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French Open : Der arme Verwandte im Regen

  • -Aktualisiert am

Schicke Schirme halten trocken, doch ein festes Dach wäre noch schicker Bild: REUTERS

Regen, der auf grüne Planen platscht, die rote Sandplätze schützen: von den vier Grand-Slam-Turnieren sind nur noch Flushing Meadows und das Turnier in dem nach dem Fliegerhelden benannten Stade Roland Garros den Unbilden des Wetters ausgeliefert. Das sorgt in Paris für Unmut.

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          Wer am Dienstag eine Karte für die French Open gekauft hatte, dem bot sich nach nicht einmal dreißig Minuten Tennis für mehr als zwei Stunden ein trostloses Bild: Regen, der auf grüne Planen platschte, die die roten Sandplätze schützen (siehe auch: French Open kompakt: Haas, Kohlschreiber und Beck weiter - Schüttler blamiert sich). Nachdem 1987 die Australian Open im Melbourne Park einen Centre Court mit Schiebedach erhielten, zu dem sich 2000 noch ein zweiter Hauptplatz gesellte, der bei Bedarf in eine Halle verwandelt werden kann, und Wimbledon seinen imposanten Wetterschutz kürzlich feierlich einweihte (siehe: Die Halle als Versicherung: Wimbledon bleibt an der Luft ), sind von den vier Grand-Slam-Turnieren nur noch Flushing Meadows in New York und das Turnier in dem nach dem Fliegerhelden benannten Stade Roland Garros den Unbilden des Wetters ausgeliefert. Das wurde über viele Jahre klaglos hingenommen. Zwar ist der Pariser Frühling längst nicht so launisch wie der Hochsommer im Südwesten von London. Aber in den vergangenen Jahren, ganz besonders im verregneten 2008, hat das Wetter auch dem wichtigsten Sandplatz-Turnier der Welt allzu oft einen Strich durch die Rechnung gemacht.

          Von dem 1928 erbauten Centre Court in Paris, der mittlerweile Court Philippe Chatrier heißt, steht zwar nur noch die äußere Hülle. In sechs Arbeitsschritten wurde das Kernstück der Anlage im Bois de Boulogne modernisiert – zuletzt im April 2008. Mittlerweile sind aus den ursprünglich fünf Außenplätzen zwanzig geworden. Insgesamt investierte der französische Tennisverband (FFT) in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als 200 Millionen Euro in die Erweiterung und Verbesserung der Anlage. Aber das Hauptproblem wurde damit nicht beseitigt: Bei schlechtem Wetter schauen alle in die Röhre. Die Zuschauer suchen irgendwo eines der wenigen geschützten Plätzchen, die Spieler drängen sich in der Umkleidekabine und im Spielerrestaurant. Den übertragenden Fernsehsendern bleibt nichts anderes übrig, als Wiederholungen zu senden.

          Das Projekt wird massiv bekämpft

          Deshalb hat die FFT schon 2006 nach der gescheiterten Olympiabewerbung mit der Planung eines neuen Centre Court begonnen. Mittlerweile existieren nach einem Wettbewerb, an dem sich die Crème de la Crème der französischen Architekten beteiligte, Baupläne für einen neuen Centre Court mit Schiebedach auf dem Gelände des kleinen Fußballstadions Georges Hébert an der Porte d’Auteuil. Doch die Verbindung zu der rund ein Kilometer entfernten alten Anlage ist das Problem. Eine Brücke und eine Schienenbahn waren im Gespräch, aber beides wird wie das gesamte Projekt von Umweltschützern, Grünen und der Distriktverwaltung massiv bekämpft, obwohl es mit dem Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë einen prominenten Fürsprecher hat.

          Das Leid mit dem Regen: nicht zu planen - es helfen nur Planen

          Neue Idee: Temporäres Dach

          Doch bei dieser Gemengelage scheint es zweifelhaft, ob diese Pläne jemals realisiert werden. Und noch etwas spricht gegen den neuen Centre Court. Im Februar wechselte die Führung der FFT, und es scheint, als ob die neuen Männer an der Spitze eine andere Lösung favorisieren: ein zeitweiliges Dach über dem alten Centre Court. Eine permanente Lösung kommt nicht in Frage, da dies die Höhe des Bauwerks verändern würde, etwas, was der Bebauungsplan in diesem Wohngebiet verbietet. So soll nach neuen Vorstellungen das Dach lediglich für die zwei Wochen als Versicherung gegen Regen dienen und dann wieder abmontiert werden.

          Das Stade Roland Garros wirkt mittlerweile im Konzert der vier Traditionsturniere wie der arme Verwandte: mit 8,5 Hektar ist es mit Abstand die kleinste Anlage, obwohl immer alle Tickets verkauft werden, können maximal 455 000 Fans die Anlage besuchen. Zum Vergleich: Die anderen drei Grand-Slam-Turniere bieten wesentlich mehr Platz, zwischen 13,75 (Wimbledon) und 20,23 Hektar (Flushing Meadows) und empfangen jedes Jahr mehr Tennisfreunde: Wimbledon 475.000, die Australian Open 600.000 und die US Open, die mit dem 23.000 Fans fassenden Arthur Ashe Stadium den größten Centre Court der Welt ihr eigen nennen, gar 720.000. Deshalb fällt das Urteil der französischen Sportzeitung „L’Equipe“ ganz einfach aus: Roland Garros braucht dringend ein Dach und mehr Platz.

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