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Deutsches Eishockey-Finale : Ein Mann für gewisse Momente

  • -Aktualisiert am

Einer, der den Unterschied machen kann: Frank Maurer (rechts), hinter ihm Trainer Don Jackson Bild: nordphoto

Der Münchner Eishockeyspieler Frank Mauer dreht immer dann auf, wenn es darauf ankommt – wie jetzt im Finale gegen die Adler. Vor dem zweiten Spiel der Serie hat sein Team einen Vorteil.

          Der Spruch „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ passt auf kaum etwas so gut wie auf eine Play-off-Serie. Selbst nach Siegen kommt niemand auf die Idee, sich zurückzulehnen. Weil die nichts Endgültiges haben, sondern wie Gewinnsätze im Tennis zu verstehen sind. Alle zwei, drei Tage steht eine neue Prüfung an. Im Eishockey zum Beispiel darf erst jubeln, wer vier Duelle gewinnt. Da war es wenig überraschend, dass selbst Siegtorschütze Frank Mauer am Donnerstagabend keine Luftsprünge machte nach dem 2:1-Erfolg seines EHC Red Bull München bei den Adlern aus Mannheim. „Wir müssen uns noch steigern“, sagte der Stürmer mit Blick auf das zweite Finalspiel der Deutschen Eishockey Liga, das bereits an diesem Samstagabend (20 Uhr bei Sport 1 und Magentasport) in München ansteht.

          Nicht nur Mauer bemühte sich nach dem Serienauftakt darum, nicht zu viel in das erste von maximal sieben Spielen hineinzuinterpretieren. Sein Trainer Don Jackson sprach auf der Pressekonferenz gerade mal einen Satz: „Ich bin stolz auf meine Mannschaft, und mehr möchte ich nicht sagen.“ Adler-Coach Pavel Gross schien die Niederlage nach Verlängerung ebenfalls nicht nachhaltig erschüttert zu haben: „Es steht eins zu null, wir müssen ein paar Sachen anpassen, ein paar Sachen besser machen, dann sehen wir uns am Samstag wieder.“ Nichts passiert also.

          Sein Name fällt nur selten

          Natürlich ist doch etwas passiert. Zumindest in der Tektonik dieser Finalserie, auf die Eishockey-Deutschland seit Monaten hinfiebert. Sind Adler und EHC doch in Sachen Geld und Kaderstärke genauso eng beieinander wie dem Rest der Liga enteilt. Es war und ist das logische Finale. Und dennoch waren die Mannheimer zuletzt allerorten zum eindeutigen Favoriten erklärt worden: Erst schlossen sie die Hauptrunde als Tabellenführer ab, dann benötigten sie für die erforderlichen acht Siege im Viertelfinale und im Halbfinale vier Spiele weniger als die Münchener. Und kaum lief das Finale, überrannten die ausgeruhten Adler den EHC, schossen in den ersten 40 Minuten fast doppelt so oft aufs Tor und hätten höher führen können als 1:0 (Ben Smith/35. Minute). Da fühlten sich alle bestätigt, die seit Wochen sagen, dass die Münchner zwar immer noch ein Topteam sind, dass ihnen mit den vielen Abgängen vor der Saison aber auch die Souveränität der Vorjahre abhandengekommen ist.

          Dass es keine gute Idee ist, ein Team, das zuletzt dreimal in Serie deutscher Meister geworden ist, zu früh abzuschreiben, zeigte sich spätestens vom dem dritten Drittel an. Plötzlich fanden die Münchner immer mehr Wege, sich aus der Umklammerung zu befreien, sogar in Unterzahl, als Matt Stajan (48.) zum Ausgleich traf, der Verlängerung bedeutete. In der war der EHC sogar das bessere Team, Mauer erzielte in der 79. Minute den Siegtreffer. Und nun scheint er plötzlich wieder eine reelle Option zu sein, der vierte Meistertitel in Serie. Das ist noch keinem DEL-Team gelungen.

          Für Siegtorschütze Mauer selbst wäre es bereits der fünfte. Was ebenfalls ein Rekord wäre. Keinem anderen Spieler ist das in 25 Jahren DEL geglückt, auch nicht den prägenden Figuren früherer Serienmeister aus Mannheim oder Berlin. Und trotzdem fällt Mauers Name selten, wenn über die sogenannten „Unterschiedsspieler“ gesprochen wird. Er ist nicht mal Stammspieler im Nationalteam. Der 31-Jährige hat zwar seine Fähigkeiten, ist schnell, robust und technisch gut ausgebildet, aber er ist halt keiner, der 25 Tore in der Hauptrunde macht. Sein Bestwert sind 15.

          Umso bemerkenswerter ist es, wie Mauer immer dann aufdreht, wenn es richtig darauf ankommt. 2018 war er doch mal wieder bei der Nationalmannschaft und traf beim 4:3 im olympischen Halbfinale gegen Kanada per Traumtor durch die eigenen Beine. Und auch im Verein ist er der Mann für gewisse Stunden: Seit 2015 hat er in 70 Play-off-Spielen 54 Scorerpunkte gesammelt. Am Ende der Saison durfte Mauer jeweils den Meisterpokal in die Höhe recken. Zuletzt dreimal mit den Münchnern, davor einmal mit den Mannheimern.

          Dort hat Mauer seine sportlichen Wurzeln; diese Finalserie hat somit einen besonderen Aspekt für ihn. Mit sieben Jahren begann der gebürtige Heidelberger mit dem Eishockeyspielen bei den Jungadlern, mit denen er mehrmals Meister wurde. Mit 15 zog er ins dortige Internat, bis heute hält Mauer Kontakt zu früheren Lehrerinnen. 2015 ging es dennoch nach München, wo Mauer noch mal einen Sprung gemacht hat. Er denke nun „mehr über Feinheiten des Spiels nach“; das hilft ihm, sich aufs Wesentliche zu fokussieren. Gerade in den Play-offs, wo nach dem Spiel stets vor dem Spiel ist.

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