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Frauen-Volleyball : Dem VC Wiesbaden entgeht das größte deutsche Talent

Strahlt im Trikot des SC Potsdam Zuversicht aus: Anastasia Cekulaev Bild: SC Potsdam

Anastasia Cekulaev hat beim VCW das Volleyballspielen gelernt. Doch ihr Debüt in der Bundesliga gibt die Jung-Nationalspielerin für Potsdam. „Das ist sehr unglücklich gelaufen“, sagt VCW-Macher Fetting.

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          Von den Teamfotos unter dem Reiter „Talentförderung“ auf der Homepage des VC Wiesbaden (VCW) strahlen Dutzende Mädchen in die Kamera. Sie halten Volleybälle in den Händen, tragen himmelblaue Trikots am Körper und Zuversicht in den Augen. Dank der Kooperation des Klubs mit der sportbetonten Elly-Heuss-Schule herrscht an begeisterten Nachwuchsvolleyballerinnen in Hessens Landeshauptstadt kein Mangel. Allerdings werden die Gruppen immer kleiner, je älter die Jahrgänge werden. Und in der Bundesligamannschaft ist bislang noch keine einzige angekommen.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Doch nun, endlich, hat die erste Spielerin aus der Nachwuchsakademie einen Profivertrag unterschrieben. Für zwei Jahre. Anastasia Cekulaev; 17 Jahre alt, 1,91 Meter groß. Sie gilt als aussichtsreichstes Versprechen auf der Position des Mittelblocks und als eine der größten Hoffnungen überhaupt im deutschen Volleyball. „Jeder, der Anastasia schon mal spielen gesehen hat, weiß, dass sie sehr, sehr viel Talent hat“, erklärt kein Geringerer als Bundestrainer Felix Koslowski auf Nachfrage der F.A.Z.

          Und dennoch sagt VCW-Geschäftsführer Christopher Fetting, wenn er auf die 17-Jährige angesprochen wird: „Mir blutet das Herz.“ Denn Anastasia Cekulaev wird die kommenden beiden Spielzeiten nicht beim VC Wiesbaden am Netz stehen, sondern beim Ligakonkurrenten SC Potsdam. „Das ist sehr unglücklich gelaufen“, sagt Fetting und holt ein bisschen aus, um die Geschichte zu erklären.

          Hoch die Hände: Beim VC Wiesbaden müssen sich alle strecken, um dran zu bleiben
          Hoch die Hände: Beim VC Wiesbaden müssen sich alle strecken, um dran zu bleiben : Bild: Picture-Alliance

          Schon in der vierten Klasse hatte Anastasia eine erste Einladung vom VCW erhalten und sich seitdem mit Begeisterung dem Volleyball-Spiel gewidmet. Erfolgreich durchlief das sehr athletische und zugleich motorisch hochbegabte Mädchen die Jugendteams des Vereins. Folgerichtig ereilte sie der Ruf des VC Olympia. Dort, am Bundesstützpunkt des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) in Berlin, werden hoffnungsvolle Talente aus allen deutschen Vereinen zusammengezogen, sofern sie dies wünschen und die Eltern zustimmen.

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          Mit einem Sonderspielrecht dürfen die Teenager als Team auch am Ligabetrieb teilnehmen, um Wettkampfpraxis auf hohem Niveau zu sammeln. Einige Jahre spielte der VC Olympia in der Bundesliga, zuletzt in der zweiten Liga, wo Anastasia Cekulaev zur absoluten Leistungsträgerin avancierte. Dies hatte zur Folge, dass Bundestrainer Koslowski die 17-Jährige nun sogar in seinen Kader für die an diesem Dienstag beginnende Nations League in Rimini berief – noch bevor Cekulaev auch nur ein einziges Bundesligaspiel absolviert hatte. „Wir haben ein spezielles Auge auf sie“, versprach Koslowski, dass seine jüngste Spielerin bei der Länderspielreise nicht überfordert werde.

          Das Problem für Fetting und den VC Wiesbaden: der abgebende, ursprüngliche Ausbildungsverein hält kein Zugriffsrecht auf die weitere Laufbahn seiner einmal auf die Reise geschickten Talente. Diesen Wettbewerbsvorteil habe schon eher der SC Potsdam, meint Fetting, „schon aufgrund der räumlichen Nähe“. Den der Brandenburger Verein vor den Toren Berlins auch leidlich nutzte. Er stattete Cekulaev im Vorjahr mit einem Zweitspielrecht aus, um ihr nun die Eingewöhnung zu erleichtern. Woran Potsdams Cheftrainer Guillermo Hernandez keinen Zweifel hegt: „Anastasia hat herausragende spielerische und physische Fähigkeiten. Ohne Bedenken wird sie in der nächsten Saison ein wichtige Rolle spielen“.

          Christopher Fetting nimmt es sportlich: „Es sei ihr gegönnt, schön, dass sie in der Bundesliga angekommen ist.“ Und macht sich daran, weiter am Kader des VCW für die kommende Saison zu feilen. Vier Spielerinnen sind bislang fix, mit sechs weiteren laufen vielversprechende Gespräche. Aus der eigenen Talentschmiede ist keine dabei.

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