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Freiwasserschwimmen : Einmal um Manhattan pflügen

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Vor Coney Island: Zehn KIlometer im Hudson sind nicht viel mehr als ein Spaßschwimmen für die New Yorker Freiwasserszene Bild: Sebastian Moll

Das Freiwasserschwimmen hat in New York eine lange Tradition. In Krieg und Schmutz ging sie verloren. Nun lebt sie wieder auf.

          Der Dunst hängt dick wie Quark über dem Hudson River an diesem Sonntagmorgen, das felsige Steilufer von New Jersey, keine Meile weit entfernt, lässt sich nur erahnen. Die Kähne ziehen wie Geisterschiffe durch den Nebel in Richtung Atlantik, das Wasser von Amerikas ältestem Strom ist grau wie der Himmel. Abigail Fairman steht an der Lände von Yonkers, der südlichsten Stadt des Hudson-Tals, direkt oberhalb der Bronx. Der Blick der Frau, die ihre muskulösen Schultern mit Melkfett einreibt, ist so trübe wie der Tag, doch das hat nur bedingt damit zu tun, dass sie in wenigen Minuten mit 200 anderen in den Fluss springen muss, um zehn Kilometer stromabwärts nach Manhattan zu schwimmen.

          Fairman hat mit Schulterschmerzen zu kämpfen, die lange Saison, bei der sie beinahe 300 Rennkilometer zurückgelegt hat, fordert ihren Zoll. Doch sie startet trotzdem, sie liebt diesen Fluss, den sie jeden Tag von ihrem Büro in einer Anwaltskanzlei an der Wall Street sieht. Sie nennt ihn eine „mächtige Meisterin“, wie eine Rivalin, die sie ebenso respektiert und verehrt. „Sie kann glorreich sein. Und sie kann dein ärgster Feind sein“, sagt sie. Warum sie den Hudson für weiblich hält? „Weil sie stark ist.“ So wie sie selbst.

          Jeder Armzug eine Wonne

          Fairman kennt den Hudson so gut, wie ihn sonst kaum jemand kennt. Erst im Juli dieses Jahres ist sie in einem einwöchigen Etappenrennen den Fluss hinuntergeschwommen. 200 Kilometer waren das innerhalb einer Woche. Dabei gab es Tage, an denen sie die mächtige Meisterin gehasst hat, weil sie mit ihren komplizierten Strömungen Fairman stundenlang beinahe auf der Stelle hat schwimmen lassen. Und dann gab es Tage, an denen der Hudson sie getragen und umspült hat wie eine mütterliche Freundin und jeder Armzug eine Wonne war.

          So sind die zehn Kilometer heute für sie eigentlich ein Spaßschwimmen. Es ist das letzte Rennen der Saison für die New Yorker Freiwasserszene, eine Art Abschwimmen mit anschließendem Fest beim Kajakklub an der Dyckman Street.

          Ein paar Meter entfernt, zwischen der bunten Flotille an Begleitkajaks, die sich startklar machen, steht Jon Bowermaster. Der Umweltaktivist und Filmemacher dirigiert seine Kameraleute. Bowermaster setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, den einst hoffnungslos verschmutzten Fluss wieder für die Anwohner nutzbar zu machen und das Ökosystem Hudson zu restaurieren. Er dokumentiert die immensen Fortschritte, die dabei gemacht wurden, das Leben zurück in und an den Fluss zu bringen, an dessen Mündung die am dichtesten besiedelte urbane Region der Vereinigten Staaten liegt.

          „Heute Morgen“, sagt Bowermaster, „ist ein wunderbares Beispiel dafür, was für eine großartige Ressource der Hudson für seine Anwohner ist – sei es für Sport und Erholung oder als Trinkwasserreservoir.“ Für die meisten Menschen sei der Strom, der sich oberhalb von New York – ähnlich wie der Rhein – durch eine liebliche Hügellandschaft wälzt, hübsch anzusehen, gelte aber als unbenutzbar: „Die Schwimmer hier beweisen das Gegenteil.“

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