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Frankfurt Skyliners : Mit letzter Kraft

So langsam geht das Licht aus: die Skyliners haben sportliche und strukturelle Probleme Bild: Wonge Bergmann

Für die auf Rang 17 abgestürzten Frankfurt Skyliners verdüstern sich die Perspektiven. Denn die Reserven des Meisters von 2004 gehen langsam zur Neige: sportlich, wirtschaftlich und strukturell.

          Sie sind eine der am häufigsten gelobten Mannschaften der Basketball-Bundesliga. Immer wieder gibt es Komplimente für die Fraport Skyliners, so wie unlängst vom Würzburger Trainer Marcel Schröder: Zur Vorstellung auf dem Parkett „möchte ich den Frankfurtern einen Glückwunsch aussprechen“, hatte der Headcoach der Franken gesagt - und dies nach einem Auftritt der Hessen, die wieder einmal knapp verloren hatten. Genau wie am Sonntag, als sie nach einer wilden, atemlosen Jagd auf Körbe und Punkte Phoenix Hagen beim 102:107 enteilen ließen. Anschließend wurde quasi das gleiche Fazit gezogen wie in vielen Spielen zuvor: hart gekämpft, vieles richtig gemacht - aber trotzdem verloren. Inzwischen hat dies die Skyliners in der Tabelle weit nach hinten geworfen. Von den auf dem letzten Platz liegenden Gießen 46ers trennen das Team von Trainer Muli Katzurin nur zwei Punkte. Die Abstiegsgefahr beim Tabellenvorletzten ist akut, der erstklassige Überlebenskampf hat längst begonnen.

          Eigentlich ist der Frankfurter Sturz auf den vorletzten Rang erstaunlich. Denn die Skyliners sorgten in dieser Saison ja auch schon ein paar Mal für positive Überraschungen. Die größte gelang ihnen Ende November beim 78:63-Heimsieg über die als Tabellenführer angereisten Ulmer. Deren Trainer Thorsten Leibenath attestierte dem Gegner hinterher eine „herausragende Leistung“. Und Katzurin befand: „Ich bin stolz auf meine Spieler.“

          Trainer Muli Katzurin bleibt positiv: „Ich bin stolz auf meine Spieler“

          Die Wogen der Begeisterung haben sich inzwischen wieder gelegt. Dem Highlight gegen die Schwaben folgten drei Niederlagen gegen Würzburg, Oldenburg und zuletzt gegen Hagen. Allesamt waren sie knapp, und immer hatten die Frankfurter so gespielt, wie es der Würzburger Headcoach Schröder beschrieb: „Sie leisten hier sehr gute Arbeit, verteidigen und kämpfen die ganze Zeit. Das respektiere ich absolut.“ Dennoch stehen die Frankfurter vor einem hereinbrechenden Basketball-Winter, der sie eiskalt erwischen könnte. Denn die Reserven des Meisters von 2004 gehen langsam zur Neige: sportlich, wirtschaftlich und strukturell.

          Schon jetzt führen die Frankfurter ihren Überlebenskampf mit Kräften, deren Heimat eigentlich die Zweite Bundesliga Pro B ist. Im Aufgebot von Katzurin haben die Talente Konstantin Klein, Danilo Barthel und Johannes Voigtmann inzwischen Stammplätze und bekommen fast immer zweistellige Einsatzminuten. Auf der Bank sitzen derweil weitere Pro-B-Kräfte wie Benedikt Nicolay und Jan Novak, der Sohn des einstigen Sportdirektors Kamil Novak. Der ehemalige tschechische Nationalspieler verließ die Skyliners vor ein paar Wochen und ist jetzt Generalsekretär des Europäischen Basketball-Verbandes. Auf die Verpflichtung eines Nachfolgers wurde verzichtet. Um Geld zu sparen.

          Doppelspielrecht geht an die Substanz

          Aber Kamil Novaks Abschied schwächte die Frankfurter - vor allem beim Blick in die Zukunft. Denn die Kompetenz des smarten Funktionärs verhalf dem Verein schon häufig zu Mannschaften, die sich überraschend gut schlugen. Das tun die Skyliners in dieser Saison zwar manchmal - aber eben nicht oft genug. Der Trend sieht nicht gerade erfolgversprechend aus, weil hoffnungsvolle Nachwuchsleute wie Klein, Barthel oder Voigtmann auf zwei Hochzeiten tanzen müssen: in der Bundesliga und der zweiten Liga. Das geht den jungen Kerls allmählich an die Substanz, zumal sie wegen der Verletzungen von erfahrenen Spielern wie Marius Nolte und Ted Scott zusätzlich gefordert werden.

          Wohin mit dem Ball: Guard Jonathon Jones spielt keine große Saison

          Und schon auf kurze Sicht gibt es Unsicherheiten bei der Personalplanung: Im Januar laufen Verträge mit den Amerikanern Ted Scott, Jonathon Jones und Dion Dowell aus. Dowell wird wohl bleiben, denn der Flügelspieler ist einer der verlässlichsten Schützen in Katzurins Team und war gegen Hagen mit 24 Punkten bester Frankfurter. Dass der Trainer mit der Aufbauarbeit von Point Guard Jones häufig unzufrieden ist, kann man leicht am Mienenspiel des Israelis ablesen: Scott ist derweil verletzt und wird sich bis Januar mächtig ins Zeug legen müssen, um im Team zu bleiben.

          Es kommen also aufregende Zeiten auf die Skyliners zu. Über diesem nicht ganz stabilen Konstrukt schwebt zusätzlich noch eine Entscheidung, die die Stadt Frankfurt bald fällen wird. Skyliners-Geschäftsführer Gunnar Wöbke wartet mit steigender Nervosität auf die Ausschreibung einer neuen Mehrzweckhalle, die an der Stadtgrenze zu Offenbach gebaut werden soll. Das Entstehen einer solchen Arena hält Wöbke für eine existentielle Frage, was die Überlebenschancen seines Klubs betrifft. Denn die Vermarktungsmöglichkeiten in der aktuellen Bleibe erscheinen ihm unzureichend. Aus der Distanz betrachtet, haben die Skyliners aber derzeit ein viel größeres Problem: den drohenden Abstieg.

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