, schraubte seine Serie seit seinem Debüt 2005 auf sagenhafte 21 Siege nacheinander und hat sich einen imposanten Titel gesichert: Rafael I., König von Paris, Herrscher über die Sandplätze von Roland Garros.

          „Das ist ein echter Traum“

          Als Insignien seiner Herrschaft nahm er tausend Weltranglistenpunkte, eine Million Euro Siegprämie und vor allem den silbernen Coupe des Mousquetaires mit nach Hause. „Das ist ein echter Traum“, sagte Nadal, „ich liebe diesen Platz.“ Überreicht wurde dem Spanier die Trophäe vom Brasilianer Gustavo Kuerten, der zwar auch drei Mal bei den French Open triumphierte, aber nicht nacheinander wie der Spanier. Nadal wandelt damit auf den Spuren von Björn Borg, der als letzter einen Hattrick schaffte und sich zwischen 1978 und 1981 sogar vier Mal in Folge feiern lassen durfte. Federer, der dominierende Profi im Herrentennis, muss hingegen weiter auf seinen ersten Triumph in Paris warten (Siehe auch: French Open: Hattrick für Justine Henin).

          Nadal hält den Lohn für seine Mühen in der Hand
          Nadal hält den Lohn für seine Mühen in der Hand : Bild: AFP

          Wie in den vergangenen beiden Jahren zerstörte Nadal die Hoffnungen des 25 Jahre alten Schweizers: 2005 siegte Nadal im Halbfinale, nun zwei Mal nacheinander im Endspiel. „Ich war näher dran als im letzten Jahr“, sagte der Branchenführer enttäuscht, „aber ich habe gegen einen großartigen Spieler verloren.“ Nadal zeigte bei allen Siegerposen auch Mitgefühl mit seinem Konkurrenten: „Es tut mir leid für Roger.“

          Weniger Fehler bei den „big points“

          Dabei hatte sich Federer vorab zuversichtlich gezeigt. Er sei entspannter als im Vorjahr, weil er die finale Pariser Erfahrung nun schon einmal hinter sich habe. Zudem hatte der Weltranglistenerste Mut aus dem Finalsieg vor vier Wochen am Rothenbaum geschöpft, wo er seinen Dauerrivalen beim French-Open-Aufgalopp im sechsten Sandplatzduell erstmals besiegt und dessen Rekordserie von 81 Matchgewinnen in Folge beendet hatte. Er meinte zu wissen, mit welcher Taktik er Nadal beikommen könnte - doch in die Tat umsetzen konnte er sein Know-how in Paris abermals nicht. Nadal war bei den Grundlinienduellen der aktivere und aggressivere Spieler, leistete sich vor allem bei den „big points“ weniger Fehler als sein Gegenüber und verwandelte nach 3:10 Minuten gleich den ersten seiner drei Matchbälle.

          Schon im ersten Satz zeigte sich, dass Federer an diesem Sonntag elementare Grundlagen fehlten, um mit einem Sieg Grand-Slam-Geschichte zu schreiben. Sein erster Aufschlag war ihm schon beim Halbfinalerfolg gegen den Russen Nikolai Dawidenko weitgehend abhanden gekommen, gegen Nadal verbesserte sich seine anfänglich miserable Quote auf ein mäßiges Niveau. Hatte sich der Schweizer mal einen eigenen Vorteil erspielt, versagten seine Nerven oder seine Rückhand. Zehn Breakbälle konnte er im ersten Satz nicht verwerten gegen den Spanier, der sich in Roland Garros von Runde zu Runde gesteigert hatte und im Finale topfit war, um dem Gegner sein Spiel aufzuzwingen. Nadal, der Federers Rückhand schnell als dessen diesmal anfällige Seite ausgemacht hatte, holte sich erst das Break zum 4:3 und nach 51 Minuten auch den ersten Satz. „Favorit ist, wer im Finale besser spielt“, hatte der Spanier gesagt und danach zum dritten Mal spielend in Folge bewiesen, dass er in Roland Garros der Beste ist.

          Immer die Ruhe behalten

          Weil der Schweizer im zweiten Satz seine zwölfte Breakchance zum 4:3 und seinen fünften Satzball zum 6:4 nutzte, war das Match wieder ausgeglichen. Ein einziger Aufschlagverlust entschied auch über den dritten Durchgang, diesmal war es der insgesamt konstanter spielende Nadal, der seine Möglichkeit zum 2:0 nutzte und den Vorteil bis zum 6:3 hielt. Im vierten Satz klaute er Federer sein zweites Aufschlagspiel und behielt die Ruhe, sein außerordentliches Niveau bis zum Ende zu halten. Roger Federer, der vor den French Open behauptet hatte, „Roland Garros zu gewinnen, läuft nicht nur darauf hinaus, Nadal zu schlagen“, musste sich wieder eines besseren belehren lassen. Der Weg zum Titel in Paris führt über keinen anderen als den Sandplatzkönig aus Spanien, der in den vergangenen 26 Monaten nur zwei Mal auf Asche verlor.

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