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Frankfurt Lions : Mit Herzblut auf der Flucht nach vorn

Die Frankfurter Layne Ulmer (l.) und Chris Taylor bejubeln ein Tor gegen Iserlohn Bild: dpa

Das Selbstvertrauen der Frankfurt Lions ist nach einer Talsohle plötzlich wieder da. Doch beim sechsten Play-off-Spiel zählt bei den Iserlohn Roosters nur ein Sieg - allerdings haben die Eishockey-Löwen in dieser Saison im Sauerland nur verloren.

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          0:2, 5:6, 2:3, 1:5 – vier Spiele, vier Niederlagen. Es ist eine Serie des Grauens für die Frankfurt Lions, die in dieser Saison bislang stets leer ausgegangen sind bei ihren Dienstreisen nach Iserlohn; auch wenn das zweite Aufeinandertreffen am Seilersee erst im Penaltyschießen und das dritte nach Verlängerung entschieden wurde. Eine fünfte Niederlage bei den Roosters können sich die Löwen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nicht leisten, an diesem Freitag müssen sie unbedingt gewinnen, wollen sie sich noch die letzte Chance erhalten, ins Play-off-Halbfinale einzuziehen, wo die Kölner Haie in ihrer schicken Arena als Gegner warten.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Davor steht aber die schmucklose Iserlohner Eissporthalle als Hürde, die für die Lions wie eine uneinnehmbare Festung erscheint. Die Atmosphäre ist aufgeheizt, und es ist laut, verdammt laut. Trotz der schwierigen Zustände fühlen sich die Frankfurter gewappnet, ein siebtes und allerletztes Play-off-Spiel am Sonntag in der eigenen Eissporthalle erzwingen zu können. „Es kann so laut sein, wie es will“, sagte Lions-Verteidiger Sebastian Osterloh vor der Abreise ins Sauerland, „wir spielen einfach unseren Stiefel und sehen uns am Sonntag in Frankfurt wieder.“

          „Kämpfen, hart kämpfen“

          Das Selbstvertrauen ist wieder ein bisschen gewachsen bei den Lions, seit sie durch den 4:2-Heimsieg am Mittwoch den ersten Matchball der Roosters abgewehrt haben. Zwar führen die Sauerländer in der Viertelfinalserie immer noch mit 3:2 Siegen. Aber immerhin haben die meisten Frankfurter Eishockeyprofis anscheinend verstanden, worauf es in den Play-offs ankommt. „Kämpfen, hart kämpfen, mit Herzblut kämpfen“, so lautet Lasse Kopitz’ Aufruf zum Dreikampf auf Eis. „Wir haben uns von den Iserlohnern nicht provozieren lassen“, sagte Osterloh, „so muss eine Play-off-Mannschaft aussehen.“ Die alten Tugenden, die das Team von Rich Chernomaz in den ersten zwei Dritteln der Hauptrunde noch ausgezeichnet und die es zwischenzeitlich zum Tabellenführer gemacht hatten, waren beim fünften Play-off-Duell mit Iserlohn vorübergehend zurückgekehrt zu den Lions.

          Dass die Mannschaft am Mittwoch zunächst kaum wiederzuerkennen war, lag nicht nur an den roten Trikots, die das Team in dieser Play-off-Runde erstmals trug, sondern vor allem am engagierten Auftreten im ersten Drittel. Die Lions spielten diesmal von Beginn an diszipliniert in der Defensive, leisteten sich im gesamten ersten Drittel nur eine Zweiminutenstrafe, und sie zeigten in der Offensive gleich den rechten Zug zum Tor. Mit dem Mut der Verzweiflung seien die Frankfurter ins Spiel gestartet, sagte Roosters-Trainer Rick Adduono, „sie sind aufgetreten wie ein Team, das mit dem Rücken zur Wand steht“. Die gleiche Situation erwartet die Löwen auch an diesem Freitag, wäre eine weitere Niederlage wieder gleichbedeutend mit dem Saisonende: Was hilft, ist die Flucht nach vorn.

          „Play-off-Monster“

          Obwohl das hessische DEL-Team nach einem überzeugenden ersten Drittel spielerisch nachließ, zeigte es sich am Mittwoch doch mental enorm stark. Von ihren reihenweise vergebenen Torchancen ließen sich die Lions nicht lange irritieren: Als den Iserlohnern zweimal der Ausgleich gelang, schlugen sie jeweils kurz darauf zurück. Dass die Löwen oft nur reagieren, wenn sie gereizt werden – das ist für Chernomaz aber keine hinreichende Voraussetzung, um in Iserlohn zu bestehen. Sein Team hätte nur dann eine Siegchance, so der Kanadier, „wenn wir das, was wir im ersten Drittel gezeigt haben, über die ganze Spielzeit zeigen“.

          Zwar haben es erfahrene Profis wie Kapitän Jason Young, Jeff Heerema und Chris Taylor immer noch nicht geschafft, sich als ein „Play-off-Monster“ made in Frankfurt hervorzutun; doch bescheinigte Manager Dwayne Norris den meisten Eishockeyprofis „mehr Herz, mehr Biss und mehr Charakter“ als bei den vorangegangenen Begegnungen. Nur einen Frankfurter Spieler nahmen Trainer und Manager ausdrücklich aus: Jay Henderson, der nicht nur eine Einschusschance kläglich vergab, sondern auch mit Einsatzwillen geizte. Irgendwann hatte Chernomaz genug von der laxen Einstellung des Stürmers, fortan ließ er ihn auf der Bank schmoren und versuchte auf diese Weise, ihn zum Nachdenken zu provozieren. „Ich habe keine Zeit darauf zu warten, bis er sich reinhängt“, sagte Chernomaz. „Entweder hat er die Botschaft verstanden, oder er sitzt beim nächsten Spiel wieder auf der Bank.“ Verteidiger Peter Smrek, zuletzt auch in Ungnade gefallen, blieb dieses Schicksal erspart: Er hatte sich am Mittwochmorgen mit Schulterproblemen abgemeldet.

          Worte des Trainers als Appell

          Einer, auf den sich die Lions jederzeit verlassen können, ist Ian Gordon. Der Torhüter ist in bester Play-off-Form, vereitelte auch im fünften Duell mit den Roosters zahlreiche Chancen und wurde von den Eishockeyfans wieder einmal zum Mann des Abends gewählt. „Gordon ist immer da, wenn wir vor ihm hart spielen“, sagte Chernomaz. Des Trainers Worte dürfen die Spieler getrost als Appell ansehen, mit aller Kraft der Iserlohner Hausmacht zu trotzen. Zuletzt war dies am 5. November 2006 gelungen – damals gewannen die Lions am Seilersee 1:0. Dann begann die schwarze Serie.

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