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Floyd Landis : Drittklassig in die Zukunft

Bild: REUTERS

Die Kalifornien-Rundfahrt wartet mit vielsagenden Namen auf: Ivan Basso und Tyler Hamilton sind am Start, für Lance Armstrong ist sie Teil der Comeback-Tour. Ähnliches, sehr viel kleiner, versucht dort auch Floyd Landis - der einzige Tour-de-France-Gewinner, dem der Sieg aberkannt wurde.

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          Floyd Landis sitzt wieder auf dem Rad, und seine Ziele sind bescheiden geworden. Er wolle einfach nur alles hinter sich lassen, sagt der Amerikaner, der gerade bei der Tour of California in die Pedale tritt – erstmals nach einer zweijährigen Doping-Sperre. 2006 hatte sich Landis noch sehr viel forscher zu seinen Absichten geäußert. Er sei mit drei Zielen bei der Tour de France angetreten, hatte Landis damals der „Financial Times“ gesagt. „Ich wollte gewinnen, meiner Familie ein besseres Leben bieten und den Radsport unterstützen.“ Landis’ Siegesfahrt auf den Champs-Élysées war kaum zwei Monate vergangen – da wurde er nach positiver A- und B-Probe des Dopings beschuldigt. „Ich fürchte“, sagte er damals, „ die letzten zwei Ziele erfüllen sich nicht.“

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Das erste Profi-Rennen seit der Tour 2006

          Landis war nach der 17. Etappe der Tour de France getestet worden, an dem Tag, an dem er unschlagbar schien, war sein Testosteronwert fast dreimal so hoch wie erlaubt. Wenige Monate später wurde ihm der Tour-Titel aberkannt – einzigartig in der Geschichte dieses Rennens. Das Team Phonak kündigte ihm erst fristlos und löste sich anschließend auf.

          Durch Kälte und Regen - und der Konkurrenz hinterher: Floyd Landis in Kalifornien

          Stets hatte Landis seine Unschuld beteuert, vor Gericht gekämpft. Er habe nicht gedopt, die Ergebnisse seien ein Testfehler gewesen, sagte er. Die Richter aber glaubten nicht Landis, sondern den Laborwerten. Am 30. Januar dieses Jahres endete seine Zwangspause. Die Tour of California ist sein erstes Profi-Rennen seit der Tour 2006. In Kalifornien, wo seine Karriere begann, will der Amerikaner wieder zurückfinden in das Renngeschäft.

          Landis, Armstrong, Basso, Hamilton

          Dass dabei die Kameraobjektive in Kalifornien kaum auf ihn gerichtet sind, dürfte ihn nicht stören. Schließlich hat Landis sich stets über eine Verfolgung durch die Medien beklagt. Bei der Kalifornien-Rundfahrt ist er einer von mehreren Fahrern, die nach Doping-Skandalen wieder auf den Fahrradsattel gestiegen sind. Auch Tyler Hamilton und Ivan Basso fahren mit, die Aufmerksamkeit aber ziehen andere auf sich, vor allem Lance Armstrong, ebenfalls ein umstrittener Rückkehrer.

          Der Texaner sah sich im Laufe seiner Karriere immer wieder verfolgt von Doping-Vorwürfen. Ihm aber wurde nie rechtskräftig Missbrauch nachgewiesen. Jetzt ist er wieder die amerikanische Hoffnung auf einen Erfolg bei der Tour. Den Prolog in Kalifornien schloss Armstrong als Neunter ab, Landis wurde 90.

          Landis' Fürsprecher: Lance Armstrong

          Landis hat seinem Landsmann Armstrong, der die Ergebnisse seiner Dopingkontrollen nun wie angekündigt im Internet veröffentlichte, viel zu verdanken. 1999 war er von seiner Heimat Pennsylvania nach Kalifornien gezogen. Er kam aus einem sportlichen Niemandsland, wuchs bei einer Sekte auf, die die Moderne ablehnt. Landis aber wollte Rennen fahren. 2001 entdeckte Armstrong ihn, er holte Landis in sein Team. Von da an bereitete Landis den Weg für Armstrong zu den Siegen bei der Tour. 2003 stürzte Landis dann so schwer, dass er auch Jahre später über anhaltende Hüftschmerzen klagte – während seiner Sperre ließ er sich ein künstliches Hüftgelenk einsetzen.

          Vielleicht trieb ihn auch die Verletzung damals dazu, sich von Armstrong zu lösen. 2004 trennten sich die Wege. Danach soll das Verhältnis der beiden angespannt gewesen sein, bei der Rückkehr von Landis ins Peloton findet er in Armstrong aber wieder einen Fürsprecher: „Jeder verdient eine zweite Chance“, sagte Armstrong über seinen ehemaligen Teamkollegen.

          Eine Nebenrolle in Kalifornien

          Für Armstrong verläuft die Kalifornien-Rundfahrt inzwischen eher unglücklich. Nachdem ihn erst seine Zeitfahrmaschine aus dem Teamtruck gestohlen wurde, stürzte er auf der zweiten Etappe am Montag. Trotzdem schaffte er es ohne größere Blessuren als Dreizehnter ins Ziel. In Führung ist nach der zweiten Etappe Levi Leipheimer, der wie Armstrong beim Team Astana unter Vertrag steht.

          Die Premiere der Kalifornien-Tour 2006 hatte noch Landis gewonnen. Es war der erfolgreiche Auftakt in das Jahr, in dem er im Radsport erst alles erreichte – und dann tief stürzte. Diesmal dürfte der Mann mit der dunklen Vergangenheit und der ungewissen Zukunft in Kalifornien nur eine Nebenrolle spielen. Er fährt für das Team Ouch, das von Experten als drittklassig eingeschätzt wird.

          Das Ouch-Team ist nur in Amerika startberechtigt

          Schon vor dem Tour-Beginn in Kalifornien war Landis beim Training gestürzt. Keine schweren Verletzungen, hieß es. Trotzdem fuhr der Amerikaner bei den ersten beiden Etappen durch die Kälte und den Regen an der amerikanischen Westküste der Konkurrenz hinterher. Landis aber spürt Fortschritte: „Ich fühle, dass ich immer besser in Tritt komme“, sagt er. Im Gesamtklassement liegt er auf dem 29. Platz.

          Wenn am kommenden Sonntag die Tour durch Kalifornien nach 1200 Kilometern in Escondido endet, wird Landis viel Zeit haben, um sich auf die nächsten Herausforderungen vorzubereiten. Landis’ Team ist nur für amerikanische Rennen startberechtigt. Bei der Fahrervorstellung des Ouch-Teams wurde Landis übrigens nach seinem besten Moment auf dem Rad gefragt. Er sagte: „2006, Tour de France.“

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