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Weltmeister Frank Stäbler : Herr der Ringer fordert MMA-König McGregor heraus

Der Weltmeister als Herausforderer: Frank Stäbler will gegen Conor McGregor ringen Bild: dpa

Conor McGregor behauptet, der vollkommenste Kampfsportler der Welt zu sein. Das beantwortet der Ringer-Weltmeister Frank Stäbler nun mit einer Herausforderung per Facebook. Der Gag hat ernsten Hintergrund.

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          Frank Stäbler ist öffentlichkeitswirksamen Auftritten seit jeher nicht abgeneigt. So ging der einzige aktuelle deutsche Ringer-Weltmeister 2016 in den Big-Brother-Container oder er spielte mal beim Völkerball-Turnier des Fernsehsenders ProSieben mit. Mit seinem Sport hatte das nicht wirklich etwas zu tun. Aber Stäbler wollte mit den Aktionen nicht nur ein bisschen sein Konto aufbessern, sondern auch eine Botschaft vermitteln. „Mir geht es bei solchen Auftritten auch darum, Werbung fürs Ringen zu machen. Damit erreiche ich mehr Leute als bei Ringkämpfen“, sagte er.

          Tatsächlich findet seine Sportart in einer TV-Nische statt. Seine Weltmeistertitel 2015 und 2017, als erster Deutscher krönte sich der Griechisch-Römisch-Spezialist in zwei verschiedenen Gewichtsklassen zum Besten, fanden deshalb nahezu unter Ausschluss der deutschen Sportöffentlichkeit statt. Selbst deutsche Medien nehmen von dem in der Ringerwelt sehr respektierten Athleten kaum Notiz. Bei der Wahl zum Sportler des Jahres landete Stäbler, obgleich er einen tadellosen Ruf genießt und auch durchaus als Sympathieträger durchgeht, entsprechend nicht einmal unter den besten zehn. Für ihn ist das immer wieder ein Zeichen, dass seine Sportart mehr Aufmerksamkeit braucht.

          McGregor bei der Ehre packen

          Und deshalb hatte der 28 Jahre alte Ringer nun eine Idee: Aus dem Trainingslager der deutschen Griechisch-Römisch-Nationalmannschaft in Marokko postete er auf seiner Facebook-Seite eine Herausforderung an Conor McGregor - im Ringen wohlgemerkt. McGregor ist der Superstar der Free-Fighting Sportart Mixed Martial Arts, die in Deutschland wegen ihrer Brutalität und auch des entsprechend mit einem Käfig als Kampfplatz in Szene gesetzten Rahmens sehr umstritten und für Fernsehübertragungen gar verboten ist.

          MMA ist eine Kombination aus allen gängigen Sportarten, Ringen ist neben Boxen und Kickboxen die vielleicht wichtigste Grundlage. Im MMA darf anders als bei den Griechisch-Römischen und Freistil-Ringern auch geschlagen und getreten werden, selbst am Boden liegende Gegner dürfen beispielsweise mit dem Ellbogen oder dem Knie attackiert werden.

          Viele der besten MMA-Kämpfer der Welt haben eine ringerische Vergangenheit, einige olympische Medaillengewinner im Ringen geben immer wieder Gastspiele bei der Ultimate Fighting Championship (UFC). Der erfolgreichste dabei ist der Weltmeister und Olympiazweite Yoel Romero. Der Kubaner hat auch im MMA-Weltverband UFC bereits um einen Interims-Titel gekämpft, allerdings verloren.

          McGregor wiederum hat im vergangenen Jahr mit einem aufsehenerregenden Duell gegen Floyd Mayweather ein Gastspiel im Boxen gegeben, das ihm wohl rund hundert Millionen Dollar eingebracht hat. „McGregor hat ja mehrfach gesagt, dass er der vollkommenste Kampfsportler der Welt ist“, sagt Stäbler. „Er hat gegen Mayweather bewiesen, dass er Boxen kann. Nun könnte er gegen mich beweisen, dass er auch in der Königsdisziplin des Kampfsports, im Ringen, bestehen kann.“ Für ein Duell würde Stäbler dem MMA-Spezialisten entgegenkommen und im Freistil ringen. „Ich bin mir sicher, ihn auch stilartfremd zu besiegen“, sagt Stäbler, der wiederum einen Wechsel zum MMA trotz lukrativer Offerten kategorisch ausschließt. Ihm widerstrebe, dass im MMA in Kauf genommen werde, das sich der Verlierer bis hin zu gesundheitlich schwerwigenden Folgen verletzen könne.

          Mit Floyd Mayweather hat sich Conor McGregor bereits im Boxring gemessen

          Das Duell der beiden nahezu gleich alten Kampfsportler, McGregor ist ein gutes Jahr vor Stäbler im selben Sternzeichen Krebs geboren, würde einen gewissen Sinn ergeben: McGregor und der zuletzt in der Gewichtsklasse bis 71 Kilogramm bei der WM erfolgreiche Stäbler haben in etwa das gleiche Gewicht, was gerade im Ringen die Grundlage für Chancengleichheit darstellt. Zudem hat McGregor wie Stäbler bei der UFC zunächst den Titel in der niedrigeren Gewichtsklasse bis 65 Kilogramm gewonnen, eher er in die Klasse bis 70 Kilogramm gewechselt ist.

          Tapfer geboxt, aber verloren: McGregor gegen Mayweather

          Stäbler, in seiner Sportart wegen seiner Vorreiterrole im deutschen Team gerne als „Herr der Ringer“ bezeichnet, gesteht ein, dass er bislang nur geringe Aussichten für das Zustandekommen eines Duells mit dem „King of MMA“ sieht. Eine Reaktion McGregors gab es bislang nicht. Aber er hofft, dass die virale Wirkung seines Posts auch McGregor erreicht. „Bislang haben sich das über 50.000 Menschen bei Facebook angeschaut, die Reaktionen waren zu 70 Prozent positiv, die anderen 30 Prozent kritisieren das als PR-Gag. Mich hat schon das zuerst einmal interessiert, wie die Ringerszene darauf reagiert“, sagt Stäbler. „Ich kann McGregor natürlich keine Börse bieten, die er vom MMA oder gar vom Mayweather-Kampf gewohnt ist. Ich muss hoffen, dass ich ihn bei der Ehre packe.“ Ein MMA-Star wie McGregor ist Multimillionär, während Stäbler einst in der F.A.Z. als Ziel ausgab, „innerer Millonär werden“ zu wollen. 

          Stäbler hofft, dass es nach ersten zarten Kontaktversuchen seines Managements zu einem Box-Promoter gelingt, den Kampf anzubahnen, der der traditionsreichen olympischen Sportart Ringen weltweit Aufmerksamkeit bescheren würde. Und einen Lieblings-Austragungsort hätte Stäbler auch schon: Las Vegas. Dort wurde er 2015 vor vollen Rängen im ringsportverrückten Amerika, wo an den Colleges Ringen eine der populärsten Sportarten ist, erstmals Weltmeister. Der Ort entspricht spätestens seit damals Stäblers Vorstellung vom angemessenen Rahmen für seinen Sport.

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          In einer früheren Version des Textes wurde die UFC als Profiverband bezeichnet. Die UFC ist lediglich ein Veranstalter der MMA-Titelkämpfe. Yoel Romero gewann zudem keinen UFC-Titel, er verlor einen Kampf um einen Interimstitel. 

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