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Kinofilm „Foxcatcher“ : Nach Olympias Ruhm

  • -Aktualisiert am

Exzentrischer Millionenerbe John E. du Pont (gespielt von Steve Carrell): „Alles an ihm war versponnen“ Bild: AP

Der Kinofilm „Foxcatcher“ erzählt gekonnt die wahre Geschichte vom tödlichen Drama zwischen den Brüdern Mark und Dave Schultz, beide Olympiasieger im Ringen, und ihrem exzentrischen Mäzen John E. du Pont.

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          Man muss zuerst den Titel erklären. Denn mit dem Fangen von Füchsen hat der Film nichts zu tun. Es geht um den Mord an einem erfolgreichen amerikanischen Ringer, der 1996 aus nächster Nähe mit drei Schüssen aus einem Revolver umgebracht wurde. Und um den Täter, einen durchgeknallten reichen Erben. „Foxcatcher“ - das ist der Name jener Farm außerhalb von Philadelphia, die zu einem der Schauplätze einer verstörenden Geschichte aus dem amerikanischen Sport wurde, an deren Ende der Weltergewichts-Olympiasieger Dave Schultz sein Leben verlor.

          Sein Mörder, der exzentrische Multimillionär John E. du Pont, wurde zu 20 bis 40 Jahren Gefängnis verurteilt und für unzurechnungsfähig erklärt. Er starb im 2010 im Alter von 72 Jahren in seiner Zelle, aber sorgte auch da noch für Aufsehen. Denn er hinterließ dem bulgarischen Ringer und Olympiasieger von Atlanta im Fliegengewicht Walentin Jordanow, achtzig Prozent seines gewaltigen Vermögens.

          Als der Film vor einem Jahr in Cannes lief, der die eigenwillige Konstellation zwischen du Pont sowie Dave Schultz und seinem jüngeren Bruder Mark aufdröselt, waren die Kritiker angetan. Der Spiegel etwa lobte ihn als „atmosphärisch dichtes und sehr vielschichtiges Meisterwerk“, in dem „komplizierte Männerbeziehungen, unterdrückte Triebe, Machtmissbrauch und psychisch deformierte Kinder“ angepackt werden. Die Wertschätzung wurde unlängst von den Vorjuroren der Oscar-Verleihung bestätigt. „Foxcatcher“ erhielt fünf Nominierungen, darunter in den Kategorien „bester Regisseur“, „bester Hauptdarsteller“, „bester Nebendarsteller“ und „bestes Original-Drehbuch“.

          Kinotrailer : Foxcatcher

          Das amerikanische Publikum aber machte einen Bogen um das Drama. Überraschenderweise, denn Ringen ist in den Vereinigten Staaten Volkssport mit insgesamt einer Viertelmillion Aktiven allein in der Altersgruppe zwischen vierzehn und achtzehn, darunter zehntausenden von Mädchen. Dem erfolgreichen Nachwuchs winken Stipendien an mehr als hundert Colleges.

          Zu den Soldaten, aufs Sozialamt oder zu du Pont

          Auch die beiden in Kalifornien aufgewachsenen Schultz-Brüder waren auf diesem Weg nach oben gekommen und nutzten bei den von den meisten Ostblock-Staaten boykottierten Spielen von Los Angeles ihre Chance. Mark, der jüngere, gewann Gold im Mittelgewicht.

          Danach begannen die Schwierigkeiten. „Meine beruflichen Möglichkeiten waren begrenzt“, erzählte Mark kürzlich in einem Interview. Anders als für andere Medaillengewinner und Stars der Spiele gab es für die Ringer keine Werbeverträge. Man konnte entweder zu den Soldaten gehen, zum Sozialamt oder den Job akzeptieren, den der reiche du Pont offerierte - für damals stattliche 24.000 Dollar im Jahr. „Im Blick zurück, weiß ich, dass ich besser meinem Instinkt gefolgt wäre und ihn nie in mein Leben gelassen hätte. Und natürlich auch nicht ein paar Jahre später in das Leben meines Bruders. Alles an ihm war versponnen. Von den rotgefärbten Haaren mit Schichten aus Schuppen bis zu den dunkelgelben Zähnen, an denen das Essen klebte.“

          Kämpfer und Mäzen: Mark Schultz (Channing Tatum) wird von John du Pont (Steve Carell) gefördert Bilderstrecke
          Kämpfer und Mäzen: Mark Schultz (Channing Tatum) wird von John du Pont (Steve Carell) gefördert :

          John du Pont, Spross der Gründerfamilie des Chemiekonzerns DuPont, hatte Zoologie studiert, hatte promoviert und sich anschließend mit vielen Dingen beschäftigt. Darunter mit der Zucht von Rindern- und Vollblutpferden auf der ererbten Foxcatcher Farm und mit dem Sammeln seltener Briefmarken. In den achtziger Jahren entdeckte er sein Interesse am Ringen und richtete auf dem weitläufigen Anwesen eine Trainingsanlage ein.

          „Meistens betrunken oder auf Drogen“

          Zwar sorgte sein seltsames Verhalten in Ringer-Kreisen rasch für Skepsis, aber als zahlungskräftiger Sponsor genoss er einen Freibrief. Und das obwohl er „jeden Tag vorbeikam und seine Nase in alles hineinsteckte“, wie sich Mark Schultz erinnert. „Er war launisch und meistens betrunken oder auf Drogen. Nichts, was er sagte, machte irgendwie Sinn. Aber er konnte einfach nicht den Mund halten.“

          1996 hatte sich der jüngere Schultz-Bruder bereits abgesetzt und arbeitete als Cheftrainer an der Brigham-Young University in Provo im Bundesstaat Utah. Dave allerdings war noch auf der Foxcatcher-Farm. Dann kam der Anruf seines Vaters. „Er hat mir gesagt, dass du Pont meinen Bruder umgebracht hat. Ich bin explodiert und habe alles in meinem Büro zu Kleinholz gemacht“.

          Mit dem Abstand einiger Jahre brachte er seine Geschichte auf Papier. Während Regisseur Bennett Miller, der mit „Capote“ bereits gezeigt hatte, wie man Exzentriker auf die Leinwand bringt, und mit „Moneyball“, wie man mit Sportthemen umgeht, seinen Film produzierte, schrieb Schultz ein Buch: „Foxcatcher: The True Story of My Brother’s Murder, John du Pont’s Madness, and the Quest for Olympic Gold“. Die wahre Geschichte über den Mord an seinem Bruder, den Wahnsinn des reichen John du Pont und das Streben nach olympischem Gold.

          Glanzleistung von Steve Carell

          Dass die Geschichte auf der Leinwand fasziniert, liegt unter anderem an der schauspielerischen Leistung von Hauptdarsteller Steve Carell, der sich bislang vornehmlich als Komiker einen Namen gemacht hatte, in der Rolle von John du Pont. Zu kurz kommt die Ausgangslage: das System der amerikanischen Sportförderung, das Athleten unter dem Dach des Nationalen Olympischen Komitees mit gerade mal zehn Prozent aus dem jährlichen Topf von mittlerweile mehr als 250 Millionen Dollar fördert.

          Andere Förderkonstruktionen wie etwa die Sporthilfe in Deutschland oder staatliche Einrichtungen wie Polizei oder Armee gibt es nicht. Wenigstens gibt es heute Prämien von 25.000 Dollar für den Gewinn einer Goldmedaille. Aber die müssen anschließend noch versteuert werden.

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