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Frankfurt Galaxy im ELF-Finale : Gleich der große Favorit

Mann klarer Worte: Galaxy-Coach Thomas Kösling Bild: Picture-Alliance

Im ersten Finale der neu gegründeten European League of Football spielt Frankfurt Galaxy direkt um den Titel. Weil das Team von Trainer Thomas Kösling einen entscheidenden Vorteil besitzt.

          3 Min.

          Den entscheidenden Satz sagte Thomas Kösling eigentlich schon vor ein paar Wochen. Da hatte er gerade mit seiner Mannschaft, Frankfurt Galaxy, in der European League of Football (ELF) gegen die Hamburg Sea Devils gewonnen. Und zwar 35:9, der Gegner war quasi chancenlos. Kösling, der Frankfurter Footballtrainer, antwortete auf die Frage, worin er den Erfolg seines Teams denn begründet sehe, gegenüber der F.A.Z.: „Es ist ein Riesenvorteil für uns, dass unsere Defense schon länger zusammenspielt, schon bei der Universe zusammengespielt hat.“

          Jan Ehrhardt
          Sportredakteur.

          Es war eine bemerkenswerte Antwort. Weil sie bemerkenswert ehrlich war – und bemerkenswert zutreffend. Über die gesamte Saison hinweg war die Frankfurter Verteidigung das Rückgrat der Mannschaft, in nicht wenigen Spielen ausschlaggebend für den Sieg. In fast allen Statistiken ist sie die Nummer eins der Liga.

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          Auch im Endspiel um den Titel der ELF, das an diesem Sonntag in Düsseldorf stattfinden wird (14.45 Uhr/ProSieben Maxx) und für das sich die Galaxy mit zehn Saisonsiegen aus elf Partien und einem Erfolg im Play-off-Halbfinale qualifiziert hat, wird die von Kösling hochgelobte Defensive eine entscheidende Rolle spielen. Gegner werden dann abermals die einst chancenlosen Hamburg Sea Devils sein, Frankfurt ist der große Favorit.

          Doch der Reihe nach. Zunächst einmal war die Antwort des Galaxy-Trainers bemerkenswert ehrlich, weil sie gleichermaßen so etwas wie ein Eingeständnis war: Diese Verteidigung ist eingespielt, die Spieler sind miteinander vertraut, sie verstehen sich. Warum? Weil sie sich größtenteils schon aus der vergangenen Saison kennen. Da spielten sie noch unter dem Namen Frankfurt Universe in der German Football League (GFL).

          Aus Universe wurde Galaxy

          Dann aber wurde von TV-Entertainer und Football-Experte Patrick Esume gemeinsam mit Geldgeber Zeljko Karajica eine neue Liga mit internationalem Anstrich und professionalisiertem Anspruch gegründet, die ELF, woraufhin unter anderem Kösling beinahe sämtliche Akteure der „alten“ Universe von einem Engagement bei der „neuen“ Galaxy überzeugte. Das gefiel längst nicht jedem in der Footballstadt Frankfurt und darüber hinaus, weshalb diese Tatsache auch längst nicht von jedem bei der Galaxy bereitwillig in der Öffentlichkeit diskutiert wurde.

          Kösling immerhin hielt mit dieser Tatsache nicht immer hinter dem Berg, schließlich war dieses Vorgehen keineswegs verboten. Und mittlerweile gibt ihm der Erfolg recht. Viele Konkurrenten innerhalb der ELF stellten ihre Mannschaften für die Premierensaison völlig neu zusammen, ein entscheidender Nachteil in einer Sportart, die stark auf das reibungslose Ineinandergreifen vieler verschiedener Mannschaftsteile angewiesen ist. In Frankfurt lief das anders, und als Ergebnis steht nun eine überaus erfolgreiche erste Spielzeit, die mit dem ersten vergebenen ELF-Titel am Sonntag möglicherweise ihren krönenden Abschluss finden wird.

          Zupackend: Die Frankfurter Defensive, hier beim Spiel gegen Köln, macht keine halben Sachen.
          Zupackend: Die Frankfurter Defensive, hier beim Spiel gegen Köln, macht keine halben Sachen. : Bild: Picture-Alliance

          „Wenn man weiß, man hat eine starke Defense, gibt das dem ganzen Team Selbstvertrauen, gibt das dem ganzen Team Sicherheit“, sagte Kösling in dieser Woche nun, und auch damit sprach er einen wichtigen Punkt an. Nicht nur die Verteidigung der Galaxy glänzte in der zurückliegenden Saison, auch die Offensive zählte zu den besten der Liga. Sie konnte oft mit mehr Risiko und größerer Variabilität auftreten als viele ihrer Gegner, dem großen Rückhalt der Teamkollegen aus der Defensive sei Dank. Über die gesamte Saison hinweg ließ Frankfurt ligaweit am wenigsten Raumgewinn anderer Teams zu und, noch wichtiger: am wenigsten Punkte.

          Aus Frankfurt in die NFL?

          Doch nicht nur das: Gleich zwei Akteure der Galaxy spielten sich in der Premierensaison der ELF derart in den Vordergrund, dass sie von der National Football League (NFL), der besten Footballliga der Welt, zu einem internationalen Sichtungstraining eingeladen wurden. Dort werden Jan-Hendrick Hoffmeyer und Yannic Kiehl, zwei deutsche Offensive Linemen, also Beschützer des Quarterbacks, im Oktober vor NFL-Verantwortlichen versuchen, sich für einen Platz im sogenannten International Player Pathway Program zu empfehlen und dadurch die Chance auf einen Kaderplatz in einem NFL-Team zu erhalten..

          Warum der Frankfurter Trainer dennoch die Siegchancen im bevorstehenden europäischen Finale für beide Mannschaften „gleichermaßen hoch“ einschätzt? Weil Hamburg die einzige Mannschaft ist, die Frankfurt in dieser Saison überhaupt einmal besiegen konnte, denkbar knapp 17:15 am ersten Spieltag. Und weil „Endspiele ihre eigenen Gesetze haben“, so Kösling. Es war einer der ganz selten Momente, wo er sich eines Allgemeinplatzes bediente.

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