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French Open: Finale gegen Söderling : Federers Countdown steht auf eins

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Der Druck fällt, der Druck steigt: Roger Federers Chancen auf den Sieg in Paris sind gut wie nie - er ist nun klarer Favorit Bild: REUTERS

Der Erfolgsweg bei den French Open führt ihn ins Finale: Nadal-Bezwinger Robin Söderling steht im Tennis-Endspiel von Paris. Der Schwede besiegte den Chilenen Fernando Gonzalez. Favorit Roger Federer qualifizierte sich mit seinem Sieg über den Argentinier Juan Martin Del Porto.

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          Noch ein Sieg bis „zur Unsterblichkeit“ (die französische Sportzeitung „L'Équipe“); noch ein Sieg bis zum ersten Triumph bei den French Open; noch ein Sieg bis zur Einstellung des Rekords von Pete Sampras mit 14 Siegen bei den vier Grand-Slam-Turnieren; noch ein Sieg bis zur Vollendung des „Karriere-Grand-Slams“, dem Triumph bei allen vier Saisonhöhepunkten in der Laufbahn, den zuletzt als sechster Tennisspieler Andre Agassi vor zehn Jahren schaffte; noch ein Sieg, bis er zu Recht als „der Beste aller Zeiten“ gelten kann: Roger Federer steht nach einem 3:6-, 7:6(7:2)-, 2:6-, 6:1- und 6:4-Sieg nach 3:28 Stunden gegen Juan Martín del Potro zum vierten Mal im Folge in Paris im Endspiel. Er hat mit seiner 19. Endspielteilnahme bei einem der vier Saisonhöhepunkte mit dem Rekordhalter Ivan Lendl gleichgezogen.

          Der Schweizer Maestro kann am Sonntag von 15 Uhr an im Finale im Pariser Stade Roland Garros weiter Geschichte schreiben - oder als der Unvollendete in die Annalen eingehen, als der Profi, der seine vielleicht größte Chance, den wichtigsten Sandplatztitel der Welt zu gewinnen, verstreichen ließ, der die Gunst der Stunde, das Ausscheiden von Seriensieger Rafael Nadal, von Andy Murray und Novak Djokovic, nicht nutzte. Der 27 Jahre alte Baseler trifft am Sonntag auf den schwedischen Favoritenschreck Robin Söderling, der sich in einer packenden und hochklassigen Partie nach ebenfalls exakt 3:28 Stunden in fünf Sätzen 6:3, 7:5, 5:7, 5:7 und 6:4 gegen den Chilenen Fernando Gonzales durchgesetzt hatte. „Robin steht verdientermaßen im Finale. Er hat schließlich Nadal geschlagen“, sagte Federer.

          Federer stand am Rand der Niederlage

          Federer, als Weltranglistenzweiter 23 Ränge höher eingestuft als der Schwede, ist natürlich Favorit. Aber was heißt das schon gegen einen Mann, der sich bei diesem Turnier bisher durch nichts und niemanden aufhalten ließ. Der Baseler hat den 24-jährigen Wahlmonegassen in allen neun bisherigen Begegnungen besiegt, zuletzt vor drei Wochen auf dem Weg zum Sieg beim Madrider Masters-Turnier. Aber auch dieses Statistik dürfte die Pariser Fans, die ihren Liebling am Freitag enthusiastisch unterstützten und dabei sogar alle Fairness außer Acht ließen und Fehler des Südamerikaners bejubelten, nicht sonderlich beruhigen. Denn auch gegen Juan Martín del Potro hatte der Schweizer alle fünf vorherigen Begegnungen gewonnen, ja er hatte gegen den 1,98 großen Argentinier noch nie einen Satz abgegeben. Trotzdem stand er auch gegen den Aufsteiger des vergangenen Jahres nach einem 1:2-Satzrückstand am Rand der Niederlage.

          Kein Grund zum Verstecken: Zuvor Juan Martin del Potro nie einen Satz gegen Federer gewonnen - nun hatte er den Schweizer am Rand der Niederlage

          „Es ist schwer gegen mich, drei Sätze zu gewinnen“, hatte Federer seine Stärke bei den Marathonmatches beschrieben. Er behielt am Freitagabend recht, weil er, als alles schon auf einen weiteren Favoritensturz hindeutete, die Nerven bewahrte. Erst als er mit dem Rücken zur Wand stand, zelebrierte er zumindest phasenweise seine grandiose Spielkunst. „Ich bin zufrieden, wie ich in diesem Match zurückgekommen bin“, sagte ein sichtlich erleichtert wirkender Federer „Juan Martín hat zwischendurch sehr, sehr gut gespielt. Die Niederlage ist für ihn bitter, aber ist ja noch jung.“

          Söderling riskiert im fünften Satz alles

          Zwanzig Jahre alt ist der Argentinier, der bei den French Open im Vorjahr noch auf Rang 68 geführt wurde und jetzt schon als Fünftbester seiner Zunft gilt. Federer wendete das Match im vierten Satz und ließ sich selbst dann nicht aufhalten, als er im fünften Satz nach einer 3:1-Führung das Rebreak zum 3:3 kassierte. Prompt knöpfte er del Potro wieder den Aufschlag zum 4:3 ab. Mit einer krachenden Vorhand beendete er das Spiel mit seinem zweiten Matchball, nachdem er den ersten beim Stand von 5:3 noch vergeben hatte. „Dieses Match wird mir nur in Erinnerung bleiben, wenn ich auch das Finale gewinne“, sagte Federer.

          Auch Söderling musste eine fast schon verlorene Partie drehen. Er stand nach zwei sicheren Satzgewinnen und einem 2:0-Vorsprung plötzlich im fünften Satz bei einem 1:4-Rückstand kurz vor dem Aus. Aber Gonzales spielte mit dem Sieg vor Augen plötzlich auf Sicherheit. Statt wie das ganze Match seinen Aufschlag mit voller Wucht ins Feld zu hauen, was ihm immerhin 22 Asse einbrachte, wählte er die Sicherheitsvariante. „Wenn die Taktik aufgegangen wäre, wäre sie gut gewesen, so aber war sie falsch“, klagte der Weltranglistenzwölfte. Söderling riskierte alles, drosch mit Vor- und Rückhand den Ball wie in den ersten beiden Sätzen an die Linien. Die Risikobereitschaft wurde belohnt. Er gewann fünf Spiele nacheinander und das Match. Der Schwede hat nach den drei Siegen beim World Team Cup in Düsseldorf und den sechs Erfolgen in Paris erstmals in seiner Karriere neun Matches in Folge gewonnen. Zufrieden ist er damit nicht: „Jetzt will ich noch mehr.“ Federer ist gewarnt.

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