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Fechter Peter Joppich : Der Löwe von Koblenz

Bild aus erfolgreichen Zeiten: Peter Joppich bei seinem EM-Sieg 2013. Bild: dpa

Das Renommee der deutschen Fechter hat gelitten, selbst der viermalige Weltmeister Peter Joppich ist nicht unangefochten. Doch vor dem Heim-Weltcup in Bonn gibt sich der Rheinländer kämpferisch.

          „Die Motivation ist immer noch hoch“, sagt Peter Joppich: „Das Ziel heißt Olympia“. Noch einmal, immer wieder. Sogar mit Mitte 30, auch als junger Vater einer gut zweijährigen Tochter, selbst als viermaliger Weltmeister, dessen größte Erfolge schon ein Weilchen zurücklegen: Der in Bonn trainierende Koblenzer hat wenig von seinem Biss verloren. Auf Tokio 2020 arbeitet er hin. Möglichst mit der Mannschaft, zur Not auch als Einzelkämpfer wie schon in Rio, wo er die deutsche Florett-Fahne hochhielt, aber im Achtelfinale scheiterte. „Ich gehe voran“, sagt der Sportsoldat, der nach Abschluss seines BWL-Studiums wieder stärker auf den Sport fokussiert ist.

          Tokio wäre Joppichs fünfte Olympia-Teilnahme seit 2004. In Athen wurde er Sechster, in Peking Fünfter. 2012 gewann er Bronze mit dem Team. Eine Einzelmedaille fehlt noch. „Vielleicht sind es meine letzten Spiele“, meint Joppich vorausschauend: „Also es sieht eher danach aus“. 2024 wird er 41 Jahre alt sein, und das erscheint dann selbst bei einem jugendlichen Typen wie ihm unrealistisch. „Klein, flink, schnell“, so hat ihn Bundestrainer Uli Schreck einmal beschrieben. An den Attributen hat sich auch mit 35 nichts geändert. Dank seiner Statur, seiner blonden Mähne, seiner Ausstrahlung wirkt der Rheinländer sogar eher jünger, obwohl er schon so lange dabei ist. „Nur die Regeneration dauert etwas länger“, bekennt er: Ansonsten sei alles gut, er habe er keine Schmerzen: „Ich hatte Glück, ich bin in meiner Karriere von Verletzungen verschont geblieben“.

          Zudem kann er sich auf eine verblüffende Unerschrockenheit verlassen. „Ich werde nicht nervös“ sagt er über die Fähigkeit, unabhängig vom Punktestand zu agieren. Gerne auch aus der Defensive heraus. Beim Florettfechten zählen nur Treffer für denjenigen, der die Initiative ergreift. Doppeltreffer wie beim Degen werden dagegen nicht gewertet. Gleichwohl gilt Joppich als Meister der Verteidigung. Es fällt nicht leicht, den flinken Defensivkünstler an Rumpf oder Maske zu treffen, und es gelang ihm in seiner Karriere immer wieder meisterhaft, Angriffe abzuwehren und mit Konterangriffen zu punkten.

          Sein Ziel bis 2020: Noch einmal mit der deutschen Mannschaft zu Olympia.

          Beim „Löwen von Bonn“, dem Heim-Weltcup am Wochenende, will Joppich sich nun wieder einmal gegen die versammelte Weltelite beweisen. „Vor einheimischer Kulisse macht es besonders viel Spaß“. Es ist der erste lokale Höhepunkt einer Saison, die Mitte Juni 2019 mit der EM in Düsseldorf und der einen Monat später in Budapest ausgetragenen WM gipfelt.

          Ab Mai gehen alle Gefechte in die Olympia-Qualifikation ein. Der Zyklus ist ohnehin lange und hart, doch schon jetzt gilt es, sich eine gute Ausgangsposition zu erfechten. In der Weltrangliste rangiert Joppich derzeit nur auf Rang 37, ist damit aber immer noch bester Deutscher. Als Mannschaft liegen die Deutschen auf Rang 13, nur acht dürfen im olympischen Teamwettbewerb starten. Auch wenn das Renommee der deutschen Fechter in der elegantesten aller Kampfsportarten zuletzt spürbar gelitten hat, auch wenn selbst Peter Joppich nicht mehr unangefochten ist, so glaubt der Rheinländer doch weiterhin an seine Chancen: Den „Löwen von Bonn“ gewann er schon zweimal, zuletzt 2016. Und es zeichnet ihn ja aus, unabhängig vom Punktestand zu agieren.

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