https://www.faz.net/-gtl-99zty

Viertelfinale im Basketball : Frankfurt ärgert die Bayern in den Play-Offs

  • -Aktualisiert am

Im ersten Aufeinandertreffen in den Play-Offs hatte München noch die Nase vorn. Bild: dpa

Schneller, aggressiver, cleverer: Im zweiten Spiel des Viertelfinales der Basketball-Playoffs besiegen die Skyliners den FC Bayern München. Schaffen es die Frankfurter den Favoriten aus dem Rennen zu werfen?

          3 Min.

          Damit hatten wohl nicht allzu viele Basketballfreunde gerechnet: Die Fraport Skyliners haben am Mittwochabend im zweiten Spiel des Play-off-Viertelfinale den FC Bayern München geschlagen. Vor 4.600 Zuschauern siegte das Team von Cheftrainer Gordon Herbert in der Frankfurter Ballsporthalle 75:69 und glich damit in der Serie „Best of five“ auf 1:1 aus. Am kommenden Samstag müssen die Frankfurter abermals beim Starensemble von Trainer Dejan Radonjic antreten, wo sie eine Woche zuvor einen 18-Punkte-Vorsprung verspielt und dann noch recht deutlich verloren hatten.

          Während in der schwülen Luft der Frankfurter Arena der Jubel der Skyliners-Fans noch nachhallte, wirkte Headcoach Gordon Herbert keineswegs begeistert – ja schon fast ein wenig bedrückt. An der kämpferisch engagierten Vorstellung seiner Mannschaft konnte dies nicht gelegen haben. „Mir haben heute der Kampf und die Intensität gefallen“, sagte der Kanadier, der meist die leisen Töne bevorzugt. „Aber wir müssen noch vieles besser machen.“ Eine Feststellung, die angesichts der deutlichen Steigerung seiner Mannschaft ein wenig verwunderlich war.

          Denn fast alles, was beim ersten Spiel in München weniger gut für die Hessen gelaufen war, machten die Skyliners vor den jubelnden Frankfurter Fans in Spiel zwei besser. Vor allem die Abwehr stellte dieses Mal das Spitzenteam aus der bayrischen Hauptstadt vor schwierige Aufgaben. Spielmacher Stefan Jovic an die Kette zu legen, war eine der Aufgaben, die der bissigen Skyliners-Defense recht gut glückte.

          Keck und mit Tempo

          Bei den Frankfurtern selbst kamen gleich sechs Spieler auf zweistellige Punktzahlen, beste Werfer der Hessen war wieder einmal Philip Scrubb (15 Punkte), Jordan Sibert überraschte mit 13 Punkten. Bei München punktete lediglich zwei Spieler zweistellig: Jared Cunningham (14) und Devin Booker (10).

          Die Skyliners, bei denen am Mittwochabend auch der von seinen Magen-Darm-Problemen genesene Isaac Bonga wieder im Team stand, spielen keck und bestimmten das Tempo – und dies, obwohl die Bayern sich ihnen zunächst mit einer viel aufmerksameren Abwehr entgegen stellten, als sie dies am vergangenen Sonntag im ersten Spiel des Viertelfinales getan hatten.

          Der 18 Jahre alte Bonga (10 Punkte) gab den Skyliners mehr Variabilität im Spielaufbau, um den sich in der ersten Partie der Neuseeländer Tai Webster alleine hatte bemühen müssen. Webster konnte  im zweiten Spiel freilich nur etwas mehr als 15  Minuten mitmachen, dann ging er mit schmerzverzerrtem Gesicht leicht humpelnd vom Feld.

          Überraschungsteam der Bundesliga

          Gut möglich, dass Herberts gedämpfte Stimmung etwas mit der Verletzung des Spielmacher zu tun hatte. Würde der Neuseeländer ausfallen, müsste der junge Bonga am Samstag die Hauptlast des Spielaufbaues tragen. Auf die Frage, mit welchen Problemen Webster zu kämpfen haben, antwortete Herbert nur düster: „Ich habe keine Ahnung.“

          Ein so große Vorsprung, wie ihn die Hessen beim Spiel in München hatten vorlegen können, glückte den Frankfurtern vor ihren eigenen Fans nicht. Dennoch prägten sie die Partie mehr als die mit Stars üppig ausgestattete Münchner Mannschaft. 17:15 führten die Skyliners nach dem ersten Viertel, in dem sie immer  vorne gelegen hatten.

          Danach wechselte die Führung immer wieder, aber kurz vor der Pause war die Mannschaft von Cheftrainer Herbert schneller, aggressiver und cleverer. Sieben Punkte machten die hessischen Offensivspieler  in den Minuten vor dem Pausensignal, ohne die Bayern einen Punkt hinzufügen konnten. So stand es statt 35:35 zur Pause 42:35 für die keck aufspielenden Frankfurter.Genau so flott spielten sie in der zweiten Hälfte weiter. Positiv bemerkbar machte sich die deutliche Leistungssteigerung von Sibert. Dem Amerikaner, dem nach seinem späten Wechsel nach Frankfurt bislang nur wenig geglückt war, bot gegen München sein bestes Spiel.

          Dreieinhalb Minuten vor Ende der Begegnung krönte Sibert seine Vorstellung noch mit einem „Steal“, als er Nihad Djedovic den Ball klaute und einen präzisen Pass auf den enteilenden Sean Huff spielte. Huff nahm Maß und ließ den Ball in einem schönen Bogen von jenseits der Dreierlinie in den Münchner Korb fliegen. 70:63 stand es da. Und München fand bis zum Ende keine Mittel mehr, die flinken Frankfurter noch einzufangen.

          So bleiben die Hessen weiter so etwas wie die Überraschungsmannschaft der Bundesliga. Jung, mutig und immer wieder in der Lage, spektakuläre Spiele zu bieten. Auch ein Sieg gegen die Bayern gehört nun dazu.

          Ob die Skyliners das Zeug haben, den Favoriten aus dem Play-off-Rennen zu werfen, ist eine Frage, deren Bejahung die Münchner am Samstag mit Macht verhindern wollen. Am Mittwoch in Frankfurt  blieb dem Münchner Headcoach Radonjic nur der Satz: „Heute waren die Skyliners besser als wir.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der amerikanische Präsident Joe Biden (Archivbild)

          Corona-Vakzine : Bidens Kehrtwende bei den Impf-Patenten

          Amerikas Präsident Joe Biden ist nun doch dafür, den Patentschutz bei Corona-Impfstoffen zu lockern. Ärmere Länder, in denen das Geld knapp ist, könnten so billigere Alternativen produzieren.
          Die frisch renovierte Carlebach-Synagoge im Lübecker Stadtteil St. Annen.

          Antisemitismus : Die beschwiegene Quelle des Judenhasses

          Die Polizeistatistik zum Antisemitismus ist verzerrt und steht in auffallendem Kontrast zu wissenschaftlichen Studien. Doch Innenminister Seehofer gibt das schiefe Bild einfach weiter.

          Schottlands Schicksalswahl : Niemand möchte eine Grenze

          Die Wahl in Schottland könnte das Vereinigte Königreich zerreißen und über das Schicksal von Boris Johnson entscheiden. Ausgerechnet die Brexiteers lobpreisen die Vorzüge einer Union – und Brexit-Gegner einen Austritt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.