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Freiwasserschwimmer Lurz : Zunehmen für Olympia

Gut unterwegs im Haifischbecken: Thomas Lurz kann im Sog der anderen Kraft sparen Bild: dpa

Thomas Lurz hat bei der WM in Schanghai über zehn Kilometer Silber hinter dem Griechen Gianniotis gewonnen und holte damit auch den Olympia-Quotenplatz für London. Dort will der „Freischwimmer des Jahrzehnts“ Gold gewinnen.

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          Thomas Lurz kann sich noch gut an seine Anfänge als Freiwasserschwimmer erinnern. An die Zeit, als er erst mal „ein Gefühl entwickeln musste für die 10 Kilometer“, für die Renneinteilung, die Taktik, die Frage, wann es gilt, nur im Feld mitzuschwimmen und wann anzuziehen, den Endspurt zu starten. „Da denkst du oft: Ich breche jetzt durch, das schaff' ich, ich bin ja gut trainiert“, sagt er. Und oft genug geht es daneben. Weil am Ende, wenn es darauf ankommt, die Kraft fehlt.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Schwimmst du im Sog der anderen, kannst du 20 bis 30 Prozent Kraft sparen“, sagt Lurz. Zudem sei das Leistungsniveau bei den Langstrecklern inzwischen viel zu hoch, als dass einer kilometerlang auf und davon schwimmen und am Ende damit durchkommen könnte. Auch im Freiwasserschwimmen siegt nicht immer der Athlet mit der besten körperlichen Verfassung, oft sind Erfahrung, taktische Cleverness und das Gespür, zum richtigen Zeitpunkt zu attackieren, entscheidend.

          So hat auch der einstige Beckenschwimmer Lurz, mehrmals deutscher Meister über 800 und 1500 Meter und Olympia-Teilnehmer 2004 in Athen über 1500 Meter, in seinen Anfangszeiten einiges an Lehrgeld bezahlt. Inzwischen ist der 31 Jahre alte Würzburger, so hat es der Schwimm-Weltverband (Fina) entschieden, „Freiwasserschwimmer des Jahrzehnts“. Am Mittwoch, bei der Weltmeisterschaft in Schanghai, hätte er um ein Haar seinen zehnten WM-Titel gewonnen, über die olympische 10-Kilometer-Distanz musste er sich nur dem Griechen Spyros Gianniotis um 2,5 Sekunden geschlagen geben. Doch auch mit Silber kann Lurz gut leben. „Platz zwei geht in Ordnung“, sagte er. „Den Rest hebe ich mir für London auf.“ Denn: Platz zwei, das bedeutet auch einen Startplatz bei den Olympischen Spielen 2012. Gleiches gilt für den Saarbrücker Andreas Waschburger, der nach einem couragierten Rennen Zehnter wurde.

          Zwei für London: Lurz und Waschburger (r.) erschwimmen zwei Olympiastartplätze

          WM-Medaille Nummer 14 hin oder her, Lurz freute sich am Mittwoch vor allem über den Olympiaplatz, wohl wissend, dass das WM-Rennen im Riesen-Teilnehmerfeld von 67 Athleten taktisch schwieriger war als es das olympische Rennen in London sein wird, bei dem die Startplätze vor allem für die großen Nationen stark beschränkt sind. So hatte Lurz in Schanghai auch lange seine liebe Mühe, sich nach der etwas verschlafenen ersten der vier 2,5-Kilometer-Runden einen Weg durch die Menge zu bahnen. „Es hat mich geärgert, dass ich da am Ende des Feldes lag“, sagte er. „Es war ziemlich anstrengend, sich nach vorne zu kämpfen.“ Er schaffte es, doch im Endspurt war Giannotis schneller.

          London geht bei Lurz über alles

          „Wenn ich die Wahl hätte“, hatte Lurz vor dem Rennen gesagt, „wäre ich lieber Zehnter bei der WM und nächstes Jahr Olympiasieger“. London geht bei Lurz über alles, denn - Freischwimmer des Jahrzehnts hin oder her -: „Olympisches Gold fehlt mir noch.“ Bei der Olympia-Premiere der Langstreckler 2008 in Peking hatte er Bronze gewonnen. Der Wettbewerb 2012 im Londoner Hyde Park wird ein ganz anderer werden als der am Mittwoch in Schanghai. Dort hatten es die Athleten vor dem Jinshan Beach mit einer Wassertemperatur von 29 Grad zu tun, in London werden es, schätzt Lurz, zwischen 18 und 20 Grad sein. Für den eher schlanken, athletischen Lurz heißt das für die Olympia-Vorbereitung unter anderem: Zunehmen: Zwei bis drei Kilogramm mehr sollten es schon sein, damit der Körper nicht so schnell auskühlt.

          In Schanghai hat Lurz nach dem Mannschafts-Wettbewerb an diesem Donnerstag mit Jan Wolfgarten und Isabelle Härle am Freitag eine weitere Chance, doch noch seinen zehnten WM-Titel zu schaffen, über die 5 Kilometer. Die Chancen auf Jubiläums-Gold sind so schlecht nicht: Lurz ist dort nicht nur Titelverteidiger, er hat auch seit 2005 kein einziges WM-Rennen über diese Distanz verloren.

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