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French Open : Außenseiter gegen Spielverderber

  • -Aktualisiert am

Tomas Berdych: „Ich versuche nicht, super populär zu werden” Bild: REUTERS

Unbeliebt bei Fans und Kollegen, aber erfolgreich auf dem Platz: Tomas Berdych und Robin Söderling zählen nicht gerade zu den Lieblingen des Tenniszirkus. An diesem Freitag stehen sie sich im Halbfinale der French Open gegenüber.

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          Tomas Berdych verfügt eigentlich über alle Gaben und Tugenden, um im Tennis ein Star zu sein. 1,95 Meter groß, 90 Kilogramm, blonde Haare - schon rein äußerlich ist der 24 Jahre alte Tscheche eine imposante Erscheinung. Seine Tenniskünste sind nicht minder eindrucksvoll: Der Rechtshänder kann sowohl mit seiner Vorhand als auch mit der beidhändig geschlagenen Rückhand punkten, sein Aufschlag ist ebenso gefährlich wie seine Netzattacken.

          In diesem Jahr bezwang er auf den Hartplätzen von Key Biscayne nicht nur den Schweizer Branchenprimus Roger Federer, sondern auch noch zwei weitere Top-Ten-Spieler, den Spanier Fernando Verdasco und den Schweden Robin Söderling, ehe er im Finale von Andy Roddick gestoppt wurde. Bei den French Open in Paris machte er im Achtel- und im Viertelfinale mit dem schottischen Weltranglisten-Vierten Andy Murray ebenso wenig Aufhebens wie mit dem Russen Michail Juschni. Beide kamen nicht einmal in die Nähe eines Satzgewinns.

          An diesem Freitag steht ihm im Halbfinale wieder Söderling gegenüber, der trotz der glatten 2:6-, 2:6-Niederlage in Florida im jüngsten Duell in der internen Bilanz 4:3 führt. Söderling ist in Paris mittlerweile ein altbekannter Spielverderber. Schon im Vorjahr hatte er Rafael Nadal im Achtelfinale heimgeschickt, diesmal warf er in Publikumsliebling Roger Federer am Dienstagabend wiederum den Titelverteidiger mit einer eindrucksvollen Vorstellung in vier Sätzen aus dem Wettbewerb. Zweimal nacheinander den Vorjahressieger aus dem wichtigsten Sandplatz-Turnier der Welt zu befördern, diesen Coup hatte im Stade Roland Garros zuvor nur sein Landsmann Mats Wilander 1984 und 1985 gegen Yannick Noah und Ivan Lendl geschafft.

          Robin Söderling: „Ich spiele Tennis, um zu gewinnen”

          Berdych: „Ich versuche nicht, super populär zu werden“

          Dass Söderling als zehn Plätze höher eingestufter Weltranglisten-Siebter als Favorit gilt, weiß auch Berdych: „Er hat hier viel Erfahrung. Er stand im Vorjahr im Finale. Er hat Federer geschlagen. Aber ich gehe dieses Match genauso an wie alle anderen zuvor. Ich bereite mich vor und versuche, auf dem Platz mein Bestes zu geben. Was als Nächstes kommt, das kommt.“

          Mit so viel Gelassenheit nimmt Berdych auch hin, dass er im Tennis immer noch keine große Zugnummer ist. „Ich versuche nicht, super populär zu werden“, sagt er. „Tatsächlich, ist es mir egal. Es ist cool, auf der Titelseite von Zeitungen zu stehen, für die Arbeit und die Opfer über all die Jahre belohnt zu werden. Aber ich will nicht um jeden Preis anerkannt werden. Wenn die Leute mich mögen, ist es fein, wenn nicht . . .“

          Das Zögern hat seinen guten Grund: Wie sein Halbfinalgegner Söderling würde auch Berdych kaum einen Popularitätswettstreit gewinnen. Für viele Kollegen, selbst für manche Fans sind beide fast schon ein rotes Tuch. Dem 25-jährigen Schweden tragen viele Gegner immer noch nach, dass er sich früher bei Netzrollern nie entschuldigte. Nadal, der im zweiten Halbfinale auf den österreichischen Überraschungsmann Jürgen Melzer trifft, nimmt Söderling immer noch übel, dass er ihn in ihrem epischen Wimbledon-Match vor zwei Jahren nachäffte und sich wie der Spanier vor jedem Ballwechsel an der Unterhose zupfte.

          Unbeliebt bei Fans und Kollegen - erfolgreich auf dem Platz

          Auch mit Berdych hat der Mallorquiner eine Rechnung offen. Er beklagte sich lauthals nach einem Match bei den Madrid Open vor vier Jahren, dass es Berdych an Respekt mangele. Er ist nicht der einzige Kollege, mit dem der Tscheche im Laufe seiner Karriere heftig aneinandergeriet. Der Franzose Fabrice Santoro verweigerte ihm nach einer Fünf-Satz-Niederlage in Wimbledon 2006 den Handschlag, weil er dessen Benehmen als „inakzeptabel“ empfand. Santoros Landsmann Michel Llodra lieferte sich vor zwei Jahren bei den French Open mit Berdych eine heftige verbale Auseinandersetzung.

          Unbeliebt bei Fans und Kollegen, aber erfolgreich auf dem Platz - und nur das zählt im Tennis. Söderling lässt sich von Buhrufen, wie er sie am Dienstag im Match gegen Federer hinnehmen musste, nicht beeindrucken. „Ich spiele Tennis, um zu gewinnen.“

          Auch Berdych grämt sich nicht groß über die ablehnende Reaktion der Fans in Paris. „Die Franzosen mögen mich nicht“, sagt er. „Vielleicht liegt es daran, dass wir sie im Davis Cup geschlagen haben. Aber auf der Tour schafft man sich ohnehin keine Freunde. Wir sind alle Gegner. Ich verbringe meine Freizeit nicht mit anderen Spielern. Meine richtigen Freunde sind zu Hause.“

          Immerhin hat Berdych seine Lucie Safarowa

          Trotzdem ist er nicht allein in Paris. Seit gemeinsamen Kindertagen im Tennisklub kennen sich Berdych und Lucie Safarowa, die 25. der Damen-Weltrangliste, seit einigen Jahren sind sie verlobt. „Sie versteht mich“, sagt Berdych. „Sie weiß, was unser Beruf erfordert. Es ist besonders schön, wenn wir bei Turnieren mit Herren- und Damenkonkurrenz zusammen sein können. Ich sehe ihr unheimlich gern bei ihren Matches zu.“

          In Paris hatte er dieses Vergnügen nur kurz. Die Linkshänderin schied in der zweiten Runde gegen die ungesetzte Slowakin Polona Hercog aus. Die Rollen sind seitdem vertauscht: Seit mehr als einer Woche konnte Lucie Safarowa mit großer Freude miterleben, wie der Mann ihres Herzens erstmals ins Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers einzog.

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