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Franka Dietzsch im Interview : „Gefängnisstrafe für Doper, das wäre das I-Tüpfelchen“

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Dietzsch: „Man muß schon ein bißchen Obacht geben” Bild: dpa

Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch spricht im Interview mit der F.A.Z. über Alter, Angst und Alarmglocken. Für die Leichtathletik-EM ist sie optimistisch. Doch sie setzt sich nicht unter Druck: „Ich habe alles geschafft. Alles, was jetzt kommt, wird noch schöner.“

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          Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch spricht im Interview mit der F.A.Z. über Alter, Angst und Alarmglocken. Für die Leichtathletik-EM in Göteborg ist sie optimistisch. Doch sie setzt sich nicht unter Druck: „Ich habe alles geschafft. Alles, was jetzt kommt, wird noch schöner.“

          Schön, Sie in Göteborg zu sehen. Aber haben Sie nicht schon alles erreicht?

          Ich habe alles geschafft. Alles, was jetzt kommt, wird noch schöner. Ich bin sehr zuversichtlich. Machen wir uns nichts vor: Im letzten Jahr hat kein Mensch mit mir gerechnet, und ich bin Weltmeisterin geworden. In diesem Jahr erwarten alle von mir, daß ich gewinne. Wenn ich das wirklich schaffe, habe ich allen gezeigt, daß ich's kann. Das wäre um so schöner.

          Dann geht es mit der Weltmeisterschaft weiter.

          Für Osaka 2007 muß ich gar nichts machen; da habe ich eine Wild card. Und China wollte ich mir schon immer mal angucken. Mit Vierzig werden Sie doch aber nicht aufhören wollen. Im Jahr nach den Olympischen Spielen 2008 in Peking ist schließlich Weltmeisterschaft in Berlin. Da werde ich dann ja auch wieder eine Wild card haben! Ich plane von Jahr zu Jahr und brauche eigentlich gar nichts zu machen. Mal sehen.

          Ist Leistungssport nicht anstrengend?

          Für die anderen vielleicht. Für mich nicht. Seit Málaga bin ich von der Sparkasse freigestellt. Das ist eine Riesenerleichterung. Wir waren in diesem Jahr zweimal für zehn Tage in Portugal, das hat sehr gutgetan. Aber auch mit Arbeit kriege ich das alles ganz gut unter einen Hut. Das Schwierigste war die Hitzewelle der letzten Wochen. Man schläft nicht richtig und regeneriert schlecht.

          Wofür tun Sie das: für die Prämien, für den Moment, in dem der Diskus fliegt, oder für den Jubel des Publikums?

          Mit dem Sport verdiene ich hauptsächlich mein Geld, da müssen wir uns nichts vormachen. Obwohl der europäische Verband hier keinen Cent Prämien zahlt. Aber es macht auch Spaß, wenn man Höchstleistung im Sport mit nicht mehr ganz zwanzig Jahren bringt.

          Wie lange geht das noch? Sie haben Probleme mit den Achillessehnen.

          Nichts Gravierendes. Deshalb hatte ich diese Akupunktur-Stifte in den Ohren. Von großen Verletzungen bin ich verschont geblieben; das hängt sicher damit zusammen, daß ich sehr schonend trainiere. Viel Schnickschnack habe ich weggelassen. Ich beschränke mich auf das Wesentliche. Wenn mein Körper sagt, das hier tut weh, dann höre ich sofort auf und lasse ihm einen Tag Ruhe. Dann geht es wieder. Und ich nehme mir in jedem Jahr nach dem Saisonhöhepunkt acht bis zehn Wochen, in denen ich überhaupt nichts mache. Ich ziehe die Turnschuhe aus, stecke sie in die Waschmaschine und ziehe sie erst im Dezember oder Januar wieder an. Das bekommt mir richtig gut.

          Sie sind im fünfundzwanzigsten Jahr Leistungssportlerin. Da haben Sie die eine oder andere kommen und gehen sehen, zuletzt Frau Sadowa, mit der Sie sich ein paar Jahre gemessen haben. Nun ist sie wegen Dopings gesperrt, doch die große Dopingdiskussion haben Floyd Landis und Justin Gatlin ausgelöst. Hat Sie das überrascht?

          Das liegt sicher daran, daß auch unser Jan Ullrich betroffen ist. Fragen nach seinem Erfolg hat ja schon Lance Armstrong aufgeworfen. Mir macht es gar keinen Spaß mehr, die Tour de France zu verfolgen. Im Sportstudio hat dieser Spanier, Jesús Manzano, beschrieben, wie es mit dem Doping im Radsport aussieht. Natalja Sadowa war ja auch nicht die einzige, sie ist nur eine, die aufgefallen ist, weil in Holland sehr streng kontrolliert wird. Dort sind immer die aufgefallen, von denen wir es schon immer vermutet hatten.

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