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Freizeitsport : Wieso nicht Golf spielen?

  • -Aktualisiert am

Wo gibt es noch Turniere? Alex Cejka in Glendale, Arizona Bild: AFP

In Amerika sind Tausende von Plätzen geöffnet. Hierzulande dagegen nicht. Dabei unterscheide sich Golf, von Freizeitsportlern ausgeübt, nicht vom Spaziergang im Park, sagt der Golf-Präsident.

          3 Min.

          Es gibt einen Deutschen, der derzeit noch Golf spielt – und damit sogar Geld verdient. Alex Cejka, der seit vielen Jahren in Las Vegas lebt, gewann am Mittwoch die Arrowhead Classic, ein Turnier der Outlaw Tour in Glendale im amerikanischen Bundesstaat Arizona. Der 49 Jahre alte Routinier kassierte dank einer glänzenden Schlussrunde von 64 Schlägen den Siegespreis von 5000 Dollar – für einen Profi, der allein auf der amerikanischen PGA Tour mehr als 18 Millionen Dollar spielend einnahm und vor seinem Umzug in die Vereinigten Staaten zwischen 1995 und 2002 viermal auf der European Tour siegte, nicht mehr als ein nettes Trinkgeld.

          Zum Vergleich: Bei seinem letzten Auftritt auf der PGA Tour, bei der Puerto Rico Open im Februar, erhielt er für den geteilten 60. Platz 6600 Dollar. Cejka, der 2015 auf der Karibikinsel zu seinem einzigen Sieg auf der PGA Tour gekommen war, nutzte wie etliche der weniger bekannten Kollegen die Möglichkeit, im Wettkampfmodus zu bleiben.

          In den Vereinigten Staaten bleibt rund die Hälfte der 16.000 Golfplätze mit den üblichen Distanzregelungen und geringen Einschränkungen – Fahnen immer im Loch, keine Rechen in Bunkern, nur ein Spieler im Golfwagen – weiter für übende Profis und Hobbyspieler geöffnet. Die mehr als 700 Anlagen in Deutschland hingegen fallen als „Sportanlagen“ unter den Schließungsbeschluss von Bund und Ländern – nicht nur für Claus M. Kobold, den Präsidenten des Deutschen Golf Verbands, eine unverständliche Entscheidung. Golf unterscheide sich, zumindest wenn von Freizeitsportlern ausgeübt, nicht vom zulässigen Spaziergang im Park. So sieht man es wohl auch in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Plätze am Montag wieder geöffnet werden sollen – wie in Rheinland-Pfalz oder im Saarland; Brandenburg will kurz danach folgen.

          Anders sieht es bei professionellen Turnieren aus. Auch da könnten die Spieler zwar Abstand halten, aber nicht die Zuschauer. Deshalb hagelte es in den vergangenen Wochen Absagen. Am Donnerstag bestätigte die European Tour, dass die BMW International Open, die für den 25. bis 28. Juni in Eichenried bei München geplant war, aus dem Turnierkalender gestrichen wird – eine erwartete Entscheidung, zumal in Deutschland alle Großveranstaltungen bis Ende August verboten bleiben. Auch die Open de France im Großraum Paris wird nicht Anfang Juli stattfinden. Seit Anfang März in Qatar das letzte Turnier dieser Serie ausgetragen wurde, sind insgesamt sieben Turniere verschoben worden, darunter die 149. British Open, die erst 2021 im Royal St. Georges Golf Club in Sandwich (Kent) ausgetragen werden soll. Fünf Veranstaltungen sind für dieses Jahr abgesagt. Wann die zweitwichtigste Turnierserie ihren Betrieb wieder aufnimmt, steht noch in den Sternen.

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          Laut Turnierkalender bietet das British Masters in Newcastle-upon-Tyne vom 30. Juli bis 2. August die nächste Abschlagchance für die Mitglieder der European Tour. Auch hinter dem zweiten Profiturnier in Deutschland, der Porsche European Open in Winsen an der Luhe, die für die erste Septemberwoche geplant ist, stehen noch Fragezeichen. Ein Sprecher der European Tour äußerte sich vage: „Wir beobachten weiterhin, wie sich die globale Situation des Coronavirus (Covid-19) und seine Auswirkung auf alle unsere Turniere entwickelt. Wir werden den Spielbetrieb erst wieder aufnehmen, wenn es sicher ist.“

          Dass in Zukunft auf dieser mittlerweile weltweiten Veranstaltungsreihe nach der Pandemie nichts mehr so sein wird wie zuvor, schilderte Keith Pelley, der CEO der European Tour, in zwei E-Mails an die Mitglieder der European Tour. Darin warnt der Kanadier, dass sich die Tour im nächsten Jahr radikal verändern werde: weniger Preisgeld, weniger Annehmlichkeiten für die Spieler (Lounges, Fahrdienst). Für dieses Jahr könne es einen zusammengestrichenen Turnierplan geben, auch mit mehreren Turnieren in einer Woche, mehrere vor allem im Vereinigten Königreich an einem Ort. Die Pandemie spüren jetzt schon die Angestellten der Tour im Hauptquartier in Wentworth bei London. Die leitenden Angestellten verzichten auf einen Teil ihres Gehalts, viele Angestellte sind in Kurzarbeit geschickt worden. Auch schloss Kelley aus, dass Profis und Caddies zur Überbrückung Gelder überwiesen werden.

          Genau das bietet die PGA Tour ihren Mitgliedern und deren Caddies an. Sie sollen bei Bedarf Schecks nach ihrer derzeitigen Position in der Saisonwertung FedExCup erhalten. Die PGA Tour, die in der Saison 2019/2020 400 Millionen Dollar an Preisgeld auslobt, hat am Donnerstag ihren neuen, ambitionierten Kalender veröffentlicht. Danach soll am 11. Juni mit der Charles Schwab Challenge in Fort Worth die neue Saison weitergehen, die mit einem Turnier pro Woche bis zum 6. Dezember dauern soll. Die ersten vier Turniere sollen ohne Zuschauer stattfinden. Aber wie und wann Spieler auf das Coronavirus getestet werden, ob die vielen nichtamerikanischen Mitglieder in die Vereinigten Staaten einreisen dürfen – auf all das gibt es noch keine verlässlichen Antworten.

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