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Frankfurt-Marathon : Rekordlauf am Main

Als Erster auf dem roten Teppich: Gilbert Kirwa Bild: AP

Der Kenianer Gilbert Kirwa hat den 28. Frankfurt-Marathon gewonnen und den Streckenrekord über die 42,195 Kilometer auf 2:06:16 Stunden verbessert. Insgesamt 12.614 Athleten sorgten für einen Teilnehmerrekord. Deutsche Spitzenläufer waren indes nicht am Start.

          Die Startnummer sieben vergibt Christoph Kopp immer an seinen persönlichen Favoriten. Das hat schon Tradition beim Frankfurt Marathon. Und der Sportliche Leiter des City-Laufes am Main hat einen Riecher, was Prognosen angeht. Am Sonntag lag er jedenfalls goldrichtig. Denn „seine“ Nummer sieben, Gilbert Kirwa aus Kenia, gewann prompt den Frankfurt Marathon. Mit seiner Siegerzeit-Prognose (2:06:07 Stunden) lag Kopp zwar knapp daneben, aber da war allein der Wunsch der Vater des Gedankens, weil man damit die Zeit von Haile Gebrselassie im September in Berlin um eine Sekunde unterboten hätte.

          Und die Hauptstadt ist nun einmal die unangefochtene Marathon-Kapitale in Deutschland. Aber auch so sind die 2:06:14 Stunden, die der 23 Jahre alte Kenianer Kirwa in Frankfurt für die 42,195 Kilometer brauchte, bemerkenswert. Genauso wie die 2:06:23 seines Landsmannes, des Vorjahressiegers Robert Kiprono Cheruiyot. Sogar der Dritte, William Kiplagat, ebenfalls Kenianer, bleibt in 2:07:05 Stunden unter dem Streckenrekord aus dem Vorjahr, den Cheruiyot (2:07:21 Stunden) bei seinem Marathon-Debüt aufgestellt hatte. „Wir sind irrsinnig stolz darauf, dass wir Gebrselassie so nahe gekommen sind“, sagte der Frankfurter Renndirektor Joachim Schindler. Es ist, was die Siegerzeit angeht, der zweitschnellste Marathon 2009 in Deutschland und der siebtschnellste des Jahres weltweit. Und Kirwa, der erst im April mit einem Sieg in Wien sein Marathondebüt in 2:08:21 Stunden gegeben hatte, rangiert mit der Verbesserung um fast zwei Minuten jetzt auf Rang neun der Weltrangliste.

          „Zwei Siege in meinen ersten beiden Marathonrennen, ich bin sehr glücklich“, sagte Kirwa, der nun nicht nur für kenianische Verhältnisse ein reicher Mann ist. 95.000 Euro hat ihm der gut zweistündige Auftritt am Main eingetragen, die höchste Siegprämie, die in Deutschland in diesem Jahr bei einem Marathon ausgezahlt wurde. Zum Glück haben sich die Veranstalter wohlweislich gegen Rekorde versichert.

          Als Erster auf dem roten Teppich: Gilbert Kirwa Bilderstrecke

          14 Weltklasseläufer am Start

          Wer 14 Läufer verpflichtet, die eine Bestzeit von unter 2:09 Stunden haben, was nicht einmal die World Marathon Majors, quasi die Golden League des Marathons, vorweisen können, muss mit hohen Prämien rechnen. Und wenn dann noch optimale Bedingungen mit Temperaturen um 15 Grad dazu kommen, und der berüchtigte Frankfurter Wind ausbleibt, dann kommen eben Spitzenergebnisse heraus. Auch wenn das Frauenfeld hinter den Ansprüchen herlief. Die Kenianerin Agnes Kiprop gewann in 2:26:57 Stunden vor ihrer Landsfrau Hellen Jemaiyo Kimutai (2:27:50) und der Polin Karolina Jarzynska (2:29:10).

          Dennoch - der Frankfurt Marathon 2009 ist der vorläufige Höhepunkt in einer Entwicklung, die in den vergangenen Jahren stetig nach oben gezeigt hat. 2002 hat Schindler einen Marathon übernommen, der auf Rang fünf in Deutschland abgerutscht war. Er und Kopp, der ein Jahr später zum Team stieß, haben es mit Ausdauer, Kreativität und einer eigenen Philosophie geschafft, in fast allen Kategorien hinter Berlin zur Nummer zwei aufzusteigen. Nur in punkto Teilnehmerzahl ist Hamburg noch ein Stück voraus. Daran ändert auch der Frankfurter Rekord von 12 614 Marathonläufern nichts. „Da müssen wir noch einiges tun“, sagt Schindler, der die Frankfurter Kapazitätsgrenze auf 15 000 Läufer beziffert. Mehr lassen die Engpässe auf der Strecke nicht zu.

          Kein Lauf für Deutsche

          Wegen einiger schmaler Straßen taugt Frankfurt anders als Berlin auch nicht für Weltrekorde. Aber das 400.000-Euro-Budget, das Kopp für die Spitzenathleten zur Verfügung hat, reicht ohnehin nicht für Marathonstars wie Gebrselassie oder Irina Mikitenko, die ganz in der Nähe zu Hause ist. Also setzt man in Frankfurt auf die Eins-B-Prominenz aus Afrika. Das mag zwar etwas gesichtslos sein, bringt aber schnelle Zeiten.

          Frankfurt gehört schließlich nicht von ungefähr in diesem Jahr zum ersten mal zum erlauchten Kreis der Marathons, die der Internationale Leichtathletikverband mit dem „Gold Road Race“-Label ausgezeichnet hat. Das sind immerhin nur elf Veranstaltungen. „Ich denke, dass wir diese Auszeichnung gerechtfertigt haben“, sagt Schindler, der diesen Standard zumindest wahren möchte. „Die Luft nach oben wird dünner“, sagt er.

          Gerne würde man am Main die nationale Karte stärker spielen, aber das ohnehin kleine Häuflein deutscher Läufer bedurfte nach dem Start beim WM-Marathon noch der Schonung. Bezeichnenderweise war mit Steffen Justus ein Triathlet in 2:18:44 Stunden bester Deutscher. Bei den Frauen konnte Luminita Zaituc in ihrem letzten Rennen noch einmal die ganze Aufmerksamkeit beanspruchen. Für die 41 Jahre alte Braunschweigerin war Platz zehn in 2:35:06 Stunden immerhin „ein wunderschöner Abschluss meiner Karriere.“

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