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Federer im Halbfinale : Kurz vor dem Karriere-Grand-Slam

  • -Aktualisiert am

Lob und Anerkennung: „Lamonf” gratuliert Federer Bild: dpa

Roger Federer ist mit einem Dreisatz-Sieg gegen den Franzosen Gael Monfils ins Halbfinale der French Open eingezogen. Die Chancen, mit dem 14. Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier nun den Rekord von Pete Sampras einzustellen, sind überaus günstig.

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          Kein anderes Land steht im Herrentennis so glänzend da wie die „Grande Nation“. Drei Franzosen stehen unter den Top Ten der Weltrangliste: Gilles Simon ist Siebter, Jo-Wilfried Tsonga Neunter und Gael Monfils Zehnter. Und gleich neun Profis werden unter den besten fünfzig geführt - ein Ergebnis des vorzüglichen zentralen Förderungssystem des französischen Verbandes (FFT). Aber auch für die 1,2 Millionen Mitglieder zählende Föderation, einen der größten Tennisverbände der Welt, gehen nicht alle Wünsche in Erfüllung. Schon seit 1983, als Yannick Noah die Fans mit seinem Triumph bei den French Open verzückte, warten die Fans auf einen Herrensieg beim Grand-Slam-Turnier in ihrer Hauptstadt.

          Auch in diesem Jahr wird es mit dem sehnlich erhofften Heimsieg im Stade Roland Garros nichts. Am frühen Mittwochabend zerstörte Roger Federer alle Träume. Der Schweizer Maestro, der in den vergangenen drei Jahren jeweils gegen Rafael Nadal im Finale verloren hatte, machte im Viertelfinale mit dem letzten verbliebenen Franzosen im Feld, Gael Monfils, in nur 2:10 Stunden beim 7:6 (8:6), 6:2 und 6:4 wenig Aufhebens.

          Federers Chancen auf den 14. Grand-Slam-Titel sind überaus günstig

          Federer trifft im Halbfinale am Freitag auf den Argentinier Juan Martin del Potro, der den Spanier Tommy Robredo 6:3, 6:4, 6:2 schlug. In der zweiten Semifinalpartie stehen sich der schwedische Nadal-Bezwinger Robin Söderling und der Chilene Fernando Gonzales gegenüber. Die Chancen für den langjährigen Primus, endlich den letzten noch fehlenden großen Titel zu gewinnen, damit als sechster Spieler den so genannten „Karriere-Grand-Slam“ zu schaffen, und mit insgesamt 14 Grand-Slam-Titeln mit dem amerikanischen Rekordhalter Pete Sampras gleichzuziehen, stehen überaus günstig: Keiner der noch im Wettbewerb befindlichen Spieler hat Federer jemals auf einem Sandplatz besiegt - und diese Statistik macht dem Weltranglistenzweiten Mut: „Das hört sich gut an.“

          Weiterhin kein Sieg gegen Federer: Gael Monfils wird vorerst nicht Nachfolger von Yannick Noah

          Auch „Lamonf“, wie Monfils genannt wird, war vor diesem Viertelfinale nie ein Sieg gegen den langjährigen Weltranglistenersten vergönnt gewesen. Der Sohn eines Fußballprofis aus Guadeloupe und einer Mutter aus Martinique, hatte alle vier vorherigen Begegnungen gegen den Stilisten aus Basel verloren, zuletzt im vorjährigen Halbfinale der French Open. Damals hatte er dem Favoriten noch einen Satz abtrotzen können. Diesmal blieb ihm auch das verwehrt, obwohl er im Tiebreak des ersten Satzes beim Stand von 6:5 gegen den aufschlagenden Federer einen Satzball hatte.

          Ab dem zweiten Satz war Monfils chancenlos

          Aber nachdem der Schweizer diese brenzlige Situation souverän gemeistert hatte, gestaltete sich das Geschehen auf dem mit 14.850 Zuschauern ausverkauften Court Philippe Chatrier relativ einseitig. „Das ich den ersten Satz gewonnen habe, war ungeheuer wichtig“, sagte Federer, der im Gegensatz zu den letzten Wackelpartien diesmal keine große Mühe hatte, sein Spiel zu finden: „In den letzten Partien habe ich mich anfangs auf dem Platz nie wohl gefühlt. Diesmal habe ich gleich von Beginn den Ball gut getroffen.“

          Vom zweiten Satz an tat er das so gut, dass Monfils absolut chancenlos war. Federer zog mit einem Doppelbreak schnell auf 4:0 davon und dominierte mit seiner Spielkunst den schlaksigen Franzosen. Im dritten Satz klagte Monfils über Unwohlsein und Magenbeschwerden und ließ sich zweimal behandeln, aber auch das änderte wenig. Federer wirkte mit dem 2:0-Satzvorsprung im Rücken wie befreit, nichts war von der Fehlerhaftigkeit zu sehen, die ihn gegen den Argentinier José Acasuso und gegen den Deutschen Thomas Haas nur knapp an einer Niederlage vorbeischlittern ließ. Im dritten Satz wartet er geduldig auf seine Chance, nutzte die erste Gelegenheit mit einem Break zum 5:4 und machte mit eigenem Service seine 20. Halbfinalteilnahme bei einem der vier Traditionsturniere perfekt. „Darauf bin ich ganz besonders stolz“, sagte Federer, „ich hoffe, ich habe jetzt noch zwei gute Matches“. Nach dem Eindrücken vom Mittwoch ist ihm das zuzutrauen.

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