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Ärger im Frauen-Eishockey : Aufbruch auf dünnem Eis

  • -Aktualisiert am

Die Amerikanerin Hilary Knight fordert Aufmerksamkeit und angemessene Bezahlung. Bild: Picture-Alliance

Die einzige Profiliga im Frauen-Eishockey expandiert nach Kanada. Doch es fehlen Geld, Sponsoren, Fans, große Hallen. Und vor allem fehlen die besten Spielerinnen. Sie boykottieren.

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          Wenn es um Eishockey geht, sind die Menschen im kanadischen Toronto immer besonders aufgeregt. Da schaltet sich auch mal der Bürgermeister ein. Unlängst nutzte John Tory die Neuigkeiten aus der National Women’s Hockey League (NWHL), um in trüben Corona-Zeiten ein wenig Aufbruchstimmung zu verbreiten: „Unsere Stadt hat eine reiche Historie mit professionellem Frauen-Eishockey, und wir freuen uns, das nächste Kapitel mit der NWHL zu beginnen“, sagte Tory, nachdem die NWHL zuvor Historisches verkündet hatte: Zum ersten Mal wird die weltweit einzige Profiliga für Frauen-Eishockey ein Team von außerhalb der Vereinigten Staaten aufnehmen. Ein „entscheidender und stolzer Moment“ sei das, sagte NWHL-Chefin Dani Rylan. Deren Liga verkündete kürzlich, gerade ihre wirtschaftlich beste Saison erlebt zu haben. Die Erweiterung nach Kanada soll der nächste Schritt in eine goldene Zukunft werden.

          Die ist allerdings noch weit entfernt. Es fehlen Geld, Sponsoren, Medienaufmerksamkeit, Fans, große Hallen. Und vor allem: Es fehlen die besten Spielerinnen. Die boykottieren die NWHL und halten lieber Trainingslager und Showspiele ab. Das werden sie weiter tun. Toronto hin oder her. Lediglich eine Handvoll beendete nun den Boykott und unterschrieb bei einem der sechs Teams der Liga. Der Großteil der Weltmeisterinnen und Olympiasiegerinnen aus den Vereinigten Staaten und Kanada bleibt der NWHL auch weiter fern.

          Seit knapp einem Jahr streiten die Liga und die Stars der Szene. Bis dahin hatte es zwei große Ligen gegeben, in Kanada die 2007 gegründete CWHL, südlich der Grenze die NWHL, die 2015 an den Start ging. Die amerikanische Liga war die erste Frauen-Eishockeyliga, die Grundgehälter zahlt. Zwischen 10.000 und 26.000 Dollar sollten die Spielerinnen pro Saison verdienen. Doch schon im zweiten Jahr wurden die Gehälter halbiert. Schnell war klar, dass zwei Ligen nebeneinander nicht funktionieren. Sie müssten sich vereinen, hieß es. Zu einer Superliga nach Vorbild der milliardenschweren Männer-Eishockeyliga NHL, nur halt für Frauen. Im März 2019 schien der Weg frei zu sein, da gab die kanadische CWHL, die mittlerweile ebenfalls Grundgehälter zahlte, auf. Prompt kündigte die NWHL an, Teams und Spielerinnen aus Kanada aufnehmen zu wollen.

          Als die NWHL noch All-Star-Games absolvierte: Selfie in der Pause.

          Doch die Spielerinnen hatten genug von immer neuen Ligen, die ihnen viel versprachen, obwohl sie dann doch nebenher normalen Jobs nachgehen mussten. „Wir können unter den derzeitigen Zuständen im Profibereich kein vernünftiges Leben führen. (…) Wir werden nächste Saison in keiner nordamerikanischen Liga spielen“, sagte im Mai vergangenen Jahres die amerikanische Eishockey-Nationalspielerin Hilary Knight. Ihr schlossen sich knapp 175 Spielerinnen an und gründeten die Gewerkschaft, die Professional Women’s Hockey Players Association (PWHPA). Die organisiert seitdem Trainingslager, veranstaltet Showspiele in ausverkauften Hallen oder spielt beim Allstar Game der NHL vor. Wenn die besten Spielerinnen lieber auf den gewerkschaftlichen Veranstaltungen statt in der Liga spielen, hat die NWHL das Nachsehen. Folglich sei die nichts weiter als eine „glorified beer league“, lästerte Hilary Knight, eine „verherrlichte Hobby-Liga“.

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