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Beachvolleyball-Turnier : Iran bricht Versprechen und weist Frauen ab

Vom Dach eines Cafés schauten dann doch noch Frauen beim Beachvolleyball zu. Bild: Screenshot Twitter.com/openstadiums

Die Organisatoren des Beachvolleyball-Turniers in Iran versprachen, niemandem den Zutritt zu verweigern. Nun aber werden Frauen doch abgewiesen. Die Diskriminierung ist eine Blamage für den Weltverband.

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          Zuschauen beim Volleyball? Für Frauen verboten. Die Ansage des Mannes in Uniform ist eindeutig: Auch bei den Kish Island Open, dem ersten Turnier der Beachvolleyball World Tour in Iran, wurde Frauen der Zutritt verweigert. Vor dem Turnier, das am Montag auf der Insel im Persischen Golf begann und bis Freitag dauert, hatten die Organisatoren versichert: „Niemand wird abgewiesen.” Der Internationale Volleyball-Verband FIVB hatte der Zusicherung vertraut, nicht aber auf eine Änderung der Rechtslage in der Islamischen Republik gedrängt.

          Am Dienstag nun stellte sich heraus: Versprechen gebrochen, wieder wurde Frauen der Zutritt verweigert. Wie bei den Länderspielen der Volleyball-Weltliga, in denen das iranische Männer-Team in Teheran antritt, durften auch auf Kisch nur Ausländerinnen auf den Tribünen Platz nehmen – wieder wurden die Nichtdiskriminierungsvorschriften der FIVB und die Olympische Charta missachtet.

          Wie die Organisation „Open Stadiums” berichtet, die sich für die Rechte von Zuschauerinnen in Iran einsetzt, war mehreren Iranerinnen auf Kisch der Zugang zum Beachvolleyball-Stadion verweigert worden. Sie wurden von Sicherheitskräften abgewiesen, obwohl der Weltverband mit eigenem Personal vor Ort war. Die Leute des FIVB bekamen aber entweder nicht mit, dass auch Frauen ins Stadion wollten oder konnten die Zurückweisung nicht verhindern.

          Der Betreiber eines Cafes neben der Turnieranlage verschaffte einigen Zuschauerinnen dennoch Einblick, in dem er ihnen Stühle aufs Flachdach seiner Restauration stellte. Männliche Zuschauer habe der Mann seines Cafes verwiesen, berichtet „Open Stadiums”. „Ihr könnt von drinnen gucken”, habe der Gastronom den Männern gesagt. Der iranische Volleyball-Verband wiederum zeigte die Frauen auf dem Café-Dach in einer Mitteilung auf Twitter und schrieb: „Familien sind an Kish Open voll beteiligt.”

          Am Nachmittag dann teilte die FIVB mit, die Zurückweisung am Morgen sei lediglich ein „kleines Missverständnis mit den Sicherheitskräften gewesen”, man sei nach „unermüdlicher Arbeit” froh mitteilen zu können, dass wie versprochen jedem Mann und jeder Frau Zutritt gewährt werde. Ein hohles Versprechen: Auch bei den Nachmittagsspielen war das Publikum „male only”, später hieß es vom Weltverband, es sei den ganzen Tag zu „Missverständnissen” gekommen. 

          Die Diskriminierung ist eine Blamage für den Weltverband, der sich auf die Zusage der Organisatoren verlassen hatte. Etwas Ähnliches hatte sich bereits vergangenen Sommer anlässlich der Weltliga-Spiele in Teheran ereignet. Damals hatte der Präsident des iranischen Volleyball-Verbandes versprochen, er würde einen Weg finden, Frauen bei den Spielen zuschauen zu lassen. Die FIVB hatte sich bereits damals darauf verlassen, Frauen mussten in Teheran aber draußen bleiben. Tatsächlich hat sich an der Rechtslage nichts geändert: Seit 2012 ist Frauen das Zuschauen bei Volleyballspielen von Männer-Teams verboten, wie bei einer Reihe anderer Sportarten. Das Verbot, bei Fußballspielen auf der Tribüne zu sitzen, gilt seit der Islamischen Revolution 1979. 

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          Menschenrechtsorganisationen hatten im Vorfeld der Kish Island Open gewarnt, dass es zu eben solchen Vorfällen kommen würde, wenn sich die Rechtslage nicht ändere. Minky Worden, Direktorin von Human Rights Watch, hatte gesagt: „Es darf nicht sein, dass Frauen sich der Gefahr aussetzen, einmal ausprobieren zu müssen, ob sie von den Sicherheitsleuten eingelassen werden.” Sie zeigte sich vom Verhalten des Personal des Weltverbandes vor Ort enttäuscht. „Zudem”, so Minky Worden, „werden die Weltliga-Spiele in Teheran im kommenden Sommer der Lackmustest sein, ob die FIVB begriffen hat, was zu tun ist.”

          Am Mittwoch veröffentlichte Human Rights Watch eine Stellungnahme, in der von einem „enttäuschenden Rückschritt” die Rede ist. „Der iranische Verband veröffentlicht Bilder von halbleeren Tribünen, auf denen nur Männer sitzen.“ Die „traurige Posse” sei ein „blaues Auge” für den Volleyballsport und zeige, wie unzulänglich der Umgang des Weltverbandes mit der iranischen Politik sei. 

          Das Verbot für Frauen, bei den populärsten Sportveranstaltungen der Männer zusehen zu dürfen, wird von maßgeblichen konservativen Kreisen in Iran vehement verteidigt. Viele Iraner haben für diese Politik allerdings kaum Verständnis, auch unter Sportlern wächst der Unmut. So hatte jüngst Fußball-Nationalspieler Masud Schodschaei gegenüber Moya Dodd, Mitglied in der Exekutive des Internationalen Fußballverbandes gesagt, sein Wunsch für 2016 sei, dass seine Mutter, Schwester, Ehefrau und Tochter ihm bei Spielen in Iran zuschauen können. „Ich wünsche mir, dass alle Iranerinnen, die Fußball lieben ins Stadion kommen dürfen, dass wir ihre Anwesenheit spüren können, wenn wir spielen.” 

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