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Frankfurt Skyliners : Vom Vorreiter zum Sorgenkind

Sie sind nicht selten zu spät dran: Vom Status der Überflieger sind die Skyliners inzwischen weit entfernt
          3 Min.

          Nicht auszudenken, wenn Murat Didin noch leidenschaftlicher Basketballtrainer der Frankfurt Skyliners wäre. Dann hätte der temperamentvolle Türke, der im April 2010 auch aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Klubboss Gunnar Wöbke entlassen wurde, in schwieriger Zeit wohl für zusätzliche Unruhe in Frankfurt gesorgt - weil der geringe Etat des Bundesligavereins für ihn ein Grund zur lauten Klage gewesen wäre und er den drohenden Abstieg in die Pro-A-Division der zweiten Liga in dunklen Farben an die Wand gemalt hätte.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Im Vergleich zum selbstbewussten Didin ist Muli Katzurin ein verschwiegener und emotionsloser Headcoach. Seinen Arbeitsbedingungen, die sich im zweiten Jahr bei den Skyliners noch einmal verschlechtert haben, passt sich der 57 Jahre alte Israeli, ohne zu murren an. „Aber zaubern kann auch Katzurin, nicht“, sagt Thomas Braumann, der Präsident der Basketball-Bundesliga (BBL). „Frankfurt steht am Scheideweg.“ Jener Standort mit eigentlich hohen Ansprüchen, der aber auf der Basketball-Landkarte momentan eine kleine Größe ist.

          Vor einigen Jahren waren die Skyliners, die nach vier Spieltagen mit lediglich einem Sieg Drittletzter sind und an diesem Sonntag in Bremerhaven auflaufen (17 Uhr), noch Vorreiter in ihrer Branche. „Jugendarbeit, Trainingszentrum und die Zahl hauptamtlicher Mitarbeiter“: Mit Bewunderung zählt der Manager des deutschen Meisters Bamberg, Wolfgang Heyder, die früh von den Frankfurtern gesetzten Maßstäbe auf. Sportlich marschierten sie ebenfalls vorneweg: 2000 holten die Hessen den Pokal, und vier Jahre später feierten sie die deutsche Meisterschaft.

          „Fraport zahlt erheblich weniger als Deutsche Bank und Opel“

          Bis auf wenige Ausnahmen erreichten sie immer die Play-off-Runde der besten acht Mannschaften. Wie sie regelmäßig an internationalen Wettbewerben teilnahmen. Vergangenheit. Heute hinkt der Meisterschaftsneunte hinterher, denn vor allem mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Liga kann ausgerechnet der Klub aus der Bankenstadt nicht mehr Schritt halten. Auf 4,1 Millionen Euro ist der durchschnittliche Etat der 18 Vereine gestiegen, er hat sich damit in den zurückliegenden fünf Jahren verdoppelt. Das Budget der Skyliners hingegen wird auf „nur“ zweieinhalb bis drei Millionen Euro geschätzt.

          „Der Wechsel vom Hauptsponsor spielt sicher eine Rolle“, sagt Heyder. „Fraport zahlt erheblich weniger als zuvor die Deutsche Bank und Opel.“ Als größte Wachstumsbremse im florierenden Markt erachten die Frankfurter jedoch ihre in die Jahre gekommene Ballsporthalle, die keine Logen hat und nur Platz für 5000 Zuschauer bietet. Zu Beginn der Klubgründung im Jahr 1999 war sie immerhin die zweitmodernste Einrichtung hinter der Max-Schmeling-Halle in Berlin. Jetzt ist Frankfurt mit seinem Standard ins untere Drittel zurückgefallen. Wöbke sagt: „Mit den derzeitigen Voraussetzungen kann das sportliche Ziel, Top-Team in der Bundesliga zu sein, heute und in Zukunft nicht mehr erreicht werden. Unsere Einnahmepotentiale im Sponsoring und Ticketing sind mehr oder weniger ausgeschöpft.“

          Finanziell sind die Skyliners nie ein Risiko eingegangen

          Würzburg ist wohl die nächste Stadt, die sich auf dem Weg in eine bessere Zukunft eine neue, moderne Arena leistet. „In ein oder zwei Jahren könnte man dann Frankfurt nicht mehr mit Würzburg vergleichen“, sagt Braumann. Aber auch in der Mainmetropole gibt es Pläne für eine Multifunktionsarena. Die Frage ist nur, ob und wann sie kommt. Die für den Bau benötigten Grundstücke aus Offenbach sind der Stadt Frankfurt bereits vor einigen Monaten abgetreten worden, hier handelt es sich um ein „interkommunales“ Projekt. Eins, hinter dem beide Oberbürgermeister stehen sollen. Doch die Ausschreibung lässt weiter auf sich warten, angeblich kommt sie in einigen Wochen. „Es gibt einen Entwurf, der schon in der Abstimmung ist“, sagt Markus Frank, der Frankfurter Wirtschafts- und Sportdezernent. „Der größte Gefallen, den wir den Skyliners tun können, ist, dass wir die Ausschreibung tatsächlich an den Start bringen.“ Und weiter: „Das war nicht einfach.“

          An fehlenden Investoren und Betreibern der neuen Arena, deren Baukosten etwa 100 Millionen Euro betragen könnten, soll das Vorhaben aber nicht scheitern. Sogar in größerer Zahl, heißt es, seien Interessenten vorhanden. „Auf der Arena-Landkarte ist Frankfurt ein weißer Fleck“, sagt Frank. „Die Rhein-Main-Region hat zahlungskräftige Einwohner, insofern ist es der richtige Ort, um zu investieren.“ Ohne weitere Verzögerungen könnte die Halle 2015 stehen. Anderenfalls würde Basketball in Frankfurt womöglich nur noch auf Amateurbasis gespielt werden. Es sei denn, es fände sich ein Mäzen, oder der Klub käme in den Genuss nennenswerter öffentlicher Fördergelder, was unwahrscheinlich ist.

          Heute versuchen die Skyliners auf wirtschaftlicher Sparflamme bis zum Neubau der Arena, sagt Wöbke, „sportlich zu überleben“. Mit einer jungen Mannschaft und einigen deutschen Talenten, die von wenigen bundesligaerfahrenen Amerikanern angeleitet werden. „Frankfurt hat seine Grenzen“, sagt Heyder im Hinblick auf die dortige Halle. Finanziell sind die Skyliners noch nie ein Risiko eingegangen. Was die Lizenzierung angeht, gelten sie deswegen ligaweit als Vorbild. Für sie ist das aber nur ein schwacher Trost. Die Marktführer wie Bamberg, Berlin und München sind für Frankfurt unerreichbar geworden. Der Wettbewerbsnachteil hat die Skyliners tief fallen lassen. Der Aufschwung käme wohl nur mit einer neuen Spielstätte.

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