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French Open : Andrea Petkovic kann ihre Chancen nicht nutzen

  • -Aktualisiert am

Ganz große Chance nicht genutzt, aber wieder dran an den Besten: Andrea Petkovic Bild: AFP

Die Darmstädterin Andrea Petkovic verliert zwar das Pariser Halbfinale gegen Simona Haleb in zwei Sätzen, gehört aber zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder zu den Top-Twenty im Frauen-Tennis.

          Sie wusste, dass sie ein paar Chancen verpasst hatte, und darüber ärgerte sie sich auch eine Weile nach dem Spiel noch. Genau eine Stunde und 30 Minuten lang versuchte Andrea Petkovic am Donnerstagnachmittag auf dem Court Central in Paris, Simona Halep aufzuhalten, doch die Rumänin machte dabei am Anfang kaum einen falschen Schritt, wirkte vom ersten Ballwechsel an extrem sicher und gefasst und zeigte Standhaftigkeit im zweiten Satz. Sie bestätigte mit diesem Auftritt alle, die von Anfang an für möglich gehalten hatten, dass sie Samstag mit dem Coupe Suzanne Lenglen in den Armen auf dem Podium stehen wird. Nach einem Sieg gegen Maria Scharapowa.

          Als Halep und Petkovic vor einem Jahr im Finale des Nürnberger Versicherungs Cups gegeneinander spielten, wären sicher beide höchst erfreut über die Prognose gewesen, dass sie sich 2014 im Halbfinale der French Open begegnen würden. Die junge Rumänin galt damals schon als Kandidatin für einen Platz unter den Top Ten, aber dass sie beim Aufstieg gleich mehrere Stufen auf einmal nehmen würde, konnte keiner wissen. Unabhängig davon, wie das Finale ausgehen wird, wird sie am kommenden Montag die neue Nummer drei des Frauentennis sein.

          Wie am Tag zuvor gegen Errani geriet Andrea Petkovic an diesem klaren Nachmittag unter blauem Himmel schnell in Rückstand, und dieser Rückstand vergrößerte sich im Laufe der nächsten 20 Minuten mit beträchtlicher Geschwindigkeit. Halep wirkte derart dominant, dass es nicht ganz leicht war, den Mut zu bewahren, dennoch kam die Darmstädterin im zweiten Satz deutlich besser ins Spiel. Sie musste mehr riskieren, um die andere aus dem Konzept zu bringen, allerdings nicht zu viel. Auf diesem schmalen Grat bewegte sie sich in den rund 60 Minuten des zweiten Satzes.

          Ein paar Fehler zu viel

          Der Druck für Halep nahm zu, sie begann Fehler zu begehen. Petkovic ging mit einem Break 3:1 in Führung, hatte zwei Spielbälle zum 4:1, und man konnte spüren, wie entscheidend diese Situation war. Doch keinen dieser Spielbälle nutzte sie und brachte die Gegnerin damit wieder ins Spiel. Statt 4:1 stand es kaum fünf Minuten später 3:3, aber Andrea Petkovic blieb dran. Die Zuschauer freuten sich über lange, harte Ballwechsel, über die Risikobereitschaft der einen und die Reaktionen voller Übersicht und Präzision der anderen. Die Entscheidung fiel im Tiebreak, in dem Halep immer in Führung lag und in dem Petkovic ein paar Fehler zu viel unterliefen.

          Andrea Petkovic schüttelte zunächst den Kopf angesichts der Entwicklung im zweiten Satz. Die Darmstädterin war jedoch nicht am Boden zerstört wie früher manchmal nach Niederlagen, auf ihre zupackende Art fasste sie das Geschehen in einem Satz zusammen: Das Spiel habe genau gezeigt, woran sie in Zukunft arbeiten müsse, und genau das werde sie tun.

          Aus dem Schatten zurück ins Licht

          Am Tag zuvor hatte sie gesagt, sie habe begriffen, dass sie niemandem mehr was beweisen müsse - nur noch sich selbst. Nach diesem Turnier weiß sie, dass im dritten Teil ihrer Karriere mit weiteren Verbesserungen noch eine Menge möglich sein könnte, und zu dieser Erkenntnis gehört eine Zahl. Nächsten Montag wird sie zum ersten Mal seit knapp zwei Jahren nominell wieder zu den besten 20 des Frauentennis gehören. Genau ein Jahr, nachdem sie vergeblich versucht hatte, sich für die French Open zu qualifizieren.

          Simona Halep wird nun am Samstag (15 Uhr) zum ersten Mal im Finale eines Grand-Slam-Turniers spielen, und es fehlte nicht viel zu einem Defilee der Debütantinnen. Beim 6:4, 5:7, 2:6 gegen Maria Scharapowa in fast zweieinhalb Stunden zeigte die 20 Jahre alte Kanadierin Eugenie Bouchard, warum so viele Leute glauben, sie werde irgendwann die Nummer eins des Frauentennis und damit eine zukünftige Konkurrentin auch von Simona Halep sein - eher früher als später.

          Kleine Frau mit großer Zukunft: Simona Haleb

          In ihrer Kompromisslosigkeit und dem Mut selbst in scheinbar aussichtslosen Situationen stand sie Scharapowa in nichts nach, und wenn sie der amerikanischen Russin nicht mit ein paar vergleichsweise leichten Fehlern behilflich gewesen wäre, dann hätte die Chose mit dem Finale klappen können. Aber dazu muss man Scharapowa offensichtlich in zwei Sätzen besiegen. Seit vier Jahren hat sie auf Sand keines von 18 Dreisatzspielen verloren - eine eindrucksvolle Bilanz als Beweis für ihre Aussage, nichts im Leben bereits ihr so viel Vergnügen wie der Wettkampf in all seiner Atemlosigkeit und Brutalität. Andy Murrays Mutter Judy hatten zur Beschreibung dieser Qualität in der vergangenen Woche ein Zitat der ehemaligen amerikanischen Präsidenten-Gattin Eleanor Roosevelt abgewandelt: „Scharapowa ist wie ein Teebeutel“, sagte sie, „halte sie in heißes Wasser, und du findest raus, wie stark sie ist.“

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