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French Open : Nadal beherrscht den Maestro der Tenniswelt

  • -Aktualisiert am

Wie ein Rockstar: Rafael Nadal Bild: REUTERS

Rafael Nadal bleibt für Roger Federer ein unüberwindbarer Gegner. Der 20jährige Spanier hat zum zweiten Mal hintereinander die French Open gewonnen. Der siebenmalige Grand-Slam-Sieger aus der Schweiz muß weiter auf einen Erfolg beim wichtigsten Sandplatzturnier warten.

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          Roger Federer mag laut Weltrangliste der überragende Herrscher der Tenniswelt sein, aber gegen Rafael Nadal kann er einfach nicht mehr gewinnen. Am Sonntag verlor der Schweizer Maestro im Pariser Stade Roland Garros auch das bisher wichtigste Duell der beiden besten Tennisspieler der Welt. Der 24jährige Baseler unterlag im Finale der French Open nach 3:02 Stunden dem vier Jahre jüngeren Mallorquiner 6:1, 1:6, 4:6 und 6:7 (4:7). Es war bereits der sechste Sieg bei nur einer Niederlage des spanischen Linkshänders gegen den Branchenprimus und die vierte in einem Finale nach Dubai, Monte Carlo und Rom in diesem Jahr.

          Nadal setzte damit seine einmalige Siegesserie auf Sand fort. Am Sonntag feierte er den 60. Erfolg auf seinem Lieblingsboden. Auf der „terre battu“, dem zerschlagenen Ziegelmehl, im Bois de Boulogne ist der Weltranglistenzweite noch unbesiegt. Im Vorjahr debütierte er beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres gleich als souveräner Sieger. In diesem Jahr verteidigte er seinen Titel, wenn auch mit etwas mehr Mühe.

          „Dieser Sieg ist extrem wertvoll“

          Nachdem er am Sonntag um 18.21 Uhr seinen ersten Matchball mit einem überrissenen Vorhandvolley verwandelt hatte, warf er sich rücklings auf den geliebten Boden, wälzte sich in dem roten Ziegelmehl. Danach kletterte in die Spielerloge, um seinen Onkel und Coach Toni Nadal zu herzen. „Dieser Sieg ist extrem wertvoll, weil ich ihn gegen den komplettesten Spieler der Geschichte errungen habe“, sagte Nadal auf Spanisch, nachdem er die Trophäe und den Siegesscheck über 940.000 Euro von dem ehemaligen Weltranglistenersten Stefan Edberg erhalten hatte.

          Im Augenblick des Triumphes
          Im Augenblick des Triumphes : Bild: AP

          Federer mußte an diesem glühend heißen Sommertag mit Temperaturen um 35 Grad gleich zwei bittere Pillen schlucken. Der Tag, der ihm die einmalige Chance bot, sich in den Annalen des Tennis zu verewigen und seinen Anspruch zu unterstreichen, der vielleicht beste Tennisspieler aller Zeiten zu sein, wurde für ihn zu einer bitteren Enttäuschung. Erstmals verlor er nach sieben Siegen (dreimal Wimbledon, je zweimal Australian Open und US Open) das Finale eines Grand-Slam-Turniers. Und nach 27 Siegen in Folge bei den vier Traditionsturnieren mußte der Stilist auch einen Traum begraben, den vom „Roger-Slam“, den Gewinn der „großen Vier“ hintereinander. Und zu dem modernen „Karriere-Grand-Slam“, den bisher nur Andre Agassi 1999 mit Siegen auf vier unterschiedlichen Bodenbelägen (Rebound Ace, roter Sand, Rasen und Deco Turf II) komplettierte, fehlt ihm nach wie vor die French Open, wo er bereits im Vorjahr im Halbfinale in vier Sätzen an Nadal gescheitert war. Da half alle Anfeuerung der 15 000 Fans auf dem Court Philippe Chatrier nichts, die immer wieder „Ro-ger, Ro-ger“ skandierten.

          Federer begeht ungewohnte Fehler

          Als Federer nach dem nur mit mäßigem Beifall begrüßten Nadal, der wie immer im „Piraten-Look“ mit Capri-Hosen und ärmellosem Muskelshirt gewandet war, den Platz betrat, wurde der Jubel zu einem Orkan. Wie das Gros der Kollegen, allen voran der von Nadal im Halbfinale besiegte Kroate Ivan Ljubicic, drückten die Fans dem Schweizer kräftig die Daumen. Anfangs schien es auch zu helfen. Federer erwischte einen großartigen Start in dieses Finale. Er führte schnell 5:0, gewann den ersten Satz nach nur 37 Minuten. Aber nachdem er im zweiten Spiel des zweiten Satzes bei eigenem Aufschlag einer 40:0-Führung verschluderte, kippte das Spiel.

          Plötzlich zauberte Nadal, und Federer fiel nur noch durch haarsträubende Fehler, vor allem mit seiner Rückhand, auf. In nur 32 Minuten hatte Nadal ausgeglichen. Auch im dritten Satz wendete sich das Blatt zugunsten Nadals, nachdem Federer seine Gelegenheit verspielt hatte. Im fünften Spiel führte der Schweizer gegen den aufschlagenden Spanier 15:40, drosch aber einen leichten Schmetterball ins Aus und verlor das Spiel noch. Postwendend schaffte Nadal das Break und brachte den dritten Satz sicher nach Hause. Auch im vierten Satz patzte Federer früh. Er verlor sein Service zum 0:1 und lief danach bis zum Ende des Satzes einem Rückstand hinterher. Erst als der Titelverteidiger beim Stand von 5:4 zum Matchgewinn aufschlug, fing sich Federer, durchbrach den Aufschlag des Linkshänders und rettete sich ins Tiebreak. Doch bei dieser Nervenprobe machte ihm seine Fehlerhaftigkeit wieder zu schaffen. Nadal gewann ein Duell, das die hochgeschraubten Erwartungen vom „Match des Jahres“ längst nicht erfüllte und nicht annähernd die Klasse des letzten Duells in Rom erreichte.

          Aber das war am Ende des Tages nebensächlich. Was zählt ist: Nadal bleibt für Federer ein scheinbar unüberwindbarer Gegner. Nadal hat seine drei Niederlage in diesem Jahr gegen den Franzosen Arnaud Clement in der Halle sowie gegen den Amerikaner James Blake und seinen Landsmann Carlos Moya auf Hartplätzen kassiert. In der Weltrangliste hat Federer seinen Vorsprung vor Nadal noch ausgebaut, doch Nadal sitzt ihm im Nacken. „Wer glaubt, daß Nadal nur auf Sand spielen kann, hat keine Ahnung vom Tennis“, sagte Federer, der in diesem Jahr schon auf einem Hartplatz gegen Nadal in Dubai verlor. In diesem Jahr hat der Schweizer gegen den Rest der Welt eine Bilanz von 44:0 Siegen, gegen Nadal lautet sie 0:4.

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