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Frankfurt Lions : Ein Geniestreich reicht nicht

„Augsburg ist stark zu Hause”: Trainer Rich Chernomaz Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Frankfurt Lions haben zwar ihr erstes Spiel des Wochenendes verloren. Doch aus dem Konzept hat die Niederlage den Spitzenreiter nicht gebracht. Nun warten allerdings gleich zwei knifflige Aufgaben in Augsburg und Straubing auf das Team von Trainer Rich Chernomaz.

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          Wer sich auch nur ein wenig im Eishockey auskennt, weiß, dass ein Spiel bisweilen völlig unerwartete Wendungen in kurzer Zeit nehmen kann. Diejenigen unter den gut 6000 Besuchern, die am Freitagabend in der Frankfurter Eissporthalle den heimischen Lions bei ihrer Arbeit gegen den ERC Ingolstadt zusahen und mit der kurzen Halbwertszeit eines Spielstandes noch nicht vertraut waren, bekamen dies praxisnah vorgeführt.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Gleich zweimal schien der Sieger festzustehen, bevor die Partie doch wieder eine Kehrtwende nahm - und nach 62:33 Minuten schließlich den ERC als Gewinner nach Verlängerung auswies. Durch den Extrazähler beim 4:3-Erfolg reihten sich die Bayern ein in die kurze Liste der Mannschaften der Deutschen Eishockey Liga, die in dieser Saison eine höhere Punktzahl mitnehmen, als die Löwen am Ratsweg behalten konnten. Nur Iserlohn hatte ebenfalls 4:3 nach Verlängerung gewonnen.

          „Haben keine hundertprozentige Leistung gebracht“

          Sieben volle Tage hatten die Lions seit dem beeindruckenden 4:0-Sieg über Berlin nicht im Wettkampf auf dem Eis gestanden. Während Optimisten die Pause zum Auftanken neuer Kräfte willkommen hießen, befürchteten Skeptiker den fehlenden Rhythmus. Letztere sollten recht behalten. Ingolstadt, noch am Dienstag im Pokal aktiv und erfolgreich, präsentierte sich von der ersten Sekunde an konzentrierter, schneller und effektiver. Als Ausdruck der Überlegenheit dienten jeweils Tore zu Beginn der ersten beiden Drittel durch Brad Leeb (3. Minute) und Vince Bellissimo (24.). „Wir haben keine hundertprozentige Leistung gebracht“, bekannte Lions-Trainer Rich Chernomaz.

          Dass der Kanadier dennoch nicht allzu verärgert aussah, als er die Partie analysierte, verdankte er einer dieser schnellen Wendungen des Eishockeys. Plötzlich, als hätte jemand zur Hälfte der Spielzeit einen Wecker gestellt, erwachten die Löwen aus ihrer Lethargie. Nun gelangen die Kombinationen in der Offensive. Auch die Fans schöpften hörbar Hoffnung, dass der Klassenprimus sich dem Achten aus Ingolstadt doch nicht kampflos ergeben würde. Richie Regehr (34.) und Derek Hahn (47.) egalisierten. Was folgte, begeisterte Chernomaz gar: Jeff Ulmer traf zum 3:2. Und nicht nur das. Er tat dies in einer Weise, die jeden Fan mit der Zunge schnalzen ließ. Als „tolles Tor“ bezeichnete der Trainer völlig zu Recht die erfolgreiche Einzelaktion seines Landsmannes.

          Die positive Erkenntnis: Tabellenführung verteidigt

          Dass der Geniestreich seiner Nummer 44 dennoch nicht zum Sieg langte, war den beiden Tatsachen geschuldet, dass die Lions zum einen „zwei individuelle Fehler“ (Chernomaz) in der Defensive folgen ließen und zum anderen ERC-Stürmer Bellissimo einen besonders produktiven Tag erwischt hatte. Der Kanadier markierte mitten im Jubel über Ulmers Führung den Ausgleich und beendete in der Verlängerung schließlich mit seinem dritten Treffer, der seinem Nachnamen alle Ehre machte, die Hoffnungen der Frankfurter auf ein glückliches Ende eines unglücklichen Auftritts.

          Als missraten wollte Chernomaz die Vorstellung indes nicht bewerten und hob die Leistungssteigerung im Schlussdrittel hervor: „Es stimmt mich optimistisch, dass wir nach dem 0:2 zurückgekommen sind. So hat es immerhin noch zu einem Punkt gereicht.“ Im Unterzahlspiel, dem Manko, das noch zum 4:7-Debakel in Ingolstadt geführt hatte, zeigten sich die Löwen sattelfest. Kein einziges der vier Gegentore fiel, als der ERC einen Spieler mehr auf dem Eis hatte. Eine weitere positive Erkenntnis das Abends ist, dass die Tabellenführung verteidigt wurde und die Ausbeute von 30 Punkten nach 14 Spielen mehr als vorzeigbar ist. Im vergangenen Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt nur 21 Punkte.

          Trainer Chernomaz warnt vor Augsburgs neuer Stärke

          Zeit für eine ausführliche Aufarbeitung des Spiels gegen Ingolstadt bleibt den Frankfurtern kaum. Am Sonntagmittag ging es mit dem Bus nach Augsburg, wo um 18.30 Uhr die nächste Begegnung beginnt. Direkt nach dem Auftritt bei den Panthern reisen die Löwen ins gut 170 Kilometer entfernte Straubing, wo zweimal trainiert wird, bevor die Partie gegen die Tigers am Dienstag den Abschluss der „bayerischen Tage“ bildet.

          Fehlen bei der Tour in den Süden wird weiter Nationalverteidiger Sebastian Osterloh (Hüftverletzung). „Augsburg ist stark zu Hause“, warnt Trainer Chernomaz. „Sie haben in eigener Halle Mannheim 4:1 besiegt und im Vergleich zur vergangenen Saison vor allem an Schnelligkeit zugelegt. Das wird nicht einfach.“

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