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French-Open-Finale : Rafael Nadal deklassiert Roger Federer

Einsame Spitze auf Sand: Rafael Nadal Bild: AFP

Wie in den vergangenen beiden Jahren standen sich der Spanier und der Schweizer im Finale von Paris gegenüber - aber so deutlich wie heute war der Unterschied zwischen beiden noch nie. 6:1, 6:3, 6:0 - Federer hatte gegen Nadal nicht den Hauch einer Chance.

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          Dieses Mal sollte alles anders werden, dieses Mal fühlte er sich bestens gewappnet für die große Aufgabe. „Ich bin ein besserer Spieler auf Sand geworden, und ich kann Rafael Nadal besiegen. Ich habe die richtige Taktik“, hatte Roger Federer gesagt, und ein wenig hatte das angesichts der beeindruckenden Vorstellungen des Titelverteidigers aus Spanien auf dem Werk in das dritte Pariser Endspiel nacheinander der beiden besten Tennisspieler wie das Pfeifen im Walde geklungen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nadal war trotz Federers Zuversicht der Favorit, aber als am Sonntag nach einer Spielzeit von nur 1:48 Stunden alles vorbei war, leuchtete auf der Anzeigentafel allerdings ein Ergebnis auf, das in seiner Deutlichkeit niemand erwartet hatte. Bei seinem vierten Titelgewinn in Roland Garros nacheinander hatte Nadal den Weltranglistenersten demontiert, wie man es noch nie gesehen hatte.

          Nadal ist gerade erst 22 Jahre alt geworden

          Der Spanier siegte 6:1, 6:3 und 6:0, was er offenbar selber ein wenig respektlos fand. „Entschuldigung für dieses Endspiel“, sagte Nadal bei der Siegerehrung. Den Pokal erhielt er danach aus der Hand von Björn Borg, der ebenfalls einst viermal nacheinander in Paris gewonnen hatte. Noch ist ihm der Schwede zwar mit insgesamt sechs Siegen bei den French Open insgesamt voraus, aber nach Lage der Dinge wird der Spanier auch diese Bestmarke demnächst jagen.

          Einsam: Roger Federer fand kein Mittel gegen Nadals Sandplatztennis

          Denn Nadal ist gerade erst 22 Jahre alt geworden - und er ist bislang in jedem Jahr bei den French Open besser gewesen als zuvor. Das klingt nicht vielversprechend für Roger Federer, der sich einen Sieg in Paris mehr wünscht als jede andere Trophäe. Nur ein Triumph bei den French Open fehlt ihm noch, um bei allen Grand-Slam-Turnieren zumindest einmal den Siegerpokal hochgehalten zusammen. „Das ist das, was mir in meiner Karriere noch fehlt“, hatte Federer vorher gesagt.

          „Man kann ihm nur gratulieren“, sagt Federer

          So gesehen aber bekam er am Sonntag einen Fingerzeig, dass seine einzigartige Laufbahn möglicherweise unvollendet bleiben wird. Ungewöhnlich weit hatte sich der Schweizer in den vergangenen Tagen aus dem Fenster gelehnt. Almagro habe bei seiner 1:6- 1:6- und 1:6-Niederlage im Viertelfinale offenbar die falsche Taktik gewählt, Djokovic zu wenig aggressiv gewesen bei seiner 4:6- 2:6 und 6:7-Niederlage im Halbfinale.

          „Gegen Nadal aber muss daran glauben, dass man ihn besiegen kann. Ansonsten hat man keine Chance“, sagte Federer. Er also glaubte an sich - und war schließlich in diesem Endspiel so chancenlos wie noch nie zuvor, was all die Kritik an der falschen Taktik der anderen gründlich relativierte. „So zu verlieren ist natürlich hart und schmerzhaft. Aber man kann ihm nur gratulieren dazu, wie er in diesen zwei Wochen gespielt hat. Er hat jeden Gegner dominiert, egal wer da auf der anderen Seite des Netzes stand. Ich habe alles versucht, aber er war einfach besser, viel besser“, sagte Federer.

          Eine einzige winzige Chance konnte Federer nicht nutzen

          Der Schweizer hatte tatsächlich eine Menge probiert, hatte sich eine aggressive Spielweise zurechtgelegt und versucht, Nadal mit Netzangriffen unter Druck zu setzen, hatte immer wieder Stopbälle eingestreut, hatte Nadal immer wieder über dessen Rückhand angegriffen. Das schien theoretisch der richtige Plan zu sein, der nur einen einzigen Makel hatte: Er funktionierte in der Praxis nicht, weil der Spanier sich darum überhaupt nicht scherte und die Partie so dominierte wie alle anderen zuvor.

          Selbst die Unterstützung des Publikums, dass Federer schon beim Betreten frenetisch angefeuert hatte, schien den besten Sandplatzspieler der Welt nicht zu irritieren. Mit „Roger, Roger“-Sprechchören hatten die 15.500 Zuschauer auf dem Court Philippe Chatrier den Weltranglistenersten gefeiert, als der einen 0:2-Rückstand im zweiten Durchgang wettmachte. Wenig später war prompt die einzige winzige Chance gekommen, die Federer in diesem Finale besitzen sollte, als er beim Stand von 3: 3 im zweiten Satz einen Breakball nicht nutzen konnte.

          „Das war ein perfektes Spiel von mir“ - wer wollte Nadal widersprechen?

          Wie ein Uhrwerk aber spulte Nadal sein Programm ab, ließ sich von nichts und niemanden aufhalten, passierte Federer, wenn der ans Netz kam, oder spielte den an diesem Tag zu fehlerhaften Schweizer von der Grundlinie aus und leistete sich selber ganze sieben unerzwungene Fehler. Am Ende stand eine Bilanz, die für sich sprach: Federer gewann 52 Punkte in diesem Finale, Nadal 92. „Die beste Taktik ist, einfach sehr gut zu spielen. Denn Tennis ist eigentlich ein simples Spiel, das nicht so viele taktische Möglichkeiten hat wie Basketball oder Fußball“, sagte Nadal. Vor allem wohl nicht, wenn es gegen ihn geht.

          Von seinen letzten 117 Spielen auf Sand hat er nun 115 gewonnen, und in Roland Garros scheint er ohnehin unbesiegbar - hier hat er all seine 28 Spiele als Sieger beendet. So überragend wie diesmal aber war er bei keinem Triumph zuvor aufgetreten. Nadal blieb ohne Satzverlust im gesamten Turnier, ließ seine Gegner reihenweise verzweifeln und hätte in dieser Form vermutlich auch alleine das Doppelturnier gewonnen. „Das war ein perfektes Spiel von mir“, sagt er nach dem Finale, und wer hätte ihm da widersprechen wollen?

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