https://www.faz.net/-gtl-6z5ov

Fred Brathwaite : Immer gut drauf

  • -Aktualisiert am

Lebensversicherung: Fred Brathwaite will mit den Adlern endlich Meister werden Bild: imago sportfotodienst

Fred Brathwaite ist die Vaterfigur der Mannheimer Adler - nur Meister geworden ist er noch nie. Vor Spiel zwei der DEL-Finalserie steht er besonders im Fokus: Mannheim braucht den Ausgleich.

          Bevor es auf das Eis geht, gehören das Werfen und Auffangen eines kleinen Balls, der an einem Gummiseil hängt, zum Aufwärmprogramm von Fred Brathwaite. Nicht selten hat man aber das Gefühl, dass auch am Arbeitsplatz des Mannheimer Torhüters die Pucks wie von einer Schnur gezogen den Weg in seinen Fanghandschuh suchen. Seit vier Jahren verrichtet der nur 1,72 Meter große, dunkelhäutige Kanadier, dessen Eltern aus Barbados stammen, seinen Dienst bei den Adlern.

          Der Spieler des Jahres 2009 ist der wohl beste Transfer, den die Kurpfälzer in den vergangenen Jahren getätigt haben. Längst wird er in einem Atemzug mit Vorgängern wie Erich Weishaupt, Mike Rosati oder Robert Müller genannt. Der Unterschied zu diesen Ikonen ist: Fred Brathwaite fehlt der Meistertitel mit den Adlern.

          „Unsere Lebensversicherung“, sagt Ullmann

          Doch daran arbeitet er in der Finalserie gegen die Berliner Eisbären. In den neun Play-off-Spielen vor dem Finale parierte der enorm bewegliche und mit glänzenden Reflexen ausgestattete Torhüter 95 Prozent aller Schüsse auf sein Tor, kassierte im Schnitt weniger als zwei Gegentore. Im ersten Finale waren es dann genau zwei.

          „Er gibt uns immer eine Chance, Spiele zu gewinnen“, sagt Trainer Harold Kreis. Die Mitspieler sind von ihrem Torwart begeistert. „Er ist unsere Lebensversicherung“, so Christoph Ullmann. Und was sagt Brathwaite? Er bleibt bescheiden. „Das ist mein Job. Und meine Mitspieler machen es mir leicht. Sie blocken viele Schüsse.“

          Für einen wie ihn tun sie das gerne. Der bereits 39-Jährige ist eine Art Vaterfigur für die zum Teil wesentlich jüngeren Mitspieler. Einer, der sich ernsthaft und nicht nur oberflächlich für das interessiert, was um ihn herum passiert. Bei den Fans genießt er gar Kultstatus. Als die Adler in der vergangenen Saison den mit Abstand schwächsten Sturm der Liga hatten, hielt Brathwaite nicht nur hinten den Laden zusammen.

          Von den Rängen wurde scherzhaft gefordert: „Auf geht’s Freddy, schieß ein Tor!“ Nicht, dass er das nicht könnte: In der American Hockey League traf er einmal ins Tor, als der Kollege 50 Meter gegenüber seinen Arbeitsplatz verlassen hatte.

          Kommt Dennis Endras?

          Oftmals sind Torhüter in sich gekehrte Eigenbrötler. Brathwaite ist anders. Nicht nur, dass er trotz seines Alters jugendlich wirkt. Man kann jemanden, der schon in einem Rap-Video mitgespielt hat (“Welcome to Atlanta“ von Jermaine Dupri, P. Diddy und Snoop Dogg) nicht wirklich als introvertiert bezeichnen.

          Als er zu Saisonbeginn nach einer Verletzung schwer in Gang kam und vom 21-jährigen Felix Brückmann so gut vertreten wurde, dass mancher schon mit einer Wachablösung rechnete, fügte er sich gelassen ins zweite Glied und unterstützte den Kollegen. Als Brückmann nach einem starken Spiel interviewt wurde, fuhr Brathwaite hin und rief fröhlich in die Kamera: „Ich liebe diesen Jungen.“

          Der Kanadier hat zwar 256 Mal in der nordamerikanischen Profiliga NHL und mehr als 100 Mal in Russland gespielt; zudem nahm er an drei Weltmeisterschaften teil. Oft war er aber auch nur der zweite Mann, daher weiß er, wie wichtig es ist, sich gegenseitig zu helfen. Mit 39 Jahren weiß er auch, dass seine Zeit als Profi endlich ist. Zumal sich die Anzeichen verdichten, dass die Adler den deutschen Nationaltorhüter Dennis Endras bereits für die kommende Saison verpflichtet haben. Brathwaite wird alles dafür tun, sich mit einem Meistertitel zu verabschieden. Und notfalls auch ein Tor schießen.

          Weitere Themen

          Auf der Welle zum Rekord Video-Seite öffnen

          „Big Wave“-Surfer in Portugal : Auf der Welle zum Rekord

          Sebastian Steudtner surft in seiner Wahlheimat, dem portugisischen Nazaré, auf gigantische Wellen. Zwischen „Bergen aus Wasser“ surft der 33-jährige Deutsche, der schon zweimal den begehrten XXL Global Big Wave Award gewann, allerdings relativ gelassen.

          Topmeldungen

          Der Regelfall: Deutsche Polizisten als Freunde und Helfer beim DfB-Pokalspiel am 18. August in Ulm

          „NSU 2.0“ in Frankfurt : Die Polizei – dein Feind und Henker?

          Rechtsextreme drohen einer Frankfurter Anwältin, ihre zwei Jahre alte Tochter zu ermorden. Spuren führen zu einem rechtsextremen Netzwerk inmitten der Frankfurter Polizei. Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen zeigen sich alarmiert.

          Reisewarnung wegen Brexit : Warnt May die Briten vor Europareisen?

          Der Brexit steht vor der Tür und ob es einen Deal gibt, ist immer noch unklar. Angeblich plant die britische Regierung darum eine Reisewarnung für Europa. Die Regierung dementiert. Doch die Unruhe wächst.

          Schwangerschaftsabbrüche : Die alten Gräben

          In der Debatte über das Werbeverbot für Abtreibungen wird viel Falsches behauptet. Auf beiden Seiten des ideologischen Grabens. Dabei darf man auch den größten Missstand nicht aus dem Auge verlieren. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.