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Wellbrock bei Finals in Berlin : „Ich wollte mir hier keinen abbaden“

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Knapp ein Jahr nach EM-Gold holte sich außerdem Speerwerferin Christin Hussong an gleicher Stätte den dritten nationalen Titel im Olympiastadion mit 65,33 Meter. Schon den vierten Meisterschaftserfolg feierte Stabhochspringerin Lisa Ryzih. Die Vize-Europameisterin von 2016 aus Ludwigshafen gewann mit 4,60 Meter. Titel Nummer sieben im Hochsprung sicherte sich die Marie-Laurence Jungfleisch (Stuttgart) mit 1,90 Meter.

Für Unmut hatte Diskus-Olympiasieger Christoph Harting vor seinem Auftritt mit respektlosen Äußerungen über die Titelkämpfe der Leichtathleten gesorgt. „Deutsche Meisterschaften sind immer der große letzte Nominierungswettkampf, wo der DLV sagt, ihr müsst hinfahren. Es ist die letzte Erpressungsmöglichkeit der deutschen Leichtathletik“, hatte der 29 Jahre alte Werfer der „Berliner Zeitung“ (Samstagausgabe) gesagt – und im Wettkampf seine Worte insofern wahr gemacht, als dass er mit drei ungültigen Würfen den Endkampf verpasste.

Elisabeth Seitz erlebte bei den deutschen Turn-Meisterschaften in Berlin ein Balken-Desaster. Drei Stürze vom Zittergerät zerstörten ihren Traum vom achten Mehrkampf-Titel der Turnerinnen. „Das war leider ein Total-Ausfall. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dreimal in einem Wettkampf abgestiegen bin“, sagte sie enttäuscht nach dem fünften Mehrkampf-Rang (51,60 Punkte). Desaströse 9,95 Punkten standen für die Top-Favoritin aus Stuttgart nach dem Balken auf der Anzeigetafel der Berliner Max-Schmeling-Halle. Nutznießerin war die Kölnerin Sarah Voss, die sich mit 54,25 Punkten überraschend erstmals die Meister-Krone im Vierkampf sicherte.

Für Seitz riss damit nach vier nationalen Allround-Goldmedaillen eine Serie. Am Stufenbarren bewies die WM-Dritte aber trotz Fußproblemen in den zurückliegenden Wochen gewohnte Souveränität und zog mit Bestnote von 14,65 Punkten als Top-Favoritin ins Finale am Sonntag ein. Dort könnte es der 25 Jahre alten Stuttgarterin doch noch gelingen, den nationalen Rekord von insgesamt 22 Turn-Titeln der Ost-Berlinerin Ingrid Föst zu knacken, die zwischen 1953 und 1963 genauso viele Male in der DDR erfolgreich war.

Kugelstoßer David Storl verpasste die WM-Norm.

Voss untermauerte den Anspruch, bei der WM ab 4. Oktober zur deutschen WM-Riege in Stuttgart zu gehören. Die Qualifikationen für das fünfköpfige DTB-Team finden aber erst am 24. August in Stuttgart und am 7.9. beim Länderkampf in Worms statt. Platz zwei ging an Kim Bui (52,55) vor der Olympia-Dritten Sophie Scheder (52,50). Die frühere Weltmeisterin Pauline Schäfer erlebte am Balken gleichfalls eine Enttäuschung, sie stürzte ab und verfehlte den Medaillenkampf am Sonntag.

Bei den Turnern hatte sich zuvor Olympia-Held Andreas Toba ein spannendes Duell mit Titelverteidiger Marcel Nguyen geliefert, das er mit 83,10 Punkten für sich entschied. Nach drei überstandenen Knie-Operationen in Folge nach Olympia 2016 in Rio erkämpfte er seinen zweiten Titel nach 2016. Nguyen (82,35) konnte nach einem Wettkampf ohne große Patzer den Überraschungsdritten Karim Rida aus Berlin (81,60) in Schach halten.

„Das war ein harter Weg. Umso mehr freue ich mich, dass ich wieder ganz oben stehe“, meinte der neue Meister. Einen großartigen Einstand in der deutschen Elite feierte der erst 19 Jahre alte Rida, der sein Glück kaum fassen konnte. „Ich habe gehört, wie meine verletzter Teamgefährte Lukas Dauser vor dem Wettkampf die Hoffnung geäußert hatte, dass ich auf dem Treppchen stehen könnte. Aber ich habe versucht, das komplett auszublenden“, bekannte der Newcomer. Andere WM-Kandidaten wie Nick Klessing, Andreas Bretschneider oder Nils Dunkel leisteten sich vor über 3000 Zuschauern schwere Patzer und müssen nun auf die zweite WM-Qualifikation in Kienbaum hoffen.

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