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Basketball und Football : Ärger um die Schummeleien im US-Sport

  • -Aktualisiert am

Was ist hier passiert? In der NBA ist zwischen Regelverstoß und Simulation manchmal kaum zu unterscheiden. Bild: Picture-Alliance

Im Fußball ist es die Schwalbe, in den USA ärgern sich viele über das „Flopping“. Das Vortäuschen von Regelverstößen gilt als Unsitte und erlebt dennoch im Basketball und Football ein Revival. Warum?

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          Die Regel gibt es seit knapp zehn Jahren. Aber sie wird nur selten angewandt. Denn dazu muss sich jemand im Büro der NBA in New York die Arbeit machen, Videoaufzeichnungen von kurzen Spielszenen durchzuschauen und das Geschehen aus so vielen Kamerablickwinkeln wie möglich zu analysieren. Doch im Februar passierte es mal wieder.

          Da sprach die Liga nach einer Begegnung der Los Angeles Lakers gegen die Memphis Grizzlies gleich zwei Verwarnungen gegen Mitglieder der Mannschaft aus. LeBron James, Amerikas prominentester Basketballer, und Kyle Kuzma wurden mit Geldbußen von jeweils 5000 Dollar bestraft. Sie waren nach einem ausgiebigen Studium der Bewegtbilder für schuldig befunden worden, die Schiedsrichter getäuscht und zu einem Pfiff verleitet zu haben, als sie sich im Kampf um den Ball grundlos fallen ließen.

          Das Delikt wird in der Sprache des amerikanischen Sports „Flopping“ genannt und ist das Äquivalent einer Schwalbe im Fußball. Ein Flop mag zwar auf den Ausgang eines Spiels, bei dem die zahllosen Angriffe auf den Korb des Gegners auf ein Endresultat von oft mehr als hundert Punkten summiert, einen deutlich geringeren Einfluss auf Sieg oder Niederlage haben als ein geschundener Elfmeter.

          Verstoß gegen den Sportgeist

          Trotzdem hat sich die NBA bereits vor zehn Jahren mit dem Problem auseinandergesetzt und einen eigenen Strafenkatalog herausgegeben. So steigen bei Wiederholungstätern die Bußen nach jeder Missetat schrittweise von 5000 auf 50.000 Dollar. Wer innerhalb einer Saison sechsmal erwischt wird, muss mit einer Sperre rechnen, die zu einem anteiligen Gehaltsabzug führt.

          Die Abneigung unter amerikanischen Fans gegen das theatralische Simulieren von Fouls ist nichts Neues. Das Verhalten verstößt gegen den vor mehr als hundert Jahren an den Elite-Universitäten des Landes entstandenen Sportsgeist, jener schwer zu definierenden Kategorie aus ehrlicher Gesinnung, Charakter und Respekt gegenüber den Regeln und gegenüber dem Gegner. Dass der eingeimpfte kulturelle Vorbehalt so lange überlebt hat, mag überraschend wirken angesichts der Verhältnisse im internationalen Fußball, der populärsten Mannschaftssportart der Welt, in der Schauspielkunst und die geschickte Ausführung versteckter Fouls bereits jungen Aktiven beigebracht werden.

          In den Vereinigten Staaten verstößt derlei jedoch gleich gegen zwei moralische Prinzipien: Flopping (im Fußball meistens Diving genannt) gilt als Betrugsversuch und gleichzeitig als Demonstration von körperlicher Schwäche sowie von Selbstmitleid und Wehleidigkeit. Wahre Siegertypen haben so etwas nicht nötig. Das ist die Theorie. In der Praxis sieht es allerdings anders aus. „Flops gibt es schon lange“, weiß Ronnie Nunn, der früher als NBA-Schiedsrichter mit solchen Täuschungsmanövern ganz unmittelbar konfrontiert wurde und spontan entscheiden musste, ob er das Verhalten mit dem Verhängen eines technischen Fouls bestraft oder ignoriert.

          Er erinnert sich an Spezialisten wie Dennis Rodman („Der war wirklich gut darin, beim Sprung nach dem Ball das Handgelenk des Gegners festzuhalten, aber gleichzeitig so zu tun, als würde er gefoult“) oder Karl Malone („Der tat unter dem Korb gern so, als würde er von jemandem von hinten geschubst“). Heute sind Stars wie LeBron James, Chris Paul (Phoenix Suns) oder Stephen Curry (Golden State Warriors) berüchtigt für ihre Neigung, zu simulieren.

          Eigene Schummel-Spezialitäten

          Weshalb es immer wieder Versuche gibt, das Phänomen zu analysieren und einzudämmen. So finanzierte eine Firma, die Mark Cuban gehört, dem Eigentümer der Dallas Mavericks, vor sieben Jahren einer Gruppe von Biomechanikern an der Southern Methodist University in Texas eine wissenschaftliche Untersuchung zum Thema. Es dauerte eine Weile, ehe die Studie fertig war. Sie beschäftigt sich unter anderem mit den kinetischen Verhältnissen, die beim Körperkontakt zwischen Spielern eine Rolle spielen. Es zeigte sich, dass es Indikatoren gibt, um Schiedsrichter zu schulen, damit sie an Ort und Stelle unsportliche Simulationen abpfeifen: Lässt sich bereits der Vorsatz erkennen? Ja, etwa dann, wenn der Flopper zu früh schauspielert oder auch mit deutlicher Verzögerung. Wie bewegen Flopper ihren Oberkörper und ihre Arme? Dies sind die Körperpartien, mit denen die vermeintlichen Opfer das angebliche Foul demonstrativ zu verkaufen versuchen.

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