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Ringer-Weltmeister Stäbler : „Ich bin zum Mentalmonster geworden“

Cooler Ringer: Frank Stäbler mit einem Sonnenbrillengeschenk seines Bundestrainers Michael Carl. Bild: dpa

Frank Stäbler ist in Budapest zum dritten Mal in Serie Weltmeister geworden. Im Interview spricht er über inneren Reichtum, seinen Kampf um mehr Aufmerksamkeit fürs Ringen und den unersättlichen Traum von Olympia in Tokio.

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          Sie haben einst in der F.A.Z. einen Satz gesagt, den später Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Rede zum Spitzensport in Deutschland zitierte. „Ich habe das Ziel, dass ich innerer Millionär werde.“ Sie wollten damit erklären, weshalb Sie keine Neidgefühle an sich heranlassen, wenn Sie Ihr Einkommen mit dem von Fußballprofis vergleichen oder auch mit Konkurrenten aus den großen Ringernationen in Osteuropa oder Iran, die vom Staat gut alimentierte Volkshelden sind. Wie nahe sind Sie nach dem dritten Weltmeistertitel dieser inneren Million?

          Ich würde behaupten, dass ich mit dem Titel-Hattrick jetzt die Million voll habe. Ich habe meine innere Mitte, meine Zufriedenheit und Gelassenheit in diesem Jahr endgültig gefunden, was nicht nur am Sport liegt. Einen großen Teil trug dazu auch die Geburt meiner Tochter bei. Meine Familie hat mir eine unglaubliche Sicherheit und einen Glauben an mich selbst gegeben. Das macht einen innerlich unglaublich reich.

          Ist dann noch genug Hunger für das große Ziel des Olympiasiegs?

          Natürlich! Dieser innere Reichtum hemmt und stört mich ja nicht. Er stärkt mich. Der Traum von Olympia ist unersättlich und Ansporn. Weltmeister zu werden ist schon schwer. Weltmeister zu bleiben und Olympiasieger werden zu wollen umso mehr. Du musst dich jeden Tag antreiben, hundert Prozent und mehr zu geben. Das geht nur, wenn ich meinem Tun einen Sinn gebe, der nicht in Ruhm, Ansehen oder Geld besteht. Ich kämpfe dafür, dass Menschen durch mich erkennen, was es auslösen kann, wenn man bereit ist zu leiden, weiterzumachen, wenn es eigentlich nicht mehr geht. Das gibt mir Kraft.

          Im Aktuellen Sportstudio begegneten Sie am Samstag BVB-Chef Hans-Joachim Watzke und somit auch dem großen Fußballbusiness. Denken Sie dann nicht, dass der Sport das Geld ungerecht verteilt?

          Das bringt ja nichts. Ich lebe für diesen Moment wie jetzt in Budapest, wo ich durch meinen Sieg ein Superstar in der Welt des Ringens, des schönsten Sports der Welt, bin. Ich denke sicherlich, dass man aus diesem Sport mehr machen könnte und auch bessere Verdienstmöglichkeiten schaffen kann. Aber ein neidischer Blick auf den Fußball hilft da nicht. Das ist nun mal Volkssport Nummer eins. Sich damit zu vergleichen ist der beste Weg, um sich sein eigenes Glück kaputtzumachen. Stattdessen habe ich das Ziel, das Ringen wenigstens auf ein etwas höheres Level in der Wahrnehmung zu führen. Ich brauchte drei Weltmeistertitel, um ins Sportstudio zu kommen. Ich merke jetzt einfach, dass ein neues Level erreicht ist. Dazu werden auch meine Mannschaftskameraden in der Griechisch-Römisch-Nationalmannschaft beitragen. Wir sind eine goldene Generation des deutschen Ringens.

          Niedergerungen: Stäbler kontrolliert im Finale seinen Gegner Balint Korpasi.

          Vor zwei Jahren waren Sie bei Big Brother und hatten auch damals gesagt, dass Sie damit auch Aufmerksamkeit fürs Ringen generieren wollen. War das erfolgreich?

          Natürlich. Ich bin mir sicher, dass ich durch die Teilnahme das Publikum, das meine späteren Titelgewinne mitbekommen hat, um zwei bis drei Millionen gesteigert habe. So viele Menschen haben durch mich Ringen wahrgenommen. Das war im Nachhinein der beste strategische Zug, den ich machen konnte.

          Es gab aber auch Kritik, nicht zuletzt aus dem Deutschen Ringerbund.

          Diejenigen, die mir vorgeworfen haben, ich wäre ein Selbstdarsteller, haben nie verstanden und mich auch nicht gefragt, um was es geht. Mir war immer klar, dass ich danach sportlich erfolgreich sein muss, weil sonst diese Leute eine einfache Erklärung gehabt hätten für Misserfolg. Ich werde auch weiter Projekte abseits der Matte machen, weil es mir Spaß macht, aber auch Öffentlichkeit verschafft.

          Auf dem Weg zum Titel lagen Sie in jedem einzelnen Kampf zwischenzeitlich in Rückstand. Wie gehen Sie mit Zweifeln am Erfolg um?

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